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Zähneknirschen

Integrationsmängel seien auch dadurch entstanden, dass es in der SPÖ immer verpönt war, diese Probleme auszusprechen“, konnte man im „Kurier“ lesen. (1) An diesem Satz erstaunt weniger der Inhalt als die Tatsache, dass zwei SPÖ-Landeshauptleute aussprechen, was Kritikern (2) der höchst mangelhaften Integrationspolitik schon längst bekannt und bewusst ist. Mit dem Slogan „Strafen für Integrationsunwilligkeit“ haben Politiker aller Couleurs dann aber das gewohnte Niveau der Boulevardmedien erreicht.

The ostrich has buried a head in sand

Den Willen einer Person als strafwürdig anzusehen, ist einer freien demokratischen Republik unwürdig. Ich muss dabei an Religionswächter in manchen muslimischen Staaten oder Politkommissare linker und rechter Diktaturen denken. Wenn aus dem Willen einer Person Taten folgen, die unsere Normen verletzen, sind Sanktionen selbstverständlich notwendig. Der Wille jedoch ist frei.

Geldstrafen sind zweifellos das letzte Mittel, wenn Erziehungsberechtigte ihren Erziehungspflichten nicht nachkommen. Dringend bräuchten wir etwas ganz anderes: Unterstützungspersonal. Im Mittelpunkt muss der Schüler stehen, der Probleme hat oder macht und zu dessen Erziehungsberechtigten die Kommunikation nicht herstellbar ist. Die Ursachen können vielfältig sein und müssen nichts mit Migrationshintergrund zu tun haben. In anderen Staaten gibt es dafür Sozialarbeiter, die sich der Angelegenheit annehmen. Ein solches niederschwelliges Angebot fehlt in Österreich.

Durch unsere Vergangenheit bedingt, ist eine vernunftorientierte Diskussion über Migration und Integration in Österreich ebenso wie in Deutschland kaum möglich. Einer, der es geschafft hat, ist der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln Heinz Buschkowsky, SPD, der nun in den Ruhestand tritt. „Sein Name ist besonders auch den türkischen und arabischen Kids geläufig, und dies nicht mal unbedingt als Unperson. Dass er von denen über die Straße angerufen wird: „Bürgermeister, hast du Feinde? Sag uns Bescheid, wir kämpfen für dich“, das hat er zwar in einem „Zeit“-Interview selbst behauptet, doch man nimmt es ihm ab. Und er hat tatsächlich Feinde. Von Einwanderern habe er sich nicht bedroht gefühlt, „noch nie. Von Linksradikalen öfter““, sagte er kürzlich in einem Interview. (3) „Er geht Zuwanderer hart an – um sich zugleich vor sie zu stellen“, charakterisiert ihn „Die Welt“. (4) Von ihm könnte man in Österreich lernen.

Mein Stufenplan:

  1. Ausbau von Unterstützungssystemen, um den betroffenen Schülern zu helfen.
  2. Im Rahmen dieser Unterstützungssysteme effiziente Wege eröffnen, die Eltern zur Wahrnehmung ihrer Pflichten bringen, wenn diese grob vernachlässigt werden, was – und das möchte ich ausdrücklich betonen – nur wenige Personen betrifft.
  3. Wenn alles nichts hilft, strafen.

Mir konnte noch niemand schlüssig erklären, warum es moralisch vertretbar ist, das Überziehen der Parkzeit in der Kurzparkzone – und sei es auch nur um wenige Minuten – mit einer saftigen Geldstrafe zu ahnden, Eltern, die ihre Fürsorge- und Erziehungspflichten dauerhaft vernachlässigen, aber völlig unbehelligt zu lassen. „Kopf aus dem Sand!“, muss die Devise lauten, sonst werden wir bald alle mit den Zähnen knirschen!

(1) Daniela Kittner, Integration: Niessl stellt neue Forderungen. In: Kurier online vom 27. Jänner 2015.

(2) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(3) Ulli Kulke, Vor Buschkowsky hatten selbst Türkengangs Respekt. In: Die Welt online vom 27. Jänner 2015.

(4) a.a.O.

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Was Hänschen nicht lernt…

„Wer anderen eine Grube gräbt, der ist ein Baggerfahrer“, meinte unlängst mein Sohn in Abwandlung eines alten Sprichworts.bigstock_laptop_boy_13027835_blogSprichworte sind aus der Mode gekommen, „uncool“ geworden. Dabei könnte man manch alter Weisheit auch im 21. Jahrhundert noch einiges abgewinnen.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, bedarf wohl im zweiten Teil einer Abwandlung auf „nur sehr, sehr schwer“, hat aber sonst nichts an seiner Gültigkeit verloren. Im Sport und beim Erlernen von Musikinstrumenten zweifelt seit Jahrzehnten niemand daran, dass möglichst frühes Lernen und intensives Üben unerlässlich sind, um ein hohes Niveau zu erreichen. Nur beim schulischen Lernen schien den „Experten“ (1) Frühförderung als gefährlich, wenn nicht sogar schädlich. Der Kindergarten wurde zum lernfernen Spielzimmer degradiert, und noch immer ist es bei uns geradezu verpönt, wenn Kinder vor dem Schuleintritt spielerisch lesen und rechnen lernen. In anderen Ländern ist das hingegen selbstverständlich.

Lange Zeit sang die Unterrichtsministerin im Chor der Vorschulgegner. Von „Ghettoklassen“ für Kinder mit Deutschdefiziten war die Rede. Alle sollten gemeinsam in einer Klasse sitzen. Je heterogener das Leistungsniveau, umso besser. Danach würde man dann „Binnendifferenzierung“ betreiben, um jedes Kind optimal zu fördern. Mir fällt dazu das geflügelte Wort von der „Quadratur des Kreises“ ein. Und jeder Mathematiker weiß, dass bereits im 19. Jahrhundert die Unlösbarkeit dieses klassischen Problems der Geometrie bewiesen worden ist. Niemand käme auf die Idee, Marcel Hirscher und mich sekundären Schi-Analphabeten gemeinsam zu trainieren, weil wir beide ja sooo viel voneinander profitieren könnten. Aber wenn es um intellektuelle Leistungen geht, ist das alles ganz anders, nicht?

Wie die „Presse“ berichtet, hat „auch die von Ministerin Schmied eingesetzte Arbeitsgruppe zur Sprachförderung die Arbeit der Vorschulen“ schätzen gelernt. (2) „Besser spät als nie“, tönt es dazu aus dem Sprichwortfundus. Dabei hätte Claudia Schmied nach der diesbezüglichen Initiative von Staatssekretär Sebastian Kurz einfach nur über ihren Schatten springen und die Idee näher reflektieren sollen, anstatt sie reflexartig mit dem „Ghetto“-Argument abzuschmettern. „Ende gut, alles gut!“, könnte man sagen, gäbe es nicht eine Reihe weiterer Baustellen…

Viele meinten ja schon bald nach Amtsantritt BM Schmieds, die Bankerin hätte sich am Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ orientieren sollen. Zweifel daran sind durchaus angebracht. Wäre es wirklich besser gewesen, Claudia Schmied hätte im Vorstand der – mittlerweile notverstaatlichten – Kommunalkredit weitergewirkt? Der Staatsanwalt ermittelt noch in der Causa. Für BM Schmied gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Für ihr ministerielles Wirken am Minoritenplatz wird Claudia Schmied sicherlich nie zur Verantwortung gezogen werden, obwohl der dort angerichtete Schaden deutlich schwerer wiegt als eine Bankenpleite. Büßen müssen ihn Schüler und Lehrer.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Julia Neuhauser, Die Vorschule als Chance für die Sprachförderung. In: Presse Online vom 12. März 2013.

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Ehrlich gesagt…

Ich bin nicht einmal dann ehrlich, wenn ich sage, dass ich nicht ehrlich bin.“ (1) Dieser Satz des französischen Schriftstellers Jules Renard fällt mir immer wieder ein, wenn ich die politische Szene Österreichs betrachte.

Dass unsere Politiker (2) zumindest in den Augen der Öffentlichkeit ein Ehrlichkeitsdefizit aufweisen, ist wohl unbestritten. Umso mehr freut es mich, für den Bundeskanzler eine Lanze brechen zu können, hat er doch in einem „Kurier“-Interview offen und ehrlich bekannt, welche Ziele mit dem neuen Lehrerdienstrecht verfolgt werden: „Um Geld für Schulreformen zu bekommen, brauchen wir ein neues Lehrerdienstrecht mit flacherer Gehaltskurve und höherer Stunden-Verpflichtung.“ (3) „Ehrlich gesagt“ will man ein beinhartes Sparpaket unter dem sattsam bekannten Reform-Deckmäntelchen schnüren.

Von Bewunderung für den Bundeskanzler erfüllt und von dessen Ehrlichkeit inspiriert, bekannte in Folge auch BM Schmied, was wenig überraschte: Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich – und manche eben gleicher. Auf die Frage, warum Sebastian Kurz Schulbesuche verboten, dem Bundeskanzler aber erlaubt seien, antwortete die Ministerin in einem „Presse“-Interview mit der ihr eigenen Logik: „Beim Regierungschef ist das wohl ein bisschen ein Unterschied.“ (4) „Total verständlich – der „Ausnahmepolitiker“ musste nicht einmal in den U-Ausschuss“, kommentierte der „Falter“ und kürte daraufhin BM Schmied zum „Dolm der Woche“. (5)

Frankreichs neuer Präsident hat offenbar in Punkto Ehrlichkeit von Werner Faymann schon einiges gelernt. Als François Hollande jüngst verkündete, die flächendeckende Abschaffung der Hausübungen im französischen Schulsystem stünde bevor, flunkerte er nicht von pädagogischer Innovation, sondern sprach Klartext. Nach eigenen Angaben will er damit „die Gleichheit wiederherstellen“ (6), „weil Kinder aus bildungsferneren Familien bei Hausaufgaben gravierende Nachteile hätten – allein schon, weil die Eltern dabei weniger helfen und kontrollieren können.“ (7)

Dass diese Maßnahme nichts mit Chancengerechtigkeit zu tun hat, sondern mit Gleichmacherei und Nivellierung nach unten, ist Präsident Hollande wohl völlig egal. Ob er auch daran denkt, die Trainingsmöglichkeiten für die besten Radfahrer gesetzlich zu limitieren, damit bei der nächsten Tour de France am Ende alle Teilnehmer gleich spät in Paris eintreffen, ist nicht bekannt.

Wie wenig Gleichmacherei aber auch den Schwachen nützt, zeigen in Deutschland die drei SPD-geführten Stadtstaaten (8), in denen der Bildungserfolg besonders stark von der Herkunft abhängt. Der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) bewies Ehrlichkeit und Mut, als er sich nicht davor scheute, das Schulsystem im „konservativen“ Bayern zu loben: „Bayern liegt nämlich nicht nur ungewöhnlich weit vorne bei Schülern ohne Zuwanderungshintergrund, sondern auch bei denen aus Zuwandererfamilien.“ (9)

Angesichts dessen lasse ich Gotthold Ephraim Lessing das letzte Wort: „Es ist niemals zu spät, ehrlich zu sein.

(1) „Je ne suis pas sincère et je ne le suis pas même au moment où je dis que je ne le suis pas.

(2) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(3) Martina Salomon, Bessere Bildung ja – aber wer zahlt? In: Kurier Online vom 6. Oktober 2012.

(4) Christoph Schwarz, Schmied: Der Kanzler darf in die Schulen, Staatssekretär Kurz nicht. In: Presse Printausgabe vom 13. Oktober 2012.

(5) Falter Nr. 42/2012 vom 17. Oktober 2012, S. 9.

(6) „…les devoirs „être faits dans l’établissement plutôt qu’à la maison pour accompagner les enfants et rétablir l’égalité.“ Zit. n. Maryline Baumard, François Hollande dessine l’école du quinquennat. In: Le Monde Online vom 9. Oktober 2012.

(7) „Neubegründung“ von Schulsystem. In: ORF Online vom 17. Oktober 2012.

(8) Berlin, Hamburg, Bremen

(9) Hamburgs Bildungssenator räumt Defizite bei Chancengleichheit ein. In: Finanznachrichten Online vom 8. Oktober 2012.

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Gerhard Riegler: Kopf aus dem Sand

„Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen!“ Dieser Spruch kam mir angesichts der Reaktion der Unterrichtsministerin auf den jüngsten Vorstoß von Staatssekretär Sebastian Kurz in den Sinn.

„Not amused“ zeigte sich BM Schmied, als der Integrationsstaatssekretär wieder einmal den Finger auf den wundesten Punkt der österreichischen Schulpolitik legte: das Fehlen einer rechtzeitigen und angemessenen (Sprach)Förderung für die jungen Menschen, die in fremdsprachigen und/oder bildungsfernen Familien aufwachsen. Aber nicht einmal die Unterrichtsministerin wird wohl leugnen wollen, dass die meisten davon betroffenen Kinder Migrationshintergrund haben. Es war also nicht nur das gute Recht eines Integrationsstaatssekretärs, sondern geradezu seine Pflicht, Klartext zu reden: „Jedes sechste Kind mit Migrationshintergrund verlässt derzeit unser Schulsystem, ohne einen Hauptschulabschluss zu haben. Und ich bin mir nicht sicher, ob alle schon den Ernst der Lage erkannt haben.“ (1)

Leicht möglich, dass die indigniert knirschende Reaktion der Ministerin daher rührt, dass sie sich davon persönlich betroffen fühlt. Irgendwann wird BM Schmied aber zur Kenntnis nehmen müssen, dass Bildungs- und erst recht Integrationspolitik nicht mit Hilfe von Hochglanzbroschüren und bunten Inseraten zu erledigen ist. Eine faktenbasierte Politik könnte sie vielleicht damit beginnen, den höchst lesenswerten Kommentar „Mehr Integrations- als Schulproblem“ (2) der stellvertretenden Chefredakteurin des „Kurier“ Dr. Martina Salomon aufmerksam zu lesen.

Bemerkenswert empfand ich auch das „Outing“ an der Spitze des Artikels, wie in Redaktionen mit Informationen der Lehrervertretung üblicherweise umgegangen wird: ungelesen ab in den digitalen Rundordner. Völlig klar: Wer im Sinne des Inserenten (3) schreiben muss, tut sich damit leichter, wenn er sich gegenüber Daten und Fakten verschließt. Und doch bleibt zu hoffen, dass viele Journalisten dem Beispiel Dr. Salomons folgen und nicht nur gegenüber brennenden Integrationsfragen, sondern auch gegenüber der Expertise der Lehrervertretung die Augen öffnen.

Mein Appell an die Unterrichtsministerin: „Kopf hoch, Frau Minister! Gefragt ist eine Schulpolitik, die die Arbeit an den Schulen mit großer Umsicht unterstützt, statt sie durch Ignoranz zu behindern. Österreichs Jugend braucht und verdient eine Schulpolitik, die nicht am Sand ist.“

(1) Sebastian Kurz schießt scharf. In: Presse Online vom 9. Oktober 2012.

(2) Martina Salomon, Mehr Integrations- als Schulproblem. In: Kurier Online vom 5. Oktober 2012.

(3) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

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Gerhard Riegler: Auf einem anderen Stern

Lügen wir uns nicht in den Sack: Es gibt noch extrem viel zu tun“, (1) schrieb die stv. Chefredakteurin des „Kurier“ zum Vorstoß von Staatssekretär Sebastian Kurz. Dieser hatte mit einer Aussage aufhorchen lassen, deren Inhalt einer tausendfachen Erfahrung österreichischer LehrerInnen entspricht: „Wer nicht Deutsch kann, kann dem Unterricht nicht folgen.“ (2)

Den empörten Aufschrei professioneller TräumerInnen konnte auch der Kurz’sche Hinweis nicht verhindern, dass der dringende Förderbedarf in gar nicht wenigen Fällen auch bei Menschen ohne Migrationshintergrund vorliegt. Unterrichtsministerin Schmied schwang sofort die verbale Keule, indem sie von „Ghettoklassen“ sprach. (3). Doch den Vogel schoss mit gewohnter Zielsicherheit die amtsführende Wiener Stadtschulratspräsidentin ab: In Wien gebe es keinen Handlungsbedarf, da sei alles bestens, ließ sie sinngemäß verlauten. Dem Staatssekretär warf sie „Ahnungslosigkeit“ vor, da doch in Wien die perfekte Vorbereitung auf den Schuleintritt „längst Realität“ sei. (4)

Hat die Frau amtsführende Präsidentin bei ihren Ausflügen aus dem elfenbeinernen Turm ihres feinen Innenstadtbüros noch nie die Realität an Wiener Schulen ungeschönt kennengelernt? Was dort von höchst engagierten LehrerInnen täglich geleistet wird, verdient Respekt, Bewunderung, aber insbesondere endlich integrationspolitische Maßnahmen, wie sie in anderen Einwanderungsländern seit Jahrzehnten selbstverständlich sind. Abgehobene Parolen sind fehl am Platz, sind unerträglich. Es ist nicht „alles bestens“, ganz im Gegenteil!

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, weiß auch Österreichs Bevölkerung. Laut einer Umfrage des Österreichischen Integrationsfonds sprechen sich zwei Drittel der ÖsterreicherInnen „für eine Zusammenlegung von schlecht Deutsch sprechenden Schülern in speziellen Klassen aus, in denen intensiv Deutsch geübt wird. Erst wenn ausreichend Sprachkenntnisse vorhanden sind, sollten diese in den Regelunterricht aufgenommen werden.“ (5)

Es ist hoch an der Zeit, die Vogel-Strauß-Politik zu beenden. Vielleicht kann ein Parteigenosse Brandsteidl und Schmied zum Nach- und Umdenken bewegen: „Wir können nicht zuschauen, wie sich mitten in unserer Gesellschaft eine immer größere Gruppe von MitbürgerInnen bildet, die uns nicht wirklich versteht.“ (6)

Bleibt zu hoffen, dass diese Botschaft auch bei ideologisch verblendeten PolitikerInnen in ihren Prunkbüros ankommt, die man manchmal Lichtjahre von Klassenzimmern entfernt wähnen könnte.

(1) Dr. Martina Salomon, Schulproblem anpacken statt schönreden. In: Kurier Online vom 17. September 2012.

(2) Julia Neuhauser, Kurz: Deutsch vor Schuleintritt lernen. In: Presse Online vom 17. September 2012.

(3) a.a.O.

(4) Brandsteidl: VP-Kurz-Forderung hinkt der Wiener Realität hinterher. OTS-Aussendung vom 17. September 2012.

(5) Schule: Zwei Drittel für eigene Deutsch-Förderklassen. In: Presse Online vom 18. September 2012.

(6) Dr. Heinz Schaden (SPÖ), Bürgermeister von Salzburg, zit. n. Johannes Greifeneder, Pilotprojekte der Stadt Salzburg für Sprach- und Leseförderung, 13. September 2012.

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Gerhard Riegler: Eine Frage der Priorität

Ein praxisorientiertes und kompetenzförderndes Rechenbeispiel gefällig?

„Wie oft darfst du dich beim Schwarzfahren in Wien nicht erwischen lassen, um dir die derzeitige Höchststrafe für das Schulschwänzen leisten zu können?“

Die Antwort hängt vom Zeitpunkt ab: Vor dem 1. Mai 2012 kann man mit drei Mal 70 Euro Schwarzfahrstrafe beinahe die Höchststrafe für Schulschwänzen (220 Euro) bedecken. Ab dem 1. Mai 2012 sind fürs Schwarzfahren in Wien 100 Euro fällig.

Sebastian Kurz wagte Anfang dieser Woche den Vorschlag, die Strafe für notorische Schulschwänzer (1) auf deutsches Niveau (1500 Euro) anzuheben, da die derzeitige Höchststrafe wohl kaum abschreckende Wirkung zeige. Dieselbe rot-grüne Koalition, die jedem, der keinen Fahrschein vorweisen kann, ab 1. Mai hundert Euro abknöpfen lässt (2), beschuldigte daraufhin den Staatssekretär, tausende Familien mit dieser Strafdrohung in die Armutsfalle zu treiben.

Für mich stellen sich angesichts dieses Aufschreis zwei Fragen:

  1. Warum senkt Michael Häupl – mit Blick auf sein soziales Gewissen – den Schwarzfahrertarif nicht auf moderate 10 Euro, statt ihn auf 100 Euro hochzutreiben?
  2. Warum gibt sich Maria Vassilakou dafür her, Leuten, die ihr Auto zu Hause stehen und ihren Fahrschein ebendort liegen lassen, 100 Euro abzuknöpfen?

Glauben die Spitzen der Wiener Stadtregierung etwa, dass nur spürbare Strafen Menschen davon abhalten, Gesetze zu brechen?! Man muss doch, so sagen es uns sozialromantische Experten unablässig, mit den Menschen nur reden und ihnen erklären, was gut und richtig ist. Bei Fahrscheinsündern macht man sicherheitshalber ernst. Immerhin geht es da um Tarifeinnahmen für die Wiener Stadtkasse. Bei Eltern, die das Recht ihrer Kinder auf Bildung mit Füßen treten und diesen damit ihre Zukunft verbauen, verlegt man sich aufs Zureden. Alles eine Frage der Priorität.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin seit Jahrzehnten Besitzer einer Jahreskarte und möchte dem Schmarotzen auf Kosten der Allgemeinheit keineswegs das Wort reden.

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