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Stufen

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Stairway To Heaven

Der Lebensruf, der mich neulich ereilt hat, kam aus der GÖD-Zentrale. Ich gehöre nun als Bereichsleiter für Dienstrecht und Kollektivverträge dem Präsidium der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst an.

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Sechs turbulente Jahre lang durfte ich die AHS-Gewerkschaft leiten. Viel Kritik muss man in einer solchen Funktion einstecken. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich wohl kaum von der eines Politikers. Aber ich durfte mich über noch weit mehr positive Rückmeldung freuen und habe diese Zeit aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit mit einigen MitstreiterInnen sehr positiv erlebt.

Mein ausdrücklicher Dank gilt den vielen kompetenten und lösungsorientierten Bediensteten im Unterrichtsressort, die unter schwierigen Bedingungen meist hervorragende Arbeit leisten. Und auch viele PolitikerInnen beider Regierungsparteien, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, sind weit besser als ihr Ruf. Vieles konnten wir sozialpartnerschaftlich lösen. Am meisten aber danke ich Ihnen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die mir und meinem Team so hohes Vertrauen entgegengebracht haben.

Ich bin weiterhin Mitglied der Bundesleitung der AHS-Gewerkschaft und behalte auch meine Personalvertretungsfunktionen auf Bundes- und Landesebene. Das Steuerrad liegt nun aber in der Hand von Mag. Herbert Weiß, der zusammen mit seinem Team die AHS sicher durch stürmische Zeiten navigieren wird.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
“ (Hermann Hesse, Stufen)

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Vom guten Rat

Heute amüsierte mich eine Schlagzeile im „Kurier“: „VP braucht mehr Strolz und weniger Neugebauer“. (1) Ich kenne beide Genannten und schätze sie auch persönlich. Aber ein solcher Rat?

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Schauen wir uns ein bisschen die Zahlen an: Die NEOS unter Matthias Strolz erreichten bei der letzten Nationalratswahl 2013 5,0 %, die FCG unter Fritz Neugebauer bei den letzten Personalvertretungswahlen im öffentlichen Dienst 2014 53,0 % (bei einer Wahlbeteiligung von 79,1 %). Am letzten Bundeskongress der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, der alle fünf Jahre stattfindet, wurde Fritz Neugebauer mit einer Zustimmung von 85,6 % der Delegierten, die aus allen Berufsgruppen und allen Fraktionen stammen, zum Vorsitzenden gewählt.

In Österreich gibt es etwa 4,3 Millionen unselbständig Erwerbstätige, etwa 2,4 Millionen PensionistInnen und etwa 465.000 selbständig Erwerbstätige, von denen wiederum nur ein sehr kleiner Teil „GroßverdienerInnen“ sind. Eine Partei, die nicht ihr politisches Leben als Kleinpartei fristen möchte, muss daher nennenswerte Stimmenanteile bei den unselbständig Erwerbstätigen erzielen. BundespolitikerInnen und KammerfunktionärInnen können sich selbst in ihren kühnsten Träumen keinen Rückhalt vorstellen, wie ihn Fritz Neugebauer bei denen genießt, die er vertritt.

Aber wie meinte schon Anselm Feuerbach: „Gibt dir jemand einen sogenannten guten Rat, so tue gerade das Gegenteil, und du kannst sicher sein, dass es in neun von zehn Fällen das Richtige ist.

(1) Josef Votzi, VP braucht mehr Strolz und weniger Neugebauer. In: Kurier online vom 16. Oktober 2015.

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Vertrauen statt Vernaderung

Als Historiker und christlich-sozialer Arbeitnehmervertreter bin ich mir der tragischen Vorfälle bewusst, die zum Tag der Arbeit geführt haben. Doch ich möchte hier nicht über das Haymarket Massaker von 1886 schreiben (1) und auch die traditionellen Mai-Aufmärsche linker Parteien und Organisationen nicht kommentieren. Sie werden auch heuer keine großen Massen anlocken, da diese Traditionen – gleichgültig, von welcher politischen Gesinnungsgemeinschaft sie organisiert werden – in der öffentlichen Wahrnehmung verstaubt wirken und zusätzlich unter dem inferioren Image der PolitikerInnen leiden.

Ich möchte vielmehr allen meinen tiefen Respekt aussprechen, die am Gelingen der Sozialpartnerschaft beteiligt sind und diese zu leben versuchen. „Die Zeit“ ist wohl so manchem österreichischen Printmedium weit überlegen. Dort erschien am 26. April 2012 ein Artikel mit dem Titel „Respekt, Kollegen“, aus dem ich anlässlich des Tages der Arbeit zitieren möchte:

In der breiten Öffentlichkeit wurden Arbeitnehmervertreter lange Zeit als „Betonköpfe“ beschimpft, als „Bremser“ und „Gestrige“, die man nicht mehr brauche. Es ist höchste Zeit, dieses Bild zu korrigieren. […] Überhaupt steht die deutsche Wirtschaft gerade dort, wo die Gewerkschaften stark sind, unglaublich gut da. […] Das zeigt: Durchsetzungsfähige Arbeitnehmer und wettbewerbsfähige Firmen sind kein Gegensatz. Im Gegenteil, große Gewerkschaften können sogar leichter auf die wirtschaftliche Lage Rücksicht nehmen. Sie müssen sich nicht mit extremen Forderungen profilieren, wie manche Splittertruppe. Und sie wissen, welches Gewicht ihre Lohnabschlüsse haben. Wenn sie überziehen, steigen die Kosten auf so breiter Fläche, dass Jobs in Gefahr geraten. Machtvolle Gewerkschaften spüren diese Verantwortung. Das haben sie bewiesen. […] Der britische Economist nannte das Tarifvertragssystem, das die hiesige Wirtschaft immer noch dominiert, kürzlich einen Standortvorteil. […] Gewerkschaften sind keine Heilsbringer, sie sind nicht „die Guten“ (so wenig, wie Arbeitgeber „die Bösen“ sind). Aber sie werden im Kräftespiel der sozialen Marktwirtschaft gebraucht. Und sie sind auf ihre Weise sogar modern – in diesen Zeiten, in denen über allerlei neue Formen direkter Beteiligung diskutiert wird, über Politik von der Basis und mehr Partizipation. Wer sich in einer Gewerkschaft organisiert, ruft nicht nach dem Staat. Er nimmt seine Interessen gemeinsam mit anderen selbst in die Hand. Das ist eine ziemlich kluge Strategie.“ (2)

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist eine der größten Gewerkschaften Österreichs. Sie verdient Vertrauen statt Vernaderung. So etwas würde ich gerne in Österreichs Medien lesen…

(1) Genaueres dazu z. B. auf Wikipedia unter Haymarket Riot oder ausführlicher unter Haymarket affair.

(2) Kolja Rudizio, Respekt, Kollegen. In: Die Zeit vom 26. April 2012.

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„Dauer-Urlaub“

Den Fellner-Kommentar im heutigen „Österreich“ möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. (1) Dort lese ich, dass der GÖD-Vorsitzende Fritz Neugebauer „seit Jahren“ ein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ verhindert. Die „Kosenamen“, mit denen Wolfgang Fellner den 2. Nationalratspräsidenten bedenkt, lassen Rückschlüsse auf den Autor zu, die ich als höflicher Mensch hier nicht ausführen möchte.

Es Fritz Neugebauer oder irgendwem in der Gewerkschaft anzulasten, dass es kein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ gibt, ist wirklich ein „Hammer“, um bei der Wochend-Diktion von BM Spindelegger zu bleiben. Die Gewerkschaft fordert – man kann mittlerweile schon fast sagen seit Jahrzehnten – ein leistungsorientiertes und attraktives Dienstrecht mit anderen Gehaltsverläufen. Die Regierung blockiert ebenso lange.

Vielleicht ist der Grund für diesen Widerspruch zwischen den Tatsachen und den verbalen Fellner-Ergüssen darin zu finden, dass er eine etwas andere Vorstellung davon hat, wie ein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ aussehen soll. Ich verweise auf meinen Blog-Eintrag Faule Spitzenverdiener.

Zu Wolfgang Fellner empfehle ich die Lektüre des „Zeit“-Artikels Stets zu Diensten. Die „Zeit“ ist ja nicht gerade ein Revolverblatt, und was dort über den „Österreich“-Herausgeber und andere Zustände in unserem Heimatland berichtet wird, ist einer westlichen Demokratie unwürdig.

Ich wüsste, wen ich „auf Dauer-Urlaub“ schicken würde…

(1) Wolfgang Fellner, Schickt alle Polit-Bonzen auf Dauer-Urlaub! In: Österreich Online vom 6. Februar 2012.

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Gerhard Riegler: Divide et impera!

Das Prinzip „Divide et impera!“ scheint derzeit Hochsaison zu haben. Die Urheberschaft (1) dieser ursprünglich militärstrategischen Empfehlung ist umstritten, außer Zweifel steht jedoch, dass sich die Mächtigen aller Epochen oft und (leider) erfolgreich daran gehalten haben.

Unvereinbar ist „Divide et impera!“ – das steht wohl außer Diskussion – mit dem Solidaritätsprinzip und der Soziallehre, also den Fundamenten, auf denen die derzeitigen Regierungsparteien ideologisch aufbauen.

Mag sein, dass Gerüchte über enorme Sonderopfer der öffentlich Bediensteten tatsächlich nur „kolportiert“ werden, also ohne reale Ingredienzien in den redaktionellen Giftküchen des Boulevards zubereitet wurden. Ganz ausschließen mag ich aber auch nicht, dass gezielte Indiskretionen ausreizen sollen, ob sich die Bevölkerung beim kommenden Sparpaket auseinanderdividieren und ihre Aufmerksamkeit auf einen Sündenbock lenken lässt.

Machiavelli könnte derlei „Vordenker“ dabei inspiriert haben, empfiehlt er doch dem Fürsten, ein großer Lügner und Heuchler zu sein, denn „die Menschen sind so einfältig und gehorchen so sehr den Bedürfnissen des Augenblicks, dass derjenige, welcher betrügt, stets jemanden finden wird, der sich betrügen lässt.“ (2) Gratiszeitungen und mancher Stammtisch stimmen sich schon auf die altbekannte Beamten- und Lehrerhatz ein. Natürlich wird in Folge versucht werden, die Berufsgruppen innerhalb der GÖD gegeneinander auszuspielen und Neidkomplexe zu schüren, damit der Zusammenhalt rasch bröckle.

Wir LehrerInnen haben nach der berüchtigten Aschermittwoch-Attacke BM Schmieds 2009 bewiesen, dass mit geschlossenem und entschlossenem Widerstand und begründeten Argumenten schier Unabwendbares abgewehrt werden kann. Damals ist der Versuch, die LehrerInnen der verschiedenen Schularten auseinanderzudividieren und die LehrerInnen von ihrer Vertretung wegzulocken, kläglich gescheitert. Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch diesmal gelingen wird, die „Divide et impera“-Strategie zu vereiteln. Vielleicht sollten „Vordenker“ darüber rechtzeitig nachdenken.

(1) Sowohl Philipp II. von Mazedonien (um 382 v.Chr. – 336 v.Chr.) als auch Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) wird die Urheberschaft zugeschrieben.

(2) „… e sono tanto semplici gli uomini, e tanto obediscano alle necessità presenti, che colui che inganna, troverrà sempre chi si lacerà ingannare.“ Niccolò Machiavelli, Il Principe, Kapitel XVIII (Quomodo fides a principibus sit servanda).

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Wissen Sie es, oder haben Sie (es) „Heute“ gelesen?

Ein kritischer Umgang mit und eine konstruktive Nutzung von Medien sind zu fördern“, heißt es im ersten Teil (Allgemeines Bildungsziel) des Lehrplans. Und über Medien gibt es wirklich viel zu lernen. Ein Beispiel: Am 23. Mai 2011 tagte die Bundeskonferenz der GÖD. An ihr nehmen die Spitzenvertreter (1) aller Berufsgruppen im öffentlichen Dienst teil. In der Sitzung wurde eine sechsseitige Resolution beschlossen. Darin werden konkrete Forderungen in verschiedenen Bereichen erhoben.

Die Grundaussage: Zentrale Anliegen der GÖD, deren Ziel eine weitere Modernisierung des öffentlichen Dienstes ist, dulden keinen Aufschub mehr. Die ausdrückliche Forderung nach unverzüglichen Verhandlungen wird in der Resolution insgesamt achtmal erhoben. Im Abschnitt betreffend Lehrer, in dem eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine gleichwertige Ausbildung auf Master-Niveau verlangt wird, heißt es abschließend: „Das neue Besoldungsrecht mit höheren Anfangsbezügen hat auch die gestiegenen Anforderungen der Lehrerinnen und Lehrer abzubilden. Eine Erhöhung der Arbeitszeit ist dabei kein Thema.

Am nächsten Tag erschien im Gratisblatt „Heute“ ein kurzer Artikel unter der fetten Überschrift „Gewerkschaft blockiert modernes Dienstrecht. Unfassbar! Lehrer-Vertreter wollen weniger Arbeit für mehr Geld“. Im Text, der aus zwei Sätzen besteht, heißt es dann: „Imageschaden für Lehrer: In einer Resolution fordert die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) zwar mehr Geld („gestiegene Anforderungen berücksichtigen“) – längere Arbeitszeiten lehnt sie aber ab.

Da drängen sich wohl nicht nur mir eine Reihe von Fragen auf: Kennt der Journalist die Resolution? Kann er sinnerfassend lesen? Schreibt er bewusst die Unwahrheit? Versiertere Kenner der Medienlandschaft könnten eventuell auch an Geld denken. In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage musste BM Schmied am 16. November 2009 nämlich zugeben, innerhalb von nur zwei Wochen 458.543,23 Euro für Werbeeinschaltungen ausgegeben zu haben! Der beiliegenden Aufstellung ist dann zu entnehmen, dass in nur drei Tagen (!) 72.000 Euro an „Heute“ gezahlt wurden.

Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. Wer wollte einer Qualitätszeitung wie „Heute“ unterstellen, dass die Blattlinie durch schnöden Mammon beeinflusst werden könnte? Die im Titel gestellte Frage ist aber aktuell wie nie zuvor.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

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