„Da Mensch is a Sau“

Helmut Qualtingers geflügeltes Wort entspricht definitiv nicht der Sichtweise unseres Dienstgebers. Von diesem wird ein vollbeschäftigter Lehrer eher als Rindvieh eingestuft, ein teilbeschäftigter als Legehenne und ein Schüler als Schaf.

Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die geplante Änderung der Bundes-Arbeitsstättenverordnung liest. Danach sollen im Konferenzzimmer „2 m² Bodenfläche für jedes Vollbeschäftigtenäquivalent“ vorgesehen sein. Gemäß 1. Tierhaltungsverordnung steht selbst einer Sau in Gruppen ab 40 Tieren eine Fläche von 2,05 m² zur Verfügung. Bei einem Rind bis 350 kg hingegen sind es exakt 2 m². Eine halbbeschäftigte Lehrerin (Rechnet der Dienstgeber beim Blick auf ihren Gehaltszettel mit Abmagerung auf die Hälfte ihres ursprünglichen Körpergewichtes?) muss mit 1 m² das Auslangen finden, wie eine Legehenne eben.

In einem Klassenraum werden dem Lehrer generöse 5 m² zugestanden – und zwar gleichgültig, ob er teil- oder vollbeschäftigt ist. Die Schüler müssen sich allerdings mit 1,5 m² begnügen – der Platz für einen Widder in Gruppenhaltung.

Und unter diesen Bedingungen denken BM Heinisch-Hosek und BM Schmied laut über eine Ausweitung der Anwesenheitsverpflichtung in der Schule nach? Für mich schließt sich hier der Kreis.


2 Gedanken zu “„Da Mensch is a Sau“

  1. Es ist erfreulich, dass die Gewerkschaft endlich auf diesen Aspekt unseres Arbeitslebens aufmerksam wird.
    Seit Jahren wundere ich mich, dass sie in der öffentlichen Diskussion nie darauf aufmersam gemacht hat, dass Schulgebäude nicht der Kontrolle des Arbeitsinspektorats unterliegen.
    Das ist ein ganz einfaches Argument, mit dem man in der Öffentlichkeit punkten kann: verglichen mit jeder beliebigen Arbeitskraft in der Privatwirtschaft sind wir Lehrer (wie das bei anderen Beamten ist, z. B. Finanzamt, weiß ich nicht) Arbeitskräfte zweiter Klasse. Selbiges gilt auch für Schüler – auch sie unterliegen nicht dem Schutz des Arbeitsinspektorats. Spätestens nach dem Verweis auf die Schüler sollte auch der Boulevard auf diesen Missstand aufmerksam werden.

    Erich Wallner

    P.S.: Kollege Quin schreibt von einer „geplanten Änderung“: Ist es jetzt (vorläufig noch) besser oder schlechter?

  2. Die Verfasser der Arbeitsstättenverordnung haben offensichtlich nicht erkannt, welches Einsparpotential noch ungenützt ist – hier einige Vorschläge:
    1) Die Temperaturmessung muss bei gleich bleibenden Temperaturnormen in 10 cm Abstand von der Klassenzimmerdecke erfolgen, der Schulwart hat bei Überschreitung der Norm pro Grad und Klasse 150 Euro in einen zweckgebundenen BM-Fond für Inserate und Kosmetik einzuzahlen.
    2) In Konferenzzimmern ist die Beheizung nicht erforderlich, die Schulleitung muss nur durch eine intelligente Raumbelegung für ausreichend animalische Wärme sorgen; Klimaanlagen sind aus ökologischen Gründen grundsätzlich verboten, das Falten von Fächern aus Altpapier wird dagegen als vorbildlich gewertet, weil durch die Verwendung derselben ein möglicher Bewegungsmangel verhindert wird.
    3) Bei der Schaffung von Aufenthaltsräumen hat sich die Planung grundsätzlich an den erfolgreichen Konzepten der ÖBB-Liegewagen (wenn einer steht, müssen drei andere liegen bleiben) zu orientieren.
    4) Fenster sind als energetische Schwachstellen möglichst zu vermeiden, das Zumauern bestehender Fensterflächen macht die Fensterlosigkeit zur Norm und ermöglicht die Nutzung bisher brach liegender Keller- und Abstellräume für den Unterricht. Die Effektivität des Unterrichts ist in solchen Räumen durch die Beseitigung störender äußerer Einflüsse deutlich erhöht, das Privileg zur Nutzung dieses revolutionären Raumkonzeptes ist von SchülerInnen durch das Mitbringen von Kerzen zu würdigen.

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