Gerhard Riegler: Keine Unschuldsvermutung

„Es gilt die Unschuldsvermutung“:

  • Führerscheinentzug (kein Problem, trotzdem jede Woche mit dem Auto zur Disco zu fahren)
  • gefährliche Drohungen
  • Drogen
  • rohe Gewalt
  • Verbot, das Haus der Eltern zu betreten,
  • Flucht des sechsjährigen Bruders des erschlagenen dreijährigen Cain aufs Dach des Hauses
  • blanke Todesangst im Umfeld des 26-jährigen, amtlich anerkannten Frühpensionisten

Ich kann in diesem Zusammenhang die Formulierung von der „Unschuldsvermutung“ kaum mehr hören. Denn offensichtlich versagen Gesetzgeber und/oder Behörden, die auf die Umsetzung von Rechtsnormen zu achten hätten, massiv; ich vermute bei ihnen keine Unschuld. Etliche Behörden waren im Lauf der Jahre involviert. Keine Behörde hat die „tickende Bombe“ gehört?

Wann läuft endlich die Zeit des Schönredens durch Politik und Behördenvertreter ab: Fast jeder von uns hat solche Cains in seinen Klassen sitzen – in unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl. Wir LehrerInnen sind zwar hautnah dran, werden aber alleingelassen und können nicht helfen. Es ist im wortwörtlichen Sinn zum Krankwerden. In Wien ist, wie eine aktuelle Studie aufzeigt, bereits jede zehnte Lehrerin, jeder zehnte Lehrer vom Burn-out-Syndrom betroffen! Monoton begleitet das Ticken einen schwerfälligen Gesetzgeber und schwerhörige Behörden. Hoffentlich laut genug, um eine Bevölkerung dazu aufzuwecken, eine dekadente Entwicklung zu stoppen. Es wird euch/Sie nicht überraschen, dass ich von dieser Notwendigkeit überzeugt bin; ich lasse deshalb andere zu Wort kommen:

„Seit den 70er-Jahren wird das Ansehen des Lehrerberufs untergraben. Das muss rückgängig gemacht werden! Denn die Lehrer sind diejenigen, die die Knochenarbeit leisten.“ (Alfred Dorfer, Der Standard vom 8. Jänner 2011)

Wenn inzwischen auch die Bundesvorsitzende der Jungen Industrie fordert, „den Lehrerberuf insgesamt aufzuwerten“ (1), dann stellt dies die Borniertheit Altvorderer in Frage, dann lässt dies Hoffnung keimen.

(1) Presseaussendung vom 6. Jänner 2011

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Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

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