Land der Hämmer

Es kämen „echte Hämmer“ auf Österreichs Pensionisten (1) zu, verkündete der Vizekanzler und stimmte damit die Bevölkerung auf Schlimmes ein, auch wenn die derzeitigen Pensionisten glimpflich davongekommen sind. Von den über sieben Milliarden, die in diesem Bereich gespart werden sollen, zahlen fast zwei Drittel Personen, die noch im Erwerbsleben stehen und erst in den nächsten Jahren in die Pension wechseln.

Als gelernter Österreicher warte ich mit der Bewertung der Details noch auf das „Kleingedruckte“. Eines steht aber wohl jetzt schon fest: Wir werden als Staatsdiener gründlich gerupft. Die gute Nachricht: Das von vielen prophezeite Sonderopfer für Österreichs Pädagogen ist ausgeblieben.

Aber selbstverständlich treffen uns auch alle anderen Maßnahmen von B wie Bausparen bis Z wie Zukunftsvorsorge. Politiker werden uns doch nicht für so „behämmert“ halten, dass wir dies nicht bemerken.

Apropos „bemerken“: Viele Mitbürger haben schon seit Jahren bemerkt, dass unser Staat deutlich über seine Verhältnisse lebt und dass das Aufnehmen neuer Kredite für die Zinsenbegleichung alter Kredite auf Dauer nicht gutgehen kann. Dabei darf der Fokus aber nicht nur auf die Ausgabenseite gerichtet werden: Viel zu lange hat es der Fiskus verabsäumt, dort Geld einzutreiben, wo es in reichem Maß vorhanden ist. Milliarden an Steuereinnahmen gehen dem Staat verloren, weil die Finanz nicht genügend Personal hat, um die Steuersünder – v.a. in der Wirtschaft – zu kontrollieren.

Wenn jetzt stolz verkündet wird, dass auch die „Reichen“ zur Kasse gebeten werden, weiß ich nicht genau, ob ich lachen oder weinen soll. Die „Reichensteuer“ ist als einzige in diesem 27-Milliarden-Europaket befristet (bis 2016). Personen mit 2,8 Millionen Euro Jahreseinkommen müssen zusätzlich 154.531 Euro jährlich an Steuern abliefern – ein Verlust von 5,5 %. Wenn ich das bei der jetzigen Inflationsrate dem Beitrag des öffentlichen Dienstes durch die Nulllohnrunde 2013 und der lediglich einprozentigen Gehaltserhöhung 2014 gegenüberstelle, fühle ich mich gleich „besser“: Die Staatsdiener gehören offenbar zu den Superreichen.

An die Finanztransaktionssteuer glaube ich erst, wenn es sie gibt. Dass der britische Premier diese Maßnahme mit Zähnen und Klauen zu verhindern trachtet, zeigt ebenso wie Österreichs „Reichensteuer“, dass viele Politiker den Einflüsterern und Lobbyisten der Großbanken und Spekulanten zu leicht erliegen.

Das bringt mich zu den wahren „Hämmern“ der Krise. Wann werden die politisch Verantwortlichen endlich zum Hammer greifen und das Prinzip „Gewinne privatisieren – Verluste verstaatlichen“ zerschlagen? Wann werden Kontrollmechanismen installiert, die ein Da capo des Finanzdebakels unterbinden? Ein wahrhafter „Hammer“ ist auch die Macht von Ratingagenturen, die wohl nicht nur ich als politische Waffe der USA gegen ein zu stark gewordenes Europa betrachte.

Wer den Sparhammer hauptsächlich gegen den Mittelstand schwingt, weil eine wohl organisierte Lobby dies verlangt, mag das Defizit kurzfristig reduzieren. Mittelfristig wird aber der soziale Friede aufs Spiel gesetzt, wenn – wie derzeit in den USA – große Teile des vormaligen Mittelstands in die Armutsfalle getrieben werden. „Land der Hämmer, zukunftsarm“ kann doch nicht das Ziel verantwortungsvoller Politik sein!

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

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„Dauer-Urlaub“

Den Fellner-Kommentar im heutigen „Österreich“ möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. (1) Dort lese ich, dass der GÖD-Vorsitzende Fritz Neugebauer „seit Jahren“ ein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ verhindert. Die „Kosenamen“, mit denen Wolfgang Fellner den 2. Nationalratspräsidenten bedenkt, lassen Rückschlüsse auf den Autor zu, die ich als höflicher Mensch hier nicht ausführen möchte.

Es Fritz Neugebauer oder irgendwem in der Gewerkschaft anzulasten, dass es kein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ gibt, ist wirklich ein „Hammer“, um bei der Wochend-Diktion von BM Spindelegger zu bleiben. Die Gewerkschaft fordert – man kann mittlerweile schon fast sagen seit Jahrzehnten – ein leistungsorientiertes und attraktives Dienstrecht mit anderen Gehaltsverläufen. Die Regierung blockiert ebenso lange.

Vielleicht ist der Grund für diesen Widerspruch zwischen den Tatsachen und den verbalen Fellner-Ergüssen darin zu finden, dass er eine etwas andere Vorstellung davon hat, wie ein „modernes Lehrer-Dienstrecht“ aussehen soll. Ich verweise auf meinen Blog-Eintrag Faule Spitzenverdiener.

Zu Wolfgang Fellner empfehle ich die Lektüre des „Zeit“-Artikels Stets zu Diensten. Die „Zeit“ ist ja nicht gerade ein Revolverblatt, und was dort über den „Österreich“-Herausgeber und andere Zustände in unserem Heimatland berichtet wird, ist einer westlichen Demokratie unwürdig.

Ich wüsste, wen ich „auf Dauer-Urlaub“ schicken würde…

(1) Wolfgang Fellner, Schickt alle Polit-Bonzen auf Dauer-Urlaub! In: Österreich Online vom 6. Februar 2012.

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Gerhard Riegler: Divide et impera!

Das Prinzip „Divide et impera!“ scheint derzeit Hochsaison zu haben. Die Urheberschaft (1) dieser ursprünglich militärstrategischen Empfehlung ist umstritten, außer Zweifel steht jedoch, dass sich die Mächtigen aller Epochen oft und (leider) erfolgreich daran gehalten haben.

Unvereinbar ist „Divide et impera!“ – das steht wohl außer Diskussion – mit dem Solidaritätsprinzip und der Soziallehre, also den Fundamenten, auf denen die derzeitigen Regierungsparteien ideologisch aufbauen.

Mag sein, dass Gerüchte über enorme Sonderopfer der öffentlich Bediensteten tatsächlich nur „kolportiert“ werden, also ohne reale Ingredienzien in den redaktionellen Giftküchen des Boulevards zubereitet wurden. Ganz ausschließen mag ich aber auch nicht, dass gezielte Indiskretionen ausreizen sollen, ob sich die Bevölkerung beim kommenden Sparpaket auseinanderdividieren und ihre Aufmerksamkeit auf einen Sündenbock lenken lässt.

Machiavelli könnte derlei „Vordenker“ dabei inspiriert haben, empfiehlt er doch dem Fürsten, ein großer Lügner und Heuchler zu sein, denn „die Menschen sind so einfältig und gehorchen so sehr den Bedürfnissen des Augenblicks, dass derjenige, welcher betrügt, stets jemanden finden wird, der sich betrügen lässt.“ (2) Gratiszeitungen und mancher Stammtisch stimmen sich schon auf die altbekannte Beamten- und Lehrerhatz ein. Natürlich wird in Folge versucht werden, die Berufsgruppen innerhalb der GÖD gegeneinander auszuspielen und Neidkomplexe zu schüren, damit der Zusammenhalt rasch bröckle.

Wir LehrerInnen haben nach der berüchtigten Aschermittwoch-Attacke BM Schmieds 2009 bewiesen, dass mit geschlossenem und entschlossenem Widerstand und begründeten Argumenten schier Unabwendbares abgewehrt werden kann. Damals ist der Versuch, die LehrerInnen der verschiedenen Schularten auseinanderzudividieren und die LehrerInnen von ihrer Vertretung wegzulocken, kläglich gescheitert. Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch diesmal gelingen wird, die „Divide et impera“-Strategie zu vereiteln. Vielleicht sollten „Vordenker“ darüber rechtzeitig nachdenken.

(1) Sowohl Philipp II. von Mazedonien (um 382 v.Chr. – 336 v.Chr.) als auch Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) wird die Urheberschaft zugeschrieben.

(2) „… e sono tanto semplici gli uomini, e tanto obediscano alle necessità presenti, che colui che inganna, troverrà sempre chi si lacerà ingannare.“ Niccolò Machiavelli, Il Principe, Kapitel XVIII (Quomodo fides a principibus sit servanda).

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S.O.S. – Sanitärraum ohne Störsender?

Man kann keinen Notruf mehr absenden und außerdem wollen wir keine martialischen Geheimdienstmethoden“, argumentiert Josef Galley, früherer „Österreich“-Journalist, jetzt einer der Pressesprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, gegen Handy-Störsender bei Maturaprüfungen. (1) Das BMUKK macht sich offenbar in erster Linie um jene MaturantInnen Sorgen, die während des Verrichtens der Notdurft keinen Notruf absetzen können. „S.O.S. –Sanitärraum ohne Störsender“ lautet die Devise. SchülerInnen, die bei Schularbeiten und Klausuren zu wenig wissen und können, sollen sich am stillen Örtchen ungestört sanieren.

Dem amtsführenden Präsidenten des Salzburger Landesschulrats kann man zumindest zugutehalten, dass ihm die Problematik des Schummelns bewusst ist. Mit der von ihm vorgeschlagenen Lösung outet er sich allerdings als echter Schulpraktiker: Er empfiehlt den Schulen „Schleusen wie in Flughäfen oder Gerichten“. (2)

Wie so oft bei genialen Ideen fragt man sich als Durchschnittsbürger, wieso man nicht selbst von einem solchen Geistesblitz erleuchtet worden ist. Statt horrende 200 Euro für einen Störsender auszugeben, greifen künftig DirektorInnen einfach ins prall gefüllte Schulbudget und erwerben Sicherheitsschleusen, die – BBG und Mengenrabatt sei Dank – sicher schon für 60.000 Euro pro Stück wohlfeil erwerbbar sind. (3)

Ganz clevere SchulleiterInnen könnten, inspiriert von der Genialität der Schulbehörde, den Kaufpreis für diese Geräte sparen, indem sie die MaturantInnen durch die Schleusen des nächstgelegenen Bezirksgerichts treiben, falls gerade kein Flughafen zur Hand sein sollte, um die Handyfreiheit der Prüflinge sicherzustellen.

Zwischen Wien und Eisenstadt drängt sich ohnehin die Möglichkeit geradezu auf, Schularbeiten und Klausuren am Schwechater Airport durchzuführen. Sicherheitsschleusen samt Personal wären ebenso im Überfluss vorhanden wie Platz im Skylink, und alles wäre gut.

Wir einfachen Lehrerinnen und Lehrer wären natürlich auf all das niemals selbst gekommen. Aber Gott sei Dank gibt es auch einige Vordenker im Bildungswesen!

(1) Schule: Detektor statt Störsender . In: Salzburger Nachrichten Online vom 21. Jänner 2012.

(2) a.a.O.

(3) Diese Preisangabe ist nicht erfunden. Ich habe mich extra bei einer Firma erkundigt. Man benötigt nämlich Spezialdetektoren, um Handys detektieren zu können.

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Nieder mit den Alpen!

„Nieder mit den Alpen, freie Fahrt zum Mittelmeer!“ An diesen ebenso alten wie platten Schmäh fühle ich mich durch die neueste Umfrage eines Instituts für „Freizeit- und Tourismusforschung“ erinnert, mit der angeblich eruiert wurde, ob die Bevölkerung für die „Ganztags- und Gesamtschule“ wäre.

Bei dieser – es gilt die Unschuldsvermutung – wohl streng objektiv und wissenschaftlich fundierten Befragung im Auftrag der SPÖ Niederösterreich kam neben satten Mehrheiten für die „Ganztags- und Gesamtschule“ auch Folgendes zutage: „Mehr als zwei Drittel können sich unter der Gesamtschule wenig bzw. nichts vorstellen, während lediglich vier von zehn die Ganztagsschule ein Begriff ist“. (1) Viele Befragte hielten die „Gesamtschule“ wohl für ein Synonym von „Ganztagsschule“, in der die Kinder nicht den GANZen, sondern den GESAMTen Tag in der Schule verbringen. Mancher „Experte“ könnte, wie die Erfahrung zeigt, durchaus unter ihnen gewesen sein.

Damit kein Missverständnis aufkommt, eine Klarstellung: Der Ausbau eines qualitätsvollen ganztägigen Betreuungsangebots verdient höchste Priorität. Allen Eltern und ganz besonders allen AlleinerzieherInnen sollte raschest möglich ein solches Angebot zur Verfügung stehen. Dass dafür gigantische Infrastrukturinvestitionen (Küchen, Aufenthaltsräume, Sportstätten etc.) an unseren Schulen getätigt werden müssten, kann allerdings durch kein Umfrageergebnis weggezaubert werden.

Eine „Nona“-Frage nach einem sinnvollen Ganztagsbetreuungsangebot begrifflich mit der Frage nach der Gesamtschule zu verkoppeln, ist weder eine neue, noch eine besonders originelle Idee. Seriöse Umfragen schauen jedenfalls anders aus.

Ich bin schon gespannt, wofür politische Parteien demnächst Geld bei Umfragen verschleudern werden. Vor der Frage nach dem Abtragen der Alpen zur Beschleunigung der Adriareise werden wohl die meisten Parteien doch zurückschrecken. Ich rege deshalb – ebenfalls zur Beschleunigung der Urlaubsanreise zu manch anderer Destination – folgende Umfrage an: „Sind Sie für Diplomatenpässe für alle?“ Eine satte Mehrheit scheint vorprogrammiert.

(1) Mehrheit für Gesamt- und Ganztagsschule. In: Kleine Zeitung Online vom 23. Jänner 2012.

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Gerhard Riegler: Bitte nicht stören!

Smartphones sind, der Name deutet es an, kluge Geräte, die weit mehr können als nur telefonieren. Smarte SchülerInnen haben die Möglichkeiten dieser kleinen Wunderdinger in Prüfungssituationen längst erkannt.

Einem Salzburger AHS-Direktor war es ein Anliegen, bei den Klausuren der Reifeprüfung den „digitalen Schummelzetteln“ wirkungsvoll zu begegnen. Ein völlig legal erworbener Störsender machte während der Maturaprüfungen die digitalen Luken dicht.

So weit, so gut! Wäre da nicht die Anzeige eines Netzbetreibers, die den mutigen Schulleiter vor den Kadi brachte. Störsender seien für derartige Zwecke verboten, sagt das Telekommunikationsgesetz. Österreichs Handynetzbetreiber wollen ihre Geschäfte ungestört machen.

Neben dem Prüfungsraum schaltete der Störsender auch auf den angrenzenden Toiletten den Handy-Empfang aus. Nicht auszudenken, welch große Geschäfte den Netzbetreibern entgingen, wenn SchülerInnen während der Verrichtung ihrer Geschäfte keine SMS absetzen und auf Facebook oder Twitter ihren Status nicht auf „Bin am Klo!“ aktualisieren könnten.

Während also ein AHS-Direktor wohlmeinend in die Störfalle tappte, gibt es eine Unmenge echter Störfälle in unserem Schulsystem, die endlich behoben werden müssten: Was mich beispielsweise besonders stört, ist eine Unterrichtsministerin, die ungestört Propaganda verbreitet und Einwände der Personalvertretung als belästigende Störung ihrer ministeriellen Allmacht empfindet.

Was uns LehrerInnen seit Jahren stört, sei der Bildungspolitik ins Stammbuch geschrieben:

  • Drosselt das Tempo zwanghaften Schulreformierens und lasst uns LehrerInnen endlich wieder ungestört arbeiten!
  • Gebt uns LehrerInnen die längst überfälligen wirksamen Erziehungsmittel, um die Störung des Unterrichts durch „Störenfriede“ unterbinden zu können!

Denn: Wer Verhaltensge…, pardon, Verhaltensoriginelle ungestört stören lässt, stört den Lernerfolg all derer, die störungsfrei lernen wollen!

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Silvio Faymann

Am 28. Dezember 2011 wird im Amtsblatt der Wiener Zeitung die Büro-Leitung des ORF-Generaldirektors ausgeschrieben – mit einem Gehalt von „mindestens € 5.270,65“ fünfzehnmal im Jahr. Ein „höheres Gehalt abhängig von Erfahrung und Ausbildung“ sei möglich. Besondere Qualifikationen werden nicht gefordert.

Werner Faymann, © Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/Robert Zolles

Das besonders Pikante daran: Bereits fünf Tage zuvor ließ der ORF verlautbaren, dass Niko Pelinka diesen Posten bekommt. (1) „Pelinka gehört […] zum Young Boys-Netzwerk von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas…“ (2) „Pelinka symbolisiert, wie schamlos sich politische Netzwerke in diesem Land ausbreiten. […] Er ist der Sohn von News-Chefredakteur Peter Pelinka, den sich der ORF als Leiter von Diskussionssendungen leistet, und der Neffe des ebenfalls vom ORF gerne befragten Politologen Anton Pelinka. […] Als Pressechef von Claudia Schmied hatte er einst Journalisten geschönte Interviews mit der Kultur- und Unterrichtsministerin aufgezwungen.“ (3)

Niko Pelinka sagt dazu: „Erstens muss mit der Mär aufgeräumt werden, dass ich SPÖ-Funktionär wäre, geschweige denn Politiker. Ich war nie in meinem Leben für eine Partei tätig…“ (4) Dummerweise gibt es aber diese E-Mail vom 9. Jänner 2012, in der der Nicht-mehr-ORF-Stiftungsrat und Niemals-SPÖ-Funktionär Pelinka die SPÖ-nahen Stiftungsräte „zu einer fraktionellen Besprechung ins Klubvorstandszimmer der SPÖ im Parlament“ einlädt. (5)

Quelle: Kurier (Fußnote 5)

Stehen diese Räumlichkeiten seit neuestem allen offen? Dann empfehle ich v.a. Wiener Schulen, in Zukunft ihre Konferenzen dort abzuhalten – es gibt gewiss viel mehr Platz und eine deutlich bessere Infrastruktur als in einem Konferenzzimmer.

Der Polit-Postenschacher im ORF stößt vielen Menschen sauer auf – und zwar unabhängig von ihrer parteipolitischen Präferenz. Hier nur einige Beispiele, die man bestimmt nicht politischen Gegnern zuordnen kann: Am 29. Dezember starteten die ORF-JournalistInnen einer Unterschriftenaktion für einen unabhängigen ORF. (6) Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek widmete Niko Pelinka am 1. Jänner einen eigenen Beitrag auf ihrer Website. (7) Wolfgang Radlegger, Landesparteivorsitzender der SPÖ Salzburg a.D., „zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über die Medienpolitik seiner SPÖ“. (8) Und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller konstatiert: „Pelinkas Bestellung schädigt den ORF.“ Mit den Protesten aus der ORF-Redaktion erklärt sie sich solidarisch, und in Richtung SPÖ-Führung meint sie, „wir sollten so etwas nicht nötig haben“. (9) Und Ferdinand Lacina, jener Politiker, der Pelinka vor fünf Jahren entdeckte: „Pelinkas Bestellung ist als Signal katastrophal und ihm gegenüber verantwortungslos.“ (10)

Das „Profil“ beschreibt die Situation so: „Nach der Selbstentmündigung seines Generaldirektors wird der ORF via Standleitung aus Kanzleramt und SPÖ-Zentrale kontrolliert.“ (11) Und selbst international findet dieses Austriacum Beachtung. „Einerlei, welches Ende das „Nikotainment“, wie die provinzielle Trauerposse um die Bestellung des roten Günstlings Niko Pelinka zum politischen Kommissar in der Direktionsetage intern genannt wird, noch finden mag, der ebenso dreiste wie dilettantische Postenschacher raubt dem Unternehmen seine letzte Überlebenkraft. [sic!]“ (12)

Niko Pelinka ist nicht der erste und wohl auch nicht der letzte, der aufgrund politischer Intervention einen gut dotierten Posten erhält. Warum also diese besondere Aufregung? Armin Wolf: „Es war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Von 35 Stiftungsräten sind nach dieser ausgedealten Generaldirektorenwahl vom vergangenen August vier in leitende Funktionen im ORF gehievt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat. Das ist ganz einfach obszön.“ (13)

Der Alt-68er Univ.-Prof. Dr. Peter Weibel bringt es auf den Punkt: „Sollte es der SPÖ tatsächlich gelingen, die ORF-Intendanz zu einen Filiale der Parteizentrale zu machen, indem sie dort Rudas, Pelinka und Co installiert, dann hat Faymann sein Ziel erreicht: Österreich als Mediokratie, einen austriakischen Berlusconismus.“ (14)

(1) „Neuer Büroleiter wird der bisherige Stiftungsrat Nikolaus Pelinka…“ Zit. n. OTS-Aussendung „Personelle Neuerungen im ORF zu Beginn der neuen Geschäftsführungsperiode“  vom 23. Dezember 2011.

(2) Niko Pelinka – Faymanns smarter „ORF-Dompteur“. In: Standard Online vom 23. Dezember 2011.

(3) Peter Grubmüller, Die politische Schamlosigkeit im ORF. In: OÖNachrichten Online vom 24. Dezember 2011.

(4) Zit. n. Pelinka: Brisantes eMail an rote Freunde. In: Kurier Online vom 10. Jänner 2012

(5) a.a.O.

(6) Siehe ORF-JournalistInnen starten Unterschriftenaktion.

(7) Elfriede Jelinek, Der kleine Niko.

(8) Positive Zwischenbilanz über „Demokratiebegehren“. In: Kleine Zeitung Online vom 4. Jänner 2012.

(9) Burgstaller: „Pelinkas Bestellung schädigt ORF“. In: Standard Online vom 30. Dezember 2011.

(10) Florian Klenk und Benedikt Narodoslawsky, Genosse Watschenmann. In: Falter Online vom 11. Jänner 2012.

(11) Hier regiert die SPÖ! In: Profil Online vom 3. Jänner 2012.

(12) Joachim Riedl, Sendeschluss. In: Die Zeit Online vom 5. Jänner 2012.

(13) Herbert Lackner, „Die ORF-Spitze wird politisch erpresst“. In: Profil Online vom 7. Jänner 2012.

(14) Peter Weibel, Job-Politik nach der Lenin-Doktrin. In: Standard Online vom 2. Jänner 2012. Peter Weibel ist Künstler, Ausstellungskurator und Kunst- und Medientheoretiker in Karlsruhe, Graz und Wien.

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Ganz und gar unmodern

Mir geht es mit gewissen Aspekten der „Modernisierung“ des öffentlichen Dienstes ähnlich wie Ephraim Kishon mit der modernen Kunst: „An den modernen Gemälden ist nur noch eins verständlich: die Signatur.

Manchmal soll die Bevölkerung wohl auch nur die „Signatur“ mitbekommen, vom Schlagwort beeindruckt werden. Ein Beispiel dafür hat mich gerade beschäftigt – eine Verordnung der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend die Übertragung von Aufgaben nach § 5 Abs. 2 Z 4 des Bundeshaushaltsgesetzes.

Was sich hinter dieser spröden Bezeichnung versteckt, ist rasch erklärt. Die Anwendung von SAP für die Buchhaltung soll auf alle Ebenen des Budgetvollzuges ausgeweitet werden. Damit Schulen aber direkt auf Konten zugreifen dürfen, müssen sie lt. Bundeshaushaltsgesetz per Verordnung zu anweisenden Organen erklärt werden, was in eben dieser Verordnung für 139 Dienststellen gemacht wird.

Die finanziellen Auswirkungen belaufen sich auf etwa 1 435 000 Euro“, heißt es in den Erläuterungen – jährlich, versteht sich. Eine kleine Nebenbemerkung: Es gibt fast 5.800 Schulen in Österreich. Das sind die zusätzlichen jährlichen Kosten für nur 139. Das Entstehen dieser enormen Mehrkosten verwundert. Liest man dann, wodurch diese Mehrkosten entstehen, wähnt man sich nach Schilda versetzt. Zwei Beispiele: Ein (für diese Zwecke extra anzuschaffender) Scanner kostet 1.200 Euro. Die Buchhaltungsagentur des Bundes (BHAG) verrechnet pro Sachkontenbuchung 10,27 Euro.

Der Rechnungshof hat bereits vor etwa einem Jahr festgestellt: „Die Evaluierung des Zeitbedarfs für die Leistungen der BHAG im Jahr 2009 ergab, dass für die meisten Buchungen der tatsächliche Zeitbedarf nur etwa halb so hoch war, wie jener, der den Kunden verrechnet wurde. […] Die Empfehlung des RH aus dem Vorbericht, der Preiskalkulation den tatsächlichen Zeitbedarf je Leistung zugrunde zu legen, setzte die BHAG nicht um.“ (1)

Warum hört man nicht auf den Rechnungshof, also endlich mit dem Unfug auf? Das wäre wohl nicht modern, sondern ein Blockieren und Betonieren. Moderne kostet eben.

Ich vertrete den Standpunkt: Mehrausgaben im Bildungsressort sollten an die Schulen gelangen – und nicht an „Agenturen“. Aber das wäre eben ganz und gar unmodern.

(1) Bericht des Rechnungshofes, Buchhaltungsagentur des Bundes (Bund 2011/1), S. 19.

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What Teachers Make

Gerade im Kontext eines stärker denn je kommerzialisierten Weihnachtsfestes und der eskalierenden globalen Finanzkrise gefiel Gerhard Riegler und mir der folgende Text (1) besonders gut. LehrerIn zu sein bedeutet in der Tat weit mehr als bloß „einen Job“ oder „Geld“ zu machen:

The dinner guests were sitting around the table discussing life. One man, a CEO, decided to explain the problem with education. He argued, “What’s a kid going to learn from someone who decided his best option in life was to become a teacher?”

He reminded the other dinner guests of what they have often said about teachers, “Those who can, do. Those who can’t, teach.” To stress his point he said to another guest, “You’re a teacher, Bonnie. Be honest. What do you make?”

Bonnie, who had a reputation for honesty and frankness replied, “You want to know what I make?” She paused for a second, then began…

“Well, I make kids work harder than they ever thought they could. I make kids sit through 40 minutes of class time when their parents can’t make them sit for 5 without an iPod, Game Cube or movie rental… You want to know what I make?”

She paused again and looked at each and every person at the table.

“I make kids wonder. I make them question. I make them criticize. I make them apologize and mean it. I make them have respect and take responsibility for their actions. I teach them to write and then I make them write. I make them read, read, read. I make them show all their work in maths.”

“I make my students from other countries learn everything they need to know in English while preserving their unique cultural identity. I make my classroom a place where all my students feel safe.”

“Finally, I make them understand that if they use the gifts they were given, work hard, and follow their hearts, they can succeed in life.”

Bonnie paused one last time and then continued, “Then, when people try to judge me by what I make, I can hold my head up high and pay no attention because they are ignorant.”

“You want to know what I make? I MAKE A DIFFERENCE. What do you make?”

(1) Auf Basis mehrerer Internetquellen kompiliert: http://www.janebluestein.com/articles/make.html, http://www.taylormali.com/index.cfm?webid=13

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Gerhard Riegler: Starker Tabak

Oscar Wilde, ein gleichermaßen genialer wie tragischer Autor, hatte wohl nicht das zentrale britische Prüfungswesen im Sinn, als er Lord Darlington im ersten Akt von „Lady Windermeres Fächer“ die berühmten Worte sprechen ließ: „Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung.“ (1)

Was der Daily Telegraph (2) kürzlich in Schrift und Videomitschnitten publizierte, übertraf die schlimmsten Befürchtungen selbst jener, die schon immer Zweifel daran hegten, ob es bei der Zentralmatura in Großbritannien stets mit rechten Dingen zugehe.

Es war wohl nicht zuletzt der schnöde Mammon, der FragenerstellerInnen (3) dazu brachte, für teures Geld Seminare anzubieten, in denen „Methoden“ gelehrt wurden, SchülerInnen optimal auf die zentralen Prüfungen vorzubereiten.

Manche dieser Kurse bewegen sich wohl auf absolut legalem Boden. Wie mir viele AnglistInnen bestätigten, hängt ja auch hierzulande der Erfolg bei zentralen Prüfungen in keinem geringen Umfang von der Vertrautheit mit den Testformaten ab. So plagen sich oft GastschülerInnen aus dem englischsprachigen Raum mit gewissen – für sie ungewohnten – Testformaten mehr als manche unserer wohltrainierten SchülerInnen. Chancengerechtigkeit bei solchen Prüfungen setzt natürlich das Vertrautsein mit allen potentiellen Testformaten voraus.

Was britischen LehrerInnen – durch Videomitschnitte eindeutig belegt – in manchen teuren Fortbildungskursen geboten wurde, war allerdings weit mehr – wahrhaft starker englischer Tabak: LehrerInnen sollten hinkünftig keine Zeit mit umfassendem Unterricht verplempern, sondern ihren SchülerInnen nur mehr „Examenstechniken einhämmern“ (4). Nach einem Geschichte-Seminar wurden LehrerInnen gar mit den Worten „So, jetzt wissen Sie, was Sie unterrichten müssen.“ (5) nach Hause entlassen.

An diesem Punkt kommt wieder Lord Darlingtons Spruch ins Spiel. Wie groß muss für einen Lehrer die Versuchung sein, seine Jahresplanung über den Haufen zu werfen und nur noch dort „Schwerpunkte zu setzen“, wo diese seinen SchülerInnen bei der Zentralmatura am meisten helfen? Es stellt sich für mich auch eine Systemfrage: Wie groß muss der Druck durch Vorgesetze, Eltern, Rankings etc. auf britische LehrerInnen sein, dass solch teure Seminare offensichtlich boomen?

Für die PrüfungsleiterInnen – im höchst einträglichen Nebenberuf SeminarreferentInnen – gewinnt jedenfalls Lord Darlingtons Definition eines Zynikers brandheiße Aktualität: „Ein Mann, der den Preis von allem und den Wert von nichts kennt.“ (6)

Natürlich könnte all das in Österreich niemals geschehen…

(1) Oscar Wilde (1854-1900), Lady Windermere’s Fan (1892): ”I can resist everything except temptation.” (Lord Darlington, Act I)

(2) Holly Watt, Claire Newell, Robert Winnett und Graeme Paton, Exam chief: ‘you don’t have to teach a lot’ for our tests. In: The Telegraph Online vom 8. Dezember 2011.

(3) Es gilt hier und im Folgenden die Unschuldsvermutung.

(4) „…sie sollten lernen, wie sie ihren Schülern „Examenstechniken einhämmern könnten“, statt „das große Ganze“ zu unterrichten.“ Zit.n. Betrugsverdacht an britischen Schulen: Schummeln mit System. In: Spiegel Online vom 8. Dezember 2011.

(5) a.a.O.

(6) Oscar Wilde (1854-1900), Lady Windermere’s Fan (1892): “What is a cynic? A man who knows the price of everything and the value of nothing.” (Lord Darlington, Act III)

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