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Reden ist Silber

Wir alle kennen es aus den Medien – das jährliche Ritual von Gehaltsverhandlungen. So unterschiedlich sie von Jahr zu Jahr und von Berufssparte zu Berufssparte auch verlaufen mögen, eines haben sie alle gemein: Über die konkreten Inhalte wird hinter verschlossenen Türen gesprochen und erst das Ergebnis medial verkündet.

Das hat einen guten Grund: Verhandlungen, die mit einem von beiden Seiten vertretbaren Ergebnis enden sollen, führen immer zu einem Kompromiss. Weder Dienstgeber- noch Dienstnehmerseite werden dabei ihre Vorstellungen zur Gänze umsetzen können. Würden konkrete Inhalte der Gespräche öffentlich, hätten die Verhandlungspartner ständigen Erklärungsbedarf, warum sie auf die Forderung A verzichten, um B durchzusetzen. Außerdem ist bei komplexeren Themen als einer Gehaltserhöhung immer nur ein „Gesamtpaket“ beurteilbar. Einzelne Details zeichnen notgedrungen ein unvollständiges und falsches Bild. Es wäre so, als wollte man das Aussehen einer Person anhand des Fotos ihres Handgelenks beurteilen wollen.

Bei den Verhandlungen zum „Autonomiepaket“ hat leider, wie so oft, die vereinbarte Verschwiegenheit nicht gehalten. Bereits am Morgen des 3. März wurden im Radio Passagen aus den Erläuterungen zitiert, obwohl noch einige Verhandlungsrunden vereinbart waren. Seither berichten verschiedene Medien mit mehr oder weniger Wahrheitsgehalt über die geplanten Reformen.

Die Politik wäre gut beraten, zu den sozialpartnerschaftlichen Gepflogenheiten zurückzukehren. Das Ablenken von (vermeintlichen?) Skandalen rund um Subventionen für Pleitefirmen mag ein Grund für plötzliche mediale Aktivität sein. Das Finden eines sozialpartnerschaftlichen Kompromisses erleichtert es jedenfalls nicht. „Es ist Unsinn, Türen zuzuschlagen, wenn man sie angelehnt lassen kann“, wusste schon der US-Demokrat James William Fulbright.

Im Verhandlungsteam sind die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden aller fünf Lehrergewerkschaften und damit auch alle Fraktionen vertreten. Sie haben unter der Führung von Paul Kimberger, dem Vorsitzenden der ARGE LehrerInnen in der GÖD, schon viel erreicht und einen weiten Weg vom ersten Referentenentwurf bis zum derzeitigen Verhandlungsstand zurückgelegt. Am Ende des Tages wird jedenfalls das Gesamtpaket einer genauen Analyse zu unterziehen und zu beurteilen sein. Danach werden die Lehrergewerkschaften die KollegInnen umfassend und korrekt informieren, denn wie sagte einer meiner pensionierten Kollegen immer: „Ist es wahr, oder steht es in der Zeitung?

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Problemlösungskompetenz

In unserer kompetenzvernarrten Bildungswelt wäre es schön, wenn die zuständigen PolitikerInnen Problemlösungskompetenz bewiesen. Gelegenheit dazu gäbe es genug, wie allein die Lektüre der Tageszeitungen vom 21. und 22. Februar zeigt.

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So war etwa am Dienstag in der „Presse“ (1) zu lesen, dass ein Viertel der Schüler zuhause nicht Deutsch spricht, und in Wien der Anteil von SchülerInnen mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch bereits 50 Prozent beträgt, womit die Bundeshauptstadt in eine Situation geraten ist, die es meines Wissens OECD-weit in keiner anderen Metropole gibt. Dass Arabisch und Rumänisch beim Zuwachs ganz vorn liegen, wird die pädagogischen Herausforderungen wohl auch nicht verringern.

Ein weiterer „Presse“-Artikel beschäftigte sich am darauffolgenden Tag mit der aktuellen Allianz-Studie zum Thema Stress. Darin heißt es wörtlich: „Am meisten gestresst sind die Lehrer (45 Prozent), gefolgt von der Handelsbranche (43 Prozent) und dem Transportwesen (42 Prozent)“. (2)

Zweifellos ist die in den letzten Jahren konstant gewachsene Stressbelastung der LehrerInnen nicht monokausal mit der drastischen Zunahme des Anteils jener Kinder verknüpft, die zuhause nicht Deutsch sprechen, gibt es doch eine ganze Reihe weiterer Faktoren, die es Eltern schwer machen, ihren Aufgaben in Erziehung und Förderung ihrer Kinder gerecht zu werden. Schule verkommt seit vielen Jahren immer mehr zur Reparaturwerkstätte sozialer Nöte. Dass angesichts all dieser Umstände die Stressbelastung für annähernd die Hälfte der PädagogInnen mittlerweile unerträglich geworden ist, kann nur praxisferne „ExpertInnen“ verwundern.

Müssten die zuständigen PolitikerInnen nach Lektüre der beiden Artikel nicht darüber nachdenken, was schiefgelaufen ist, und überlegen, was sie für Österreichs Schule und ihre LehrerInnen tun können? Hätten sie nicht jeden Grund dazu, ihre Problemlösungskompetenz zu beweisen? „Handreichungen“ der Lehrergewerkschaften, mit welchen dringend gebotenen Schritten dem Burnout der LehrerInnen und dem Kollaps der Schule entgegengewirkt werden müsste, stehen ihnen in jeder Menge zur Verfügung.

Die Bildungsministerin hat sich tatsächlich prompt zu Wort gemeldet: „Gesamtschule ist Hammerschmids nächstes Großprojekt“, titelte die „Presse“ (3) am Donnerstag. Die „Modellregionen“ seien „nicht vergessen und nicht gestorben“, sagte die Ministerin. Ist das Problemlösungskompetenz?

(1) Ein Viertel der Schüler spricht zuhause nicht Deutsch. In: Presse online vom 21. Februar 2017.

(2) Stress-Studie: Am meisten leiden die Lehrer. In: Presse online vom 22. Februar 2017.

(3) Gesamtschule ist Hammerschmids nächstes Großprojekt. In: Presse online vom 23. Februar 2017.

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More important than cash

Vor wenigen Tagen erschien im „Standard“ ein Interview mit James Heckman, dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 2000. „Gleiche Chancen für alle Kinder wird es nie geben“, lautete der Titel. (1)

Comparison Food Is Much More Important Than Money

Heckman schrieb einige Arbeiten über die Wirkung von Sozialprogrammen auf Gesellschaft und Wirtschaft. Vor allem interessiert er sich für den Einfluss vorschulischer Faktoren auf den weiteren Lebensweg. Die Erkenntnisse sind erschreckend und ermutigend zugleich.

Die Förderung in der frühen Kindheit ist entscheidend für den späteren Erfolg im Leben. „Investment in early education for disadvantaged children from birth to age 5 helps reduce the achievement gap, reduce the need for special education, increase the likelihood of healthier lifestyles, lower the crime rate, and reduce overall social costs.“ (2)

Nicht nur soziale Argumente sprechen für möglichst frühzeitige Investitionen zugunsten benachteiligter Kinder, sondern auch rein ökonomische: „Wer Kinder mit weniger gut gebildeten Eltern fördere, könne ihre Chancen im späteren Leben massiv erhöhen. Es sei auch keine Frage des Geldes. Für einen Euro, den man ausgebe, bekomme man später deutlich mehr zurück.“ (3)

Der Anteil von Kleinkindern in Frühkindbetreuung ist jedoch nicht der entscheidende Faktor. Es geht „um die Qualität des Umfelds, in dem die Kinder aufwachsen. Schlechte Kinderbetreuung kann sogar sehr schädlich sein“. (4)

Für Förderung von Kindern ist es allerdings nie zu spät. „Man kann nur deutlich mehr erreichen, wenn man früh interveniert. Es gibt aber kein Alter, ab dem man sich nicht mehr um Probleme kümmern sollte.“ (5)

Die Familienpolitik ist gefordert. „Adverse impacts of genetic, parental, and environmental resources can be overturned through investments in quality early childhood education that provide children and their parents the resources they need to properly develop the cognitive and personality skills that create productivity.“ (6) Aber es geht nicht nur um Steigerung von Produktivität, sondern – aus meiner Sicht wesentlich wichtiger – um Vermeidung von sozialem Elend. „Eine auf Neuseeland bezogene Arbeit zeigte, dass 20 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent der Probleme verursachen, also etwa Kriminalität, hohe Gesundheitskosten, wenig Bildung, Drogenmissbrauch. Im Alter von drei bis fünf Jahren kann man relativ gut vorhersagen, wer davon betroffen sein wird.“ (7)

Entscheidend ist die Eltern-Kind-Beziehung. „In allen Studien zeigt sich aber, dass eine stärkere Bindung zwischen Eltern und Kindern essenziell ist. Das ist der Schlüssel.“ (8) Oder anders ausgedrückt: „Good parenting is more important than cash.” (9)

(1) Starökonom Heckman: Gleiche Chancen für alle Kinder wird es nie geben. In: Standard online vom 17. Jänner 2017.

(2) James J. Heckman, The Economics of Inequality. The Value of Early Childhood Education. In: American Educator (Spring 2011), S. 31-47, hier S. 32.

(3) Heckman, Gleiche Chancen.

(4) a.a.O.

(5) a.a.O.

(6) Heckman, Economics of Inequality, S. 32.

(7) Heckman, Gleiche Chancen.

(8) Heckman, Gleiche Chancen.

(9) Heckman, Economics of Inequality, S. 33.

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Ist Weihnachten noch zeitgemäß?

Der terroristische Anschlag in Berlin und das Weihnachtsfest geben beide Anlass nachzudenken.

Historisch betrachtet beruht unsere Gesellschaft auf christlichen Wurzeln. Ist die Botschaft des – man wagt es ja kaum noch zu sagen – christlichen Festes, das wir feiern, noch aktuell?

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Gleichgültig, ob man gläubiger Christ (1) ist oder nicht, wir gehören nicht nur wegen unseres Wohlstandes, sondern auch wegen der Werte unserer Gesellschaft zu den führenden Einwanderungsländern: Gleichberechtigung, Gewaltfreiheit, Toleranz, gegenseitiger Respekt etc. Darauf beruht unsere – Gott sei Dank – säkulare Gesellschaft. Die Rückkehr zum Gottesstaat, in dem Abweichung als Gotteslästerung mit härtesten Strafen geahndet wird, fordern heute manche islamischen Kräfte, und diese halten auch Einzug in Europa.

Trotz der Irrwege und Verbrechen der Vergangenheit hätte das Christentum dem viel Positives entgegenzusetzen. „Mach’s wie Gott: werde Mensch!“, lautet die wohl kürzeste Weihnachtspredigt. (2) Sich selbst und den anderen zu akzeptieren, darum geht es zu Weihnachten – und um die zentrale Botschaft des Christentums: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Ein bisschen mehr tätiges Bekenntnis zu unseren Werten täte uns allen gut, unserer Gesellschaft und auch denen, die hier Schutz suchen. Angst vor dem Fremden hat der, dessen Selbstverständnis durch die Konfrontation mit dem anderen ins Wanken gerät. Und verunsicherte Menschen sind anfällig für Angstmache, Populismus und Demagogie.

Der kastilische König Alfons VIII. und seine Ehefrau Eleonore Plantagenet gründeten 1187 in der Nähe von Burgos das Zisterzienserinnenkloster Santa María la Real de Las Huelgas. Alfons, der einige Kriege gegen die Mauren führte, schätzte die maurische Kunst und beauftrage maurische Architekten mit dem Bau. Im Kreuzgang huldigten diese Gott, wie sie es gelehrt worden waren – mit Suren aus dem Koran auf Arabisch. Alfons VIII. sah sein Christentum dadurch nicht in Frage gestellt.

So wenig ich im Kastilien des 12. Jahrhunderts leben wollte, aber davon könnten wir auch heute eine Menge lernen.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Dieser Satz stammt vom langjährigen Limburger Bischof Franz Kamphaus.

Bild: Interior del Monasterio de las Huelgas, Wikimedia Commons.

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Newspeak

Don’t you see that the whole aim of Newspeak is to narrow the range of thought? In the end we shall make thought-crime literally impossible, because there will be no words in which to express it.

bigstock-145816529_blogMit diesen Worten beschreibt Syme, ein Arbeitskollege von Winston, dem Protagonisten in George Orwells „1984“, das Ziel des „Neusprechs“, und an diese Zeilen muss ich denken, wenn ich mir mache Aussagen von PolitikerInnen zum geplanten „Autonomiepaket“ ansehe.

Echte Autonomie täte der Schule sicherlich gut. Schon Kant bezeichnete in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ Autonomie als den „Grund der Würde der menschlichen und jeder vernünftigen Natur“, und Adorno sah in ihr „die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz“, wie er es in seiner „Erziehung zur Mündigkeit“ ausdrückte.

Das geplante „Autonomiepaket“ hat kurz gesagt nur ein Ziel: eine massive Machterweiterung des Unterrichtsministeriums bei gleichzeitig massiver Beschneidung der Rechte aller anderen, die bisher im Schulwesen Mitspracherechte besitzen – Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen, Länder …

Seit einer Woche kursiert auf verschiedenen Schienen eine Zusammenfassung der geplanten Maßnahmen in tabellarischer Form, die ich den geschätzten LeserInnen nicht vorenthalten möchte:

Sie nennen es Es bedeutet Warum?
mehr Autonomie weniger Mitbestimmungsrechte der Eltern und Schüler/innen, Entmachtung der Schulpartner Entscheidungen trifft der Clusterleiter alleine.
mehr Flexibilität weniger Sprachenteilungen, größere Klassen, geringeres Angebot, weniger Individualisierung, Sparpaket keine Klassenschülerhöchst- und Teilungszahlen; diese fallen auch als Basis für die Mittelzuteilung an die Schulen weg. Unterdotierung des Bildungsbudgets
mehr Sozialarbeiter weniger Lehrer/innen Wer Unterstützungspersonal braucht, muss Lehrer/innen einsparen.
Qualitätssicherung und Bildungscontrolling mehr zentrale Testungen, weniger Unterricht Zusätzliche Testungen kosten Geld und Unterrichtszeit.
mehr soziale Gerechtigkeit mehr Mittel für einige Schulen auf Kosten aller anderen Es sind keine zusätzlichen finanziellen Mittel für Brennpunktschulen vorgesehen.
Schulcluster Anonymität in Großschulen, kein Direktor vor Ort, kein SGA vor Ort, Verlust der Vielfalt Zusammenschluss von unterschiedlichen Schularten (AHS, BMHS) zu einem Cluster mit bis zu 2500 Schüler/innen unter einer Leitung
Allgemeinbildende Pflichtschule des Bundes kein Gymnasium für 10- bis 14-Jährige, keine freie Schulwahl nach der Volksschule Schulsprengelpflicht bis 14 Gesamtschule, auch gegen den Willen der Betroffenen

Als Autonomie bezeichnet man den Zustand der Selbstständigkeit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwaltung oder Entscheidungsfreiheit. Wer kann sie in diesem Paket entdecken?

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Wirksamkeitsnachweis

Als Autonomie bezeichnet man den Zustand der Selbstständigkeit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwaltung oder Entscheidungsfreiheit. Seit einiger Zeit ist es das Lieblingswort österreichischer Bildungspolitiker (1). Leider scheinen diese eine andere Definition von „Autonomie“ entdeckt zu haben.

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Das im Ministerratsvortrag vom 18. Oktober 2016 beschriebene „Autonomiepaket“ hat eine ganz klare Zielsetzung: Stärkung des Unterrichtsministeriums und Stärkung einer neu zu schaffenden Führungsebene (Schulclusterleitungen) bei gleichzeitiger Entmachtung aller anderen, die bisher Einfluss ausüben konnten – Länder, Schulpartner, Direktoren etc.

Gesetzesentwürfe dazu sind noch nicht in Begutachtung, wohl aber zum geplanten Ausbau ganztägiger Schulformen. Hier zeigt sich dieselbe Tendenz der Bevormundung. Die politisch gewünschte, verschränkte Form der Ganztagsschule wird bevorzugt, der Ausbau offener ganztägiger Angebote massiv benachteiligt. Dass man dabei völlig am Bedarf vorbei investiert und die Wünsche der Eltern und Schüler ignoriert, scheint die Politik nicht zu interessieren. Im Schuljahr 2015/16 wurden laut BMB an 202 AHS-Standorten eine offene ganztägige Schulform, an 19 AHS-Standorten eine verschränkte Ganztagsschule und an 2 AHS-Standorten beide Varianten ganztägiger Schule geführt. (2)

Warum will man die über Jahrzehnte aufgebauten und gut funktionierenden schulpartnerschaftlichen Gremien ihrer Entscheidungsbefugnisse berauben? Warum möchte man zentralistische Durchgriffsmöglichkeiten unter völliger Missachtung des Subsidiaritätsprinzips? Wenn diese Maßnahmen alle so gut sind, wie die Politik sie darstellt, warum meint man, Eltern, Schüler und Lehrer dazu zwingen zu müssen?

Mich beschleicht das Gefühl, dass es in Wirklichkeit um Einsparungen und Machtspiele geht. Die Aufhebung der Klassenschülerhöchst- und Teilungszahlen eröffnen budgetäre Möglichkeiten. Die Anhebung der durchschnittlichen Klassenschülerzahl um nur eine Person spart 150 Millionen Euro jährlich. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt?

Jedenfalls geht es beim „Autonomiepaket“ ebenso wenig wie beim Ausbau von verschränkten Ganztagsschulen um die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Mehr Autonomie bringt nicht unbedingt bessere Leistungsergebnisse. Obwohl eine grundlegende Annahme darin besteht, dass Schulautonomie zu einer verbesserten Qualität des Lernens beitragen würde, gibt es überraschend wenig empirische Evidenz zu dieser Frage“, hält der Nationale Bildungsbericht 2015 fest. (3)

750 Millionen Euro stellt die Regierung für den Ausbau der Ganztagsschulen zur Verfügung. Für viele Familien klingt der Plan von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid nach einer wundervollen Verheißung: eine Schule, in der Nachhilfe und Nachmittagsbetreuung obsolet sind und Eltern von der Hausaufgabenbetreuung befreit werden.

Für den Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann hat dieses Bild nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun: ,Sicher löst das erst einmal ein Betreuungsproblem, womit vielen bürgerlichen Familien geholfen wird. Doch weniger Nachhilfe wird es dadurch nicht geben, wie sich in Ländern zeigt, in denen der Anteil an Ganztagsschulen hoch ist. Da geben Eltern weitaus mehr für Nachhilfe aus.‘“ (4)

Ich fordere einen Wirksamkeitsnachweis bei schulpolitischen Maßnahmen: Vor Neuerungen muss der theoretische und praktische Beweis erbracht sein, dass eine Reform pädagogischen Nutzen bringt, sonst ist sie zu unterlassen. Unsere Kinder haben schließlich nur eine, nicht wiederholbare Bildungslaufbahn.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Siehe BMBF (Hrsg.), Ganztägige Schulformen an AHS – Schuljahr 2015/16.

(3) BIFIE (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015, Band 2 (2016), S. 275.

(4) Ute Brühl, Was die Ganztagsschule bringt und was nicht. In: Kurier online vom 10. September 2016.

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Große Vorhaben verwirklichen

Der neue GÖD-Vorsitzende Dr. Norbert Schnedl machte sich bei seiner Antrittsrede auch Gedanken über die Folgen der Digitalisierung. Alle mir bekannten Studien zu diesem Thema sind sich darüber einig, dass in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten zwischen 40 und 55 Prozent aller heutigen Tätigkeiten von Programmen oder computergesteuerten Maschinen übernommen werden. Je niedriger die Qualifikation der ArbeitnehmerInnen, umso stärker werden sie davon betroffen sein. Uneinigkeit besteht lediglich darüber, wie groß der Verlust an Arbeitsplätzen insgesamt sein wird, da durch den Wandel der Arbeitswelt immer auch neue Arbeitsplätze entstehen.

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Norbert Schnedl wagte nun die Aussage, dass Arbeit „neu verteilt werden muss. Mittelfristig ist daher auch eine 3,5-Tagewoche bei vollem Lohnausgleich denkbar. Denn von den Digitalisierungsgewinnen müssen in einer gerechten Arbeitswelt alle und nicht nur einige wenige profitieren“. (1)

Dass die Wirtschaft über solche Aussagen nicht glücklich ist, verwundert wenig. Daher ist auch der „Kurier“-Kommentar von Dr. Helmut Brandstätter wenig überraschend. Studien zu diesem Thema dürfte er allerdings keine gelesen haben, sonst würde er Norbert Schnedl nicht unterstellen zu spekulieren. (2)

Pikanter ist da schon das Statement von SPÖ-Parteichef Mag. Christian Kern, der den GÖD-Vorsitzenden wegen dieser Aussagen als „Scharlatan“ bezeichnete (3), hatte sich Kern doch selbst am SPÖ-Parteitag in Klagenfurt als ein solcher „Scharlatan“ geoutet: „Angesichts von Produktivitätsfortschritten müsse Arbeit neu verteilt werden – „Das Thema Arbeitszeitverkürzung wird auf die Agenda kommen.“ Das wird dem Koalitionspartner ÖVP nicht gefallen. Aber das ist von Kern einkalkuliert: „Die Menschen brennen nicht für Kompromisse, sie brennen für die Haltungen.“ Daher dürfe die SPÖ nicht gleich mit Kompromissangeboten in Verhandlungen gehen.“ (4) So der Herr Bundeskanzler im Juni 2016. Wie behend und/oder situationselastisch er seine Haltung ändern kann, hat er ja inzwischen nicht nur bei CETA bewiesen …

Themenwechsel: Im Sommer 2007 wagte der damalige GÖD-Vorsitzende Fritz Neugebauer einen Vorstoß: „Im Kurier-Gespräch drängt er auf neue Leistungstests: Mit Hilfe von Entwicklungspsychologen will er festschreiben, was ein Kind mit drei oder vier Jahren können sollte. Neugebauer will die Bildungsstandards erweitern, die derzeit festlegen, was Schüler können sollen.“ (5) Mehr hat er damals nicht gebraucht! Die SPÖ kritisierte, es ginge ihm „nur um Auslese-Tests, Disziplinierungsinstrumente und weitere Bildungsbarrieren“. (6) Mag. Dr. Eva Glawischnig-Piesczek stellte die rhetorischen Fragen: „Was kommt als nächstes? Intelligenztests auf der Säulingsstation [sic!]?“ (7) Mittlerweile hat sich die Regierung im November 2015 auf die „Einführung einer verpflichtenden Potentialanalyse ab 3,5 Jahren“ geeinigt. (8) Österreichs Politik hat also 2015 beschlossen, was Fritz Neugebauer 2007 vorgedacht hat.

Fazit: Menschen, die die Herausforderungen der Zukunft erkennen und Lösungsansätze entwickeln, werden dafür oftmals von PolitikerInnen und JournalistInnen geprügelt, denen der nötige Weitblick fehlt. Ich bin froh, dass die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Vorsitzende hat, von denen man das nicht behaupten kann. Wie formulierte es Thomas Woodrow Wilson, Historiker und Präsident der USA, so treffend: „Wer keine Vision hat, vermag weder große Hoffnung zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen.“ (9)

(1) Schnedl: Arbeitszeitfrage und Digitalisierung hängen eng zusammen! OTS-Aussendung vom 14. Oktober 2016.

(2) Siehe Helmut Brandstätter, Über die vielen Wege, Unsinn zu verbreiten. In: Kurier online vom 15. Oktober 2016.

(3) Michael Bachner, 3,5-Tage-Woche ist für Kern „Scharlatanerie“. In: Kurier online vom 14. Oktober 2016.

(4) Conrad Seidl, Kern wirbt für Arbeitszeitverkürzung und Maschinensteuern. In: Standard online vom 4. Juni 2016.

(5) Bildung: Entwicklungstests für Dreijährige? In: Presse online vom 30. Juli 2007.

(6) a.a.O.

(7) a.a.O.

(8) „Bildungsreform“ der Bundesregierung vom 17. November 2015, S. 1.

(9) „No man that does not see visions will ever realize any high hope or undertake any high enterprise.

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