Gesundheit oder Bildung?

Vor ein paar Tagen diskutierten wir im Freundeskreis, wofür wir – im ideellen wie im materiellen Sinn – alles geben würden. Schnell einigten wir uns darauf, dass uns für die Gesundheit und die Bildung unserer Kinder kein Weg zu weit und kein Preis zu hoch wäre.

Ein Freund erzählte in diesem Zusammenhang, dass er kürzlich „John Q – Verzweifelte Wut“ gesehen habe und froh über unser Gesundheitssystem sei. Ich kannte den Film nicht und ließ mir erzählen, dass darin ein an sich friedliebender Vater zu Gewaltakten greift und letztlich sogar zum Selbstmord bereit ist, um das Leben seines geliebten, schwer kranken Kindes zu retten.

Wenn Sie einen Blick auf die jüngste ÖPU-Aussendung „Nicht vergessen: Schuleinschreibung!“ geworfen haben, wird Ihnen wohl zu Bewusstsein gekommen sein, zu welchen unglaublichen finanziellen Opfern britische Eltern bereit sind, um ihren Kindern das staatliche Gesamtschulsystem zu ersparen und ihnen eine realistische Chance auf einen qualitativ hochwertigen Universitätsplatz zu eröffnen.

Die Alternative, nämlich einen Platz an einer der wenigen „guten“ öffentlichen Schulen zu ergattern, ist erst bei sehr großer Kinderzahl rentabel. Die Wohngegenden rund um diese Schulen haben nämlich Haus- und Wohnungspreise in astronomischer Höhe.

Ob es für britische LehrerInnen, die nicht den ersehnten Absprung ins Privatschulwesen (1) geschafft haben, ein Trost ist, SchülerInnen zu unterrichten, die größtenteils gleichfalls nicht in ihrer Wunschschule gelandet sind, mag bezweifelt werden.

Ich bin jedenfalls froh, in einem Land zu leben, wo Eltern (noch) nicht vor der grausamen Alternative stehen, dem einen Kind die gute Schulbildung entziehen zu müssen, um dem anderen seine Gesundheit retten zu können.
Dafür zu kämpfen, dass in Österreich niemals britische Verhältnisse herrschen, bin ich nicht nur Ihnen, sondern auch meinen Kindern schuldig!

(1) Siehe „Vom vermeintlichen Segen der gemeinsamen Schule. Oder: Was Österreich von Großbritannien lernen könnte„, Standard, 13. Jänner 2011 (Printausgabe 14. Jänner 2011).


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