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Shoot for the moon!

Da ich an der Abschlussfeier am Freitag leider nicht werde teilnehmen können, möchte ich mich von euch, meine liebe 8a, und ganz besonders von euch, meine lieben Maturantinnen, auf diese Weise verabschieden.

Ich durfte heute einigen von euch bei der mündlichen Reifeprüfung zuhören und kann euch versichern, dass das Diktum, früher sei alles besser gewesen, ebenso alt wie falsch ist. Wenn alle Prüfungen so waren wie die heutigen, habt ihr euch euer Maturazeugnis redlich verdient.

Mir ist klar, dass es nicht immer einfach ist, mich als Lehrer zu haben. Ich kann euch aber versichern, dass ich euch nach bestem Wissen und Gewissen fair und mit Respekt behandeln wollte. Sollte mir das nicht immer gelungen sein, bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.

Vieles von dem, was ihr mehr oder weniger mühsam gelernt habt, werdet ihr vergessen. Aber schon der US-amerikanische Psychologe B. F. Skinner, von dem ihr wahrscheinlich in Psychologie gehört habt, wusste: „Education is what survives when what has been learned has been forgotten.“ Wenn ich ein bisschen zu dem, was „überleben“ wird, beisteuern konnte, würde mich das sehr freuen.

Nach – hoffentlich ausgiebigem – Feiern werdet ihr ganz unterschiedliche Wege beschreiten. Ich wünsche euch, dass ihr dabei – so wie „meine“ heutigen Maturantinnen – euer Ziel niemals aus den Augen verliert, denn „obstacles are those frightful things you see when you take your eyes off your goal“. (Henry Ford)

Ich habe damals das Gefühl genossen, die Schule abgeschlossen zu haben. Unzählige Möglichkeiten, ja die ganze Welt steht einem offen. Ich wünsche euch den Mut und die Kraft, euren eigenen Weg zu gehen, um eure Träume zu verwirklichen. „Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars.“ (1)

Zuletzt möchte ich mich bei euch bedanken. Es hat mir Freude bereitet, euch unterrichten zu dürfen. Junge Menschen wie ihr sind es, die die Profession des Lehrers zu einem der schönsten Berufe macht, die es gibt.

(1) Das Zitat stammt von US-amerikanischen Jazzmusiker Lester Raymond („Less“) Brown.

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Your ticket to change the world

Dieses Posting widme ich „meinen“ Maturaklassen.

Meine Lieben!

Die offizielle Feier ist zwar erst am Mittwoch, aber ihr habt schon alle eure Maturaprüfungen hinter euch. Daher möchte ich mich von euch verabschieden.

Old movie tickets on a white background..

Als ich 1998 an „unserer“ Schule zu unterrichten begonnen habe, bin ich bei einem Interview für die Schulzeitung nach meinem Lieblingszitat gefragt worden. Meine Antwort: „To be perfectly just is an attribute of the divine nature; to be so to the utmost of our abilities, is the glory of man.” (Joseph Addison, englischer Dichter, Politiker und Journalist; 1672-1719) Das sind für mich keine leeren Worte. Es war mir immer ein großes Anliegen, jede und jeden von euch fair und mit Respekt zu behandeln. Sollte mir das nicht immer gelungen sein, bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.

Ich wünsche euch die Kraft, drei Dinge zu tun:

Unser aller Zeit ist limitiert. Verschwendet sie nicht dafür, das Leben anderer zu leben! Lasst nicht den Lärm der Meinung anderer eure innere Stimme übertönen, und habt den Mut, eurem Herzen zu folgen und euren eigenen Weg zu gehen!

Seid aktiv! Ihr werdet es nicht einmal merken, dass eure Träume in Erfüllung gehen, wenn ihr das Leben verschlaft. Also, hinaus mit euch! Versucht, eure Träume zu verwirklichen, und bleibt nicht im Warten gefangen! Dabei dürft ihr aber nie vergessen, dass euer Leben hier und jetzt geschieht. Es ist zweifellos wichtig, die Zukunft zu planen, aber in ihr leben kann man nicht. Wichtig ist, was ihr hier und heute tut. „Man muss sich einmal überlegen, was das für eine Form von Selbstverachtung ist, wenn man sich immer sagt: Das, was ich jetzt mache, ist eigentlich vollkommen bedeutungslos, bestenfalls vorläufig, immer überbietbar.“ (2)

Ich habe nicht nur einige Prüfungen abgenommen, sondern auch bei einigen zugehört. Teilweise waren eure Leistungen wirklich hervorragend. Vergesst aber bitte nie, dass ihr nicht durch eure Noten oder Diplome definiert werdet. Sie sagen nichts darüber aus, welche Menschen ihr seid – und ich kann euch nur sagen, jede und jeder von euch ist wunderbar einzigartig. Ihr werdet mir fehlen.

Lasst mich mit einer Bitte schließen: „You are educated. Your certification is in your degree. You may think of it as the ticket to the good life. Let me ask you to think of an alternative. Think of it as your ticket to change the world.“ (3)

Alles Gute! Danke dafür, dass ich euch ein kleines Stück eures Lebensweges begleiten durfte.

Herzliche Grüße

Eckehard Quin

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Judith Hecht, Liessmann: „Die Zukunft ist überbewertet“. In: Presse online vom 27. Juni 2015.

(3) Diese Zitat stammt von Tom Brokaw. Er ist ein US-amerikanischer Journalist, der mehr als zwanzig Jahre hindurch für den Fernsehsender NBC die allabendliche Nachrichtensendung „Nightly News“ moderiert hat.

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Reif

Dieses Posting widme ich „meinen“ Maturaklassen. Da ich wegen eines beruflichen Termins nach der offiziellen Maturafeier der Schule nicht mehr zu den privaten Feiern kommen konnte, schreibe ich, was ich sagen wollte.

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Meine Lieben!

Ein Maturant – ich glaube, es war Viktor – meinte ironisch in seiner Rede, dass die Erstklässler immer schlimmer werden. Dieses Lamento der Älteren über die Jüngeren ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. „Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer“, meinte schon Sokrates. Ich kann in dieses Wehklagen nicht einstimmen. Ihr seid wunderbare Menschen.

Da Charly seine Rede auf Englisch gehalten hat, erlaube auch ich mir, Englisches zu zitieren: „Twenty years after my own graduation, I have come gradually to understand that the liberal arts cliché about teaching you how to think is actually shorthand for a much deeper, more serious idea: learning how to think really means learning how to exercise some control over how and what you think. It means being conscious and aware enough to choose what you pay attention to and to choose how you construct meaning from experience. Because if you cannot exercise this kind of choice in adult life, you will be totally hosed.“ (1) Die zwei Jahre mit euch haben mir gezeigt, dass viele von euch diese Einsicht bereits haben.

Eure Leistungen bei der Matura waren beachtlich. Ich war selbst ein guter Schüler, aber lauter „Sehr gut“ hatte ich nicht: Helen, Maggy, Patricia und Paul, ich ziehe meinen imaginären Hut vor euch! Aber der Grund, warum ich euch alle schätze, ist nicht, weil ihr leistungsstarke Schülerinnen und Schüler wart, sondern weil ihr offene und hilfsbereite Persönlichkeiten seid.

Aus eurer Sicht bin ich ein alter Mann, denn ich gehöre zur Generation eurer Eltern. Daher erlaubt mir auch ein bisschen „Altersweisheit“: Alles, wonach ihr sucht, liegt bereits in euch. Lasst euch von niemandem definieren! Was ihr euch vornehmt und aus ganzem Herzen wollt, könnt ihr auch schaffen. Nahezu nichts ist unmöglich. Es sind nur manche Ziele leichter, andere schwieriger zu erreichen. Denkt vor allem immer daran, dass ihr nicht die Zeugnisse seid, die ihr von anderen ausgestellt bekommt. „External measures won’t repair you. Money won’t fix you. Applause, celebrity, no number of victories will do it. The only honor that counts is that which you earn and that which you bestow. Honor yourself.“ (2)

Zuletzt noch ein subversiver Ratschlag. Sagt aber ja nicht, dass er von mir kommt! „And now go, and make interesting mistakes, make amazing mistakes, make glorious and fantastic mistakes. Break rules. Leave the world more interesting for you being here.“ (3)

Alles Gute! Danke dafür, dass ich euch ein kleines Stück eures Lebensweges begleiten durfte. Ich werde euch vermissen, ehrlich.

(1) Das Zitat stammt von David Foster Wallace, einem US-amerikanischen Schriftsteller und College-Lehrer.

(2) Douglas Nigel „Doug“ Marlette, US-amerikanischer Karikaturist und Pulitzer-Preisträger.

(3) Neil Richard MacKinnon Gaiman, englischer Autor.

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Gerhard Riegler: Bitte nicht stören!

Smartphones sind, der Name deutet es an, kluge Geräte, die weit mehr können als nur telefonieren. Smarte SchülerInnen haben die Möglichkeiten dieser kleinen Wunderdinger in Prüfungssituationen längst erkannt.

Einem Salzburger AHS-Direktor war es ein Anliegen, bei den Klausuren der Reifeprüfung den „digitalen Schummelzetteln“ wirkungsvoll zu begegnen. Ein völlig legal erworbener Störsender machte während der Maturaprüfungen die digitalen Luken dicht.

So weit, so gut! Wäre da nicht die Anzeige eines Netzbetreibers, die den mutigen Schulleiter vor den Kadi brachte. Störsender seien für derartige Zwecke verboten, sagt das Telekommunikationsgesetz. Österreichs Handynetzbetreiber wollen ihre Geschäfte ungestört machen.

Neben dem Prüfungsraum schaltete der Störsender auch auf den angrenzenden Toiletten den Handy-Empfang aus. Nicht auszudenken, welch große Geschäfte den Netzbetreibern entgingen, wenn SchülerInnen während der Verrichtung ihrer Geschäfte keine SMS absetzen und auf Facebook oder Twitter ihren Status nicht auf „Bin am Klo!“ aktualisieren könnten.

Während also ein AHS-Direktor wohlmeinend in die Störfalle tappte, gibt es eine Unmenge echter Störfälle in unserem Schulsystem, die endlich behoben werden müssten: Was mich beispielsweise besonders stört, ist eine Unterrichtsministerin, die ungestört Propaganda verbreitet und Einwände der Personalvertretung als belästigende Störung ihrer ministeriellen Allmacht empfindet.

Was uns LehrerInnen seit Jahren stört, sei der Bildungspolitik ins Stammbuch geschrieben:

  • Drosselt das Tempo zwanghaften Schulreformierens und lasst uns LehrerInnen endlich wieder ungestört arbeiten!
  • Gebt uns LehrerInnen die längst überfälligen wirksamen Erziehungsmittel, um die Störung des Unterrichts durch „Störenfriede“ unterbinden zu können!

Denn: Wer Verhaltensge…, pardon, Verhaltensoriginelle ungestört stören lässt, stört den Lernerfolg all derer, die störungsfrei lernen wollen!

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