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Nicht ums Verrecken

Der Bundeskanzler träumte in seiner „Osterbotschaft“ von einer „massiven“ Veränderung der Lehrverpflichtung zur Budgetsanierung. (1)

Breaking The Bank

Reaktionen folgten schnell. Auf politischer Ebene stellte der niederösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka in einer Presseaussendung mit dem Titel „Lehrerbashing löst kein einziges Problem“ zu Recht fest, dass die öffentlich Bediensteten „angesichts der Flüchtlingssituation im Besonderen gefordert sind. Gerade die Lehrerinnen und Lehrer haben dabei viel zu schultern“. (2) Auch die niederösterreichische Bundesrätin Sandra Kern kritisierte die Äußerungen des Bundeskanzlers. Er „dürfte wohl noch immer nicht verstanden haben, dass mit diesem unbedachten Populismus keinem Schulkind und schon gar nicht unserem Bildungssystem geholfen ist.“ (3)

Paul Kimberger, Vorsitzender der ARGE LehrerInnen in der GÖD, wurde in der „Presse“ so wiedergegeben: „Das ist ein Affront, eine riesengroße Sauerei […] Es ist eine Aussage der übelsten Sorte – allertiefste Schublade. Dort befindet er sich eh in guter Gesellschaft mit Michael Häupl […] Wenn Faymann glaubt, dass er den Boden erneut für eine Einsparungsdiskussion auf Kosten der Lehrer aufbereiten kann, dann hat er sich getäuscht.“ Von mir war folgende Bewertung des Kanzlers zu lesen: Dass er Lehrerbashing betreibt, zeugt von seiner politischen Qualität“, sagt Eckehard Quin zur „Presse“. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der die Lehrer durch den Flüchtlingsstrom vor besonderes großen Herausforderungen stehen, eine Debatte über die Arbeitszeit zu beginnen, zeuge von einem „unheimlich großen Populismus, um am Stammtisch zu gewinnen“.“ (4) Und gefragt nach den Möglichkeiten des Kanzlers, die 550 Millionen Euro-Lücke im Unterrichtsbudget zu schließen, meinte ich: „Wenn dem Kanzler nichts anderes einfällt als Lehrerbashing, dann wäre er einzusparen.“ (5)

Natürlich ist damit das Budgetproblem nicht gelöst. „Der Vorsitzende der Gewerkschaft der AHS-Lehrer, Eckehard Quin, hat zuletzt vor schwarzen Lehrervertretern [Anm.: beim Bundeslehrertag in Linz vor ca. 1.200 Personen] seinem Unmut darüber Luft gemacht, dass das Budget für 2016 im Herbst des vergangenen Jahres mit einer Unterdotierung beschlossen wurde. „Ich finde es schon eine Chuzpe, wenn der Nationalrat ein Budget beschließt, wenn er weiß, dass beim Unterricht eine halbe Milliarde Fehlbedarf ist.“ Dabei wisse jeder, dass das mit den geplanten Mitteln nicht zu schaffen sei. „Es geht nicht ums Verrecken“, warnte er.“ (6)

Ich habe einen recht simplen Lösungsansatz, den hoffentlich alle EntscheidungsträgerInnen verstehen: Das durch die Finanzierung von Pleitebanken verursachte Budgetdefizit betrug 2015 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (7) Das ist so viel Geld, wie Österreichs Schulwesen fehlt, um das OECD-Mittel zu erreichen (3,1 gegenüber 3,7 Prozent). (8) 0,6 Prozent des BIP sind fast 2 Milliarden Euro. Damit ließe sich tatsächlich ein pipifeines Schulsystem realisieren.

Die Bundesregierung muss sich wohl die Frage gefallen lassen, ob ihr die Finanzierung einer Bankenpleite tatsächlich mehr wert ist als die Bildung unserer Kinder. Ich glaube, die Antwort zu kennen.

(1) Siehe Oliver Pink, Faymann: „Sehr gespanntes Verhältnis zu Merkel“. In: Presse online vom 26. März 2016.

(2) NÖAAB-Sobotka zu Faymann: Lehrerbashing löst kein einziges Problem. Presseaussendung vom 28. März 2016.

(3) Kern/Quin: Populismus hat im Bildungssystem nichts verloren – Lehrerschaft verdient Respekt und Wertschätzung. Presseaussendung vom 30. März 2016.

(4) Julia Neuhauser, Mehr Arbeit für Lehrer: „Ein Affront, eine riesengroße Sauerei“. In: Presse online vom 29. März 2016.

(5) a.a.O.

(6) Karl Ettinger, 550-Millionenloch im Schulbudget. In: Presse online vom 6. März 2016.

(7) Schellings Coup: Österreich am Weg zum „echten Nulldefizit“. In: Trend online vom 31. März 2016.

(8) Siehe OECD (Hrsg.), Education at a Glance. OECD Indicators (2015), Table B2.2.

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Gerhard Riegler: Demokratie ausschalten?

Die Schuldemokratie werde durch „Modellregionen“ doch nicht abgeschafft, versichern BildungspolitikerInnen und ihre „ExpertInnen“ treuherzig. Was aber sonst bedeutet der Plan, den die Koalitionsparteien am Dienstag im Rahmen der „Bildungsreform 2015“ verkündet haben? Nach diesem Übereinkommen, das manche als „fast geil“ (1) empfinden, bekommen die demokratischen Mitwirkungsrechte der Schulpartner neun „EIN/AUS“-Schalter, die, wenn es die Unterrichtsministerin erlaubt, von neun Landesfürsten nach Belieben betätigt werden können.

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15 Prozent – wenn es nach dem Wiener Bürgermeister, dem Vorarlberger Landeshauptmann und den Grünen geht, sogar 100 Prozent – der Gymnasien sollen künftig nicht mehr zustimmen müssen, bevor die Politik aus ihnen Gesamtschulen macht. Im 20. Jahrhundert mühsam errungene Elemente der schulischen Demokratie sollen außer Kraft gesetzt werden, um ideologische Ziele gegen den Willen der Betroffenen durchsetzen zu können.

Für diejenigen, die sich der Zwangskonvertierung nicht unterwerfen wollen, hatte die Bildungsministerin bei der Präsentation der „Bildungsreform“ eine „Lösung“ zur Hand: „Wenn Eltern ihr Kind nicht in eine solche Schule schicken wollen, müssen sie ausweichen.“ (2) Ob diese Worte Ausdruck eines erschreckenden Zynismus sind oder sich die Bildungsministerin dessen nicht bewusst war, wie undemokratisch ihr Amtsverständnis ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wohin sich Zwangsbeglückte „schleichen“ sollen, hat sie meines Wissens nicht erklärt. Sollen 10- bis 14-jährige Kinder in ländlichen Regionen stundenlange Schulwege in Kauf nehmen? In welche Gymnasien sollen Kinder in städtischen Ballungsräumen, deren Gymnasien schon jetzt überfüllt sind, „ausweichen“?

Oder setzt die sozialdemokratische Bildungsministerin darauf, dass ohnehin sündteure Privatschulen gegründet werden, für die es nach der Liquidierung öffentlich finanzierter Gymnasien künftig auch in Österreich Bedarf geben wird? Ein Blick in Europas traditionsreiche Gesamtschulstaaten Frankreich und England zeigt, dass Eltern, die es sich leisten können, genau dorthin „ausweichen“. Eltern aber, die sich monatliche Schulgebühren von über 1000 Euro nicht leisten können, sind bereit, ihre Wohnung zu verpfänden, um ihre Kinder staatlichen Einheitsschulen zu entziehen. Dass am Dienstag in der IV und der Wirtschaftskammer die Champagnerkorken geknallt haben, ist nicht belegt, aber vorstellbar.

Der Bundes-Schulgemeinschaftsausschuss (B-SGA) hat zu diesem Versuch, die Betroffenen vor Ort zu entmündigen, eine unmissverständliche Antwort gegeben, die auf demokratischem Weg erarbeitet worden ist. (3)

Man darf Frösche nicht fragen, wenn man ihren Teich trockenlegen will.“ (4) Diese Devise beschreibt das derzeitige „Demokratieverständnis“ gewählter RepräsentantInnen unserer Demokratie leider trefflich. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vehement zur Wehr setzen werden, wenn man ihr Gymnasium „trockenlegen“ will.

Wie erfolgreich dieser Widerstand für die Schule und wie verheerend er für eine abgehobene Politschickeria sein kann, hat der Aufstand der Hamburger Bevölkerung gegen die damals bereits beschlossene Amputation des Gymnasiums im Jahr 2010 bewiesen. Das Gymnasium überstand den Hamburger Anschlag unversehrt, Politikerkarrieren aber endeten abrupt, und Parteien wurde bei der folgenden Wahl von der Bevölkerung die Rechnungen präsentiert, die sie sich verdient hatten.

Wer glaubt, die von der Schule unmittelbar Betroffenen entmündigen zu können, soll und wird erfahren, dass nicht jede Prinzessin, die einen Frosch gegen die Wand wirft, dadurch ihr Glück erfährt.

(1) So charakterisiert Staatssekretär Mag. Dr. Harald Mahrer die „Bildungsreform“. Siehe ZiB2 vom 17. November 2015.

(2) Zit. n. Julia Neuhauser und Bernadette Bayrhammer, Reform: „Mutlos“ und „Nordkorea“: Gesamtschule polarisiert. In: Presse online vom 17. November 2015.

(3) Bundes-Schulgemeinschaftsausschuss: Entmündigung der Schulpartner inakzeptabel. OTS-Aussendung vom 20. November 2015.

(4) Univ.-Prof. Dr. Detlef Müller-Böling, zit. n. Thomas Schuler, Bertelsmannrepublik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik (Frankfurt 2010), S. 150.

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Gerhard Riegler: Sprung verweigert!

Es war zu befürchten: Der Wiener Bürgermeister hat es am 1. Mai nicht geschafft, über seinen Schatten zu springen!

Gold Fish jumping from one fish bowl to another

Der Tag der Arbeit, 70 Jahre nach Kriegsende, wäre für eine nüchterne und ermutigende Analyse des österreichischen Wegs zu Frieden und Wohlstand und einen daran anschließenden richtungsweisenden Appell ein idealer Zeitpunkt gewesen. Ein idealer Zeitpunkt darauf hinzuweisen,

  • dass wir uns trotz aller Schwierigkeiten, die es zu lösen gilt, in einer Situation befinden, um die wir zu Recht beneidet werden,
  • dass Österreich seit Jahren gemeinsam mit Deutschland EU-weit die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aufweist – eine Leistung, von der die Gründungsväter dieser 2. Republik wohl nicht einmal geträumt haben,
  • dass bei uns so wenige junge Menschen die Schule ohne erfolgreichen Abschluss der Sekundarstufe II verlassen wie in kaum einem anderen Staat der Welt,
  • dass Österreichs Schulwesen dies schafft, obwohl so viele SchülerInnen in einer Sprache unterrichtet werden, die sie außerhalb der Schule nicht sprechen – schwierigste Bedingungen, wie sie weltweit in nur wenigen Staaten zu finden sind,
  • dass es das Bildungswesen war, auf das die Menschen vor 70 Jahren ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft gesetzt haben,
  • dass Österreichs Bevölkerung kaufkraftbereinigt um 50 % höhere Nettolöhne bezieht, sich um die Hälfte mehr leisten kann, als dies im EU-Mittel der Fall ist – 70 Jahre, nachdem Österreich in Trümmern lag, und viele dieses Land vor einer erbärmlichen Zukunft sahen,
  • dass unsere Heimat durch den Rohstoff Bildung zum zweitreichsten EU-Staat aufgestiegen ist,
  • dass Österreichs Schulwesen nach zwei Jahrzehnten Ressourcenentzugs aber der akuten Gefahr ausgesetzt ist, in einen ausgehungerten staatlichen und einen privilegierten, von den Eltern selbst finanzierten Teil zu zerfallen, wie dies in etlichen OECD-Staaten geschehen ist,
  • dass die Bildung auch in Zukunft auf die Besten der Besten als LehrerInnen angewiesen ist, und
  • dass solche PädagogInnen nur dann gefunden werden können, wenn sie fair entlohnt, wertgeschätzt und bei ihrer ebenso schwierigen wie wertvollen Arbeit in einem Ausmaß unterstützt werden, wie es in anderen Staaten inzwischen längst der Fall ist.

Hoffentlich ist Österreichs Bundesregierung fähig, wozu der Wiener Bürgermeister nicht fähig war!

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Bretter, die die Welt bedeuten

Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig.

A theater stage with a red curtain, seats and a spotlight. Vector.

Diese Aussage des Wiener Bürgermeisters hat hohe Wellen geschlagen – und sie hat etwas bewirkt, was „sein von absolutistisch-populistischer Präpotenz geprägtes Politik-Verständnis“ (1) wohl nicht erahnt hat: im Vergleich zu früher erstaunlich viele Kommentare, in denen für die Pädagogen (2) dieses Landes Partei ergriffen wird.

Es bewegt mich, dass die Diskussion sehr unsachlich und mehr als zynisch geführt wird! […] Die Politiker sollten sich nicht ungestraft mit populistischen Wortspenden ihr Mütchen kühlen“, schreibt Herbert Steinböck. (3) Christa Kummer tut es „in der Seele weh. Der Lehrer-Job sollte der höchstdotierte im Lande sein. […] Einen Quadratmeter, einen Computer für 30 Lehrer, dafür aber keine Rückendeckung vom Direktor, von den Eltern, von den Medien und von der Politik.“ (4) Reinhold Bilgeri hält den Häupl-Sager für „diffamierend. […] Die Gesellschaft sollte mit den Menschen, die unsere Kinder in den wichtigsten Entwicklungsphasen begleiten, respektvoller umgehen […] Sollen doch die Basher & Prügler einmal 7 Stunden am Tag mit jeweils 25 Pubertierenden arbeiten und dann daheim noch 60 Schularbeiten korrigieren. Ich weiß nicht, ob ihnen dann noch die Klappe aufgeht …“ (5)

Aber auch Politiker stellten sich demonstrativ hinter die Lehrer. Der FPÖ-Bildungssprecher im Nationalrat meinte lapidar, der „Wahlkampfrülpser richte sich von selbst“. (6) „Wenn Politiker anfangen, auf das eigene Personal zu schimpfen, sollten sie ihren Job an den Nagel hängen“, richtete die Wiener NEOS-Spitzenkandidatin dem Bürgermeister aus. (7) Der Grüne Bildungssprecher kritisierte, dass „die Lehrkräfte das völlig aus dem Ruder gelaufene Unterrichtsbudgets [sic!] mit zwei Stunden Gratis-Mehrarbeit retten“ sollen und fügte hinzu: „Ich unterstütze den Widerstand der Lehrkräfte.“ (8)

Auch in den Regierungsparteien regten sich einige kritische Stimmen. Der ehemalige SPÖ-Vorsitzende Oberösterreichs hielt fest: „Eigentlich ist es eine Zumutung, in einer führenden Funktion bei so einem Anlass wie 70 Jahre SPÖ so zu reden.“ (9) Die Vorsitzende der SPÖ-Frauen Oberösterreich, eine Lehrerin, twitterte: „Michel Häupl, du wärst, wenn du so arbeitest wie ich, schon Dienstag Mittag [sic!] fertig? Die Kids und ich halten meist immer bis Freitag durch.“ (10) Die Innenministerin und ÖAAB-Bundesobfrau meinte: „Die Bundesregierung hat versprochen, dass die Steuerreform eine Entlastung für alle Arbeitnehmer bringt und dass sie sie nicht selbst finanzieren müssen.“ Das, was derzeit „veranstaltet wird“, sei ein „eindeutiger Wortbruch“, was ihr aber prompt den Vorwurf des SPÖ-Bundesgeschäftsführers einbrachte, sie agiere „populistisch und unprofessionell“. (11)

„Willkommen Österreich“ nahm den Häupl-Sager aufs Korn: „Für so eine Bemerkung bekommt man normalerweise einen Fetz’n – außer man hat schon einen“, so Christoph Grissemann. „Häupl hat sich danach auch nicht im klassischen Sinn entschuldigt. Er hat gesagt, er sei bloß falsch interpretiert worden. Die Lehrer seien einfach zu blöd, ihn zu verstehen“, ergänzte Dirk Stermann. (12)

Bei alldem darf man allerdings nicht auf Faymann und Co. vergessen. „Was ich aber wirklich unerträglich finde, ist diese abgrundtief verlogene Formulierung: „Die Arbeitszeit wird nicht erhöht. Die Lehrer sollen nur zwei Stunden mehr in der Klasse verbringen““, schreibt der AHS-Direktor Christian Schacherreiter. Diese manipulative Schönfärberei betreibt nicht nur der Bundeskanzler, sondern dieser Sprache bedienen sich auch andere Regierungsmitglieder von SPÖ und ÖVP. „Zur Ehrenrettung jener Politiker, die diese Formulierung verwenden, könnte man anführen, dass sie vielleicht sogar glauben, was sie sagen. Um dies datenbasiert zu klären, schlage ich folgenden kompetenzorientierten Test vor: Ein österreichischer Politiker sagt: „Die Arbeitszeit wird nicht erhöht. Die Lehrer sollen nur zwei Stunden mehr in der Klasse verbringen.“ Ist er A) ignorant) B) verlogen – oder C) einfach nur ein Trottel?“ (13)

Mir fällt dazu nur das geflügelte Wort des deutschen Kabarettisten Werner Finck ein: „Auch die Bretter, die mancher vor dem Kopf trägt, können die Welt bedeuten.“

(1) Markus Ebert, Bärendienst. In: Neues Volksblatt vom 16. April 2015.

(2) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(3) Dieter Chmelar und Christine Karner, Sprechtag. In: Kurier vom 19. April 2015, S. 40.

(4) a.a.O.

(5) a.a.O.

(6) FPÖ-Walter Rosenkranz: Häupl nur bei den anderen reformwillig. OTS-Aussendung vom 15. April 2015.

(7) NEOS Meinl-Reisinger ad Häupl: Populistische Sager bringen uns in der Bildungspolitik nicht weiter. OTS-Aussendung vom 14. April 2015.

(8) Walser zu Ministerratsbeschluss: Heinisch-Hosek wird sich eine blutige Nase holen. OTS-Aussendung vom 14. April 2015.

(9) Karin Leitner, Roter Spitzen-Gewerkschafter stellt Häupl infrage. In: Kurier online vom 16. April 2015.

(10) Lisa Nimmervoll, Schulexpertin: Generell zwei Stunden mehr Unterricht wäre „fatal und ungerecht“. In: Standard online vom 16. April 2015.

(11) Mikl-Leitner sieht Wortbruch bei Steuerreform. In: Standard online vom 17. April 2015.

(12) Häupl-Sager in „Willkommen Österreich“ vom 21. April 2015.

(13) Christian Schacherreiter, A) ignorant B) verlogen C) einfach nur ein Trottel; am 21. April 2015 auch in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ erschienen.

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When I’m sixty-four …

Als begeistertem Musiker kam mir der Beatles-Hit „When I’m sixty four“ in den Sinn, als ich die Aussagen des Wiener Bürgermeisters zur Gesamtschule las. Er bezeichnet sie als „conditio sine qua non“ für die Regierungsbeteiligung der SPÖ nach den Nationalratswahlen. Laut „Presse“ kann Michael Häupl „nicht verstehen, wie sich eine ganze Partei von „älteren Herren“ in der Gewerkschaft in Geiselhaft nehmen lasse.“ (1)

when i'm sixty-four_blogVom Herrn Bürgermeister in die Seniorenliga versetzt zu werden, überraschte mich. Ist der Wiener Landeshauptmann in Wahrheit gar ein agiler Endzwanziger, für den ein Mittvierziger wie ich bereits zu den „alten Knackern“ gehört? Hat ihn womöglich die beim Heurigen gelebte Bürgernähe optisch rasant altern lassen? Ein kurzer Blick ins Internet wies ihn mir allerdings als Jahrgang 1949 aus, was ihn wohl ebenso wenig als jungen Wilden durchgehen lässt wie seinen Gesamtschulgenossen Hannes Androsch, Jahrgang 1938.

Ich frage mich, wieso sich der Wiener Bürgermeister als Mittsechziger plötzlich so jung fühlt. Ein Blick in die Annalen der Gesamtschule liefert die Antwort, wurde doch die mittlerweile berüchtigte Odenwaldschule in Heppenheim als älteste Gesamtschule Deutschlands bereits 1910 gegründet. (2) Dagegen wiederum ist Michael Häupl ein Jungspund. Alt aussehen lässt es ihn dennoch, einen pädagogisch verstaubten Hut aus der Zeit des deutschen Kaiserreiches als neuesten bildungspolitischen Schrei verkaufen zu wollen.

Vielleicht könnte Michael Häupl sich Jean-Jacques Rousseau zu Herzen nehmen, der meinte: „Die Jugend ist die Zeit, die Weisheit zu erlernen, das Alter die Zeit, sie anzuwenden.“ (3)

Apropos „When I’m sixty-four“: Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass ich im besungenen Alter meine (wohl noch eine ganze Weile ungeborenen) Enkelkinder ein staatlich finanziertes, qualitativ hochwertiges und sinnvoll differenziertes Bildungssystem besuchen sehe. Dafür lasse ich mich auch heute schon gerne von „jungen Wilden“ wie Häupl und Androsch als „alten Geiselnehmer“ bezeichnen.

(1) Häupl: Gesamtschule ist „conditio sine qua non“. In: Presse Online vom 29. April 2013.

(2) Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtschule.

(3) „La jeunesse est le temps d’étudier la sagesse, la vieillesse est le temps de la pratiquer.

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Gerhard Riegler: Eine Frage der Priorität

Ein praxisorientiertes und kompetenzförderndes Rechenbeispiel gefällig?

„Wie oft darfst du dich beim Schwarzfahren in Wien nicht erwischen lassen, um dir die derzeitige Höchststrafe für das Schulschwänzen leisten zu können?“

Die Antwort hängt vom Zeitpunkt ab: Vor dem 1. Mai 2012 kann man mit drei Mal 70 Euro Schwarzfahrstrafe beinahe die Höchststrafe für Schulschwänzen (220 Euro) bedecken. Ab dem 1. Mai 2012 sind fürs Schwarzfahren in Wien 100 Euro fällig.

Sebastian Kurz wagte Anfang dieser Woche den Vorschlag, die Strafe für notorische Schulschwänzer (1) auf deutsches Niveau (1500 Euro) anzuheben, da die derzeitige Höchststrafe wohl kaum abschreckende Wirkung zeige. Dieselbe rot-grüne Koalition, die jedem, der keinen Fahrschein vorweisen kann, ab 1. Mai hundert Euro abknöpfen lässt (2), beschuldigte daraufhin den Staatssekretär, tausende Familien mit dieser Strafdrohung in die Armutsfalle zu treiben.

Für mich stellen sich angesichts dieses Aufschreis zwei Fragen:

  1. Warum senkt Michael Häupl – mit Blick auf sein soziales Gewissen – den Schwarzfahrertarif nicht auf moderate 10 Euro, statt ihn auf 100 Euro hochzutreiben?
  2. Warum gibt sich Maria Vassilakou dafür her, Leuten, die ihr Auto zu Hause stehen und ihren Fahrschein ebendort liegen lassen, 100 Euro abzuknöpfen?

Glauben die Spitzen der Wiener Stadtregierung etwa, dass nur spürbare Strafen Menschen davon abhalten, Gesetze zu brechen?! Man muss doch, so sagen es uns sozialromantische Experten unablässig, mit den Menschen nur reden und ihnen erklären, was gut und richtig ist. Bei Fahrscheinsündern macht man sicherheitshalber ernst. Immerhin geht es da um Tarifeinnahmen für die Wiener Stadtkasse. Bei Eltern, die das Recht ihrer Kinder auf Bildung mit Füßen treten und diesen damit ihre Zukunft verbauen, verlegt man sich aufs Zureden. Alles eine Frage der Priorität.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin seit Jahrzehnten Besitzer einer Jahreskarte und möchte dem Schmarotzen auf Kosten der Allgemeinheit keineswegs das Wort reden.

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Hanseln mit langem Atem

Wer ist das? 14 Jahre lang Nationalratsabgeordneter, 11 Jahre lang Finanzminister, fünf Jahre lang Vizekanzler, gleichzeitig Inhaber bzw. Teilhaber einer florierenden Steuerberatungskanzlei, die unter anderem Aufträge staatseigener Unternehmen erhielt. Man machte Unvereinbarkeit geltend, und die Person musste ihre politischen Funktionen zurücklegen.

Haben Sie schon die Lösung? Wenn nicht, noch ein paar Hinweise: Aufnahme von gerichtlichen Erhebungen wegen länger zurückliegender finanzieller Unklarheiten und Anklage wegen privater Schwarzgeldkonten. Die Angabe der angeklagten Person, ein reicher Wahlonkel habe viel Geld zur Verfügung gestellt, erwies sich nicht als tragfähig. Der Gesuchte „wurde nach einem langem Gerichtsverfahren, welches sämtliche Instanzen durchlief, schließlich rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilt.“ (1)

Die gesuchte Person: Ex-SPÖ-Politiker und Großindustrieller Hannes Androsch – der Mann, der 2009 von einem Tag auf den anderen bei AT&S in Leoben 300 der noch verbliebenen 890 Beschäftigten kündigt, nachdem bereits im November 2008 ein Drittel der Belegschaft, 300 Mitarbeiter und 150 Leiharbeiter, entlassen worden waren. (2) Androsch „verlagert seine Produktion von Leoben-Hinterberg nach Asien. Aus Kostengründen, weil dort viel billiger produziert werden kann.“ (3)

Dieser Ehrenmann und mittlerweile von der Sozialdemokratie zum „Neoliberalismus pur“ (4) konvertierte 72-Jährige charakterisierte die „Gewerkschaftsbosse im öffentlichen Bereich“ vor zwei Tagen in einem Interview wie gewöhnlich als „Blockierer und Betonierer“ und steigerte sich dann zu „Hanseln von der Gewerkschaft“, weil diese die Segen der Schmiedschen Bildungspolitik ablehnen.

Dazu fallen mir zwei Dinge ein: Ich freue mich über das Kompliment, denn diese „Hanseln“ sind lt. Androsch diejenigen, die gemeinsam mit den „machtbesessenen Landeshauptleuten“ den Österreichern „den Marsch blasen“. (5) Dazu benötigt man ziemlich viel Atem.

Das andere, was mir dazu einfällt, kann ich aus Gründen der Höflichkeit hier nicht schreiben. Aber ich darf anmerken, dass ich an Michael Häupl denken muss, der bei der Herbstklausur der Wiener SPÖ Mitte September sagte:

‚„Infrastrukturministerin Bures und ich bemühen uns, im Forschungsbereich etwas aufzubauen, und dann faselt die Ministerin Karl von Uni-Zusammenlegungen oder gar Schließungen. Ich bin fassungslos. Ich erwarte mir, dass der Wirtschafts- und der Finanzminister sie fragen, ob sie wo ang’rennt ist“, polterte Häupl.‘ (6)

(1) Zit. n. http://de.wikipedia.org/wiki/Hannes_Androsch

(2) Siehe http://derstandard.at/1242317392696/300-Jobs-bei-ATS-in-Leoben-weg

(3) http://www.heute.at/news/politik/AT-S-schliesst-Fabrik-feuert-300-Mitarbeiter-;art422,48600

(4) „ÖGB-Chef Horst Schachner sagte zum Standard, er sei „sehr enttäuscht von Androsch, das ist Neoliberalismus pur, was er da macht“.“ Quelle: http://derstandard.at/1242317392696/300-Jobs-bei-ATS-in-Leoben-weg

(5) Siehe http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Androsch-startet-Bildungs-Volksbegehren/5090832

(6) http://web.archive.org/web/20101018222714/http://kurier.at/nachrichten/2032645.php

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