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Geld oder Leistung

Ich finde es gut, wenn die 8-jährige Langform des Gymnasiums erhalten bleibt.“ Die Zustimmung zu dieser Aussage ist unter den wahlberechtigten Österreichern (1) mehr als doppelt so hoch wie die Ablehnung. (2)

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Zu diesem Ergebnis kommt eine vom „Standard“ in Auftrag gegebene Umfrage des Market-Instituts – und die Blattlinie des „Standard“ kann man wohl kaum als gesamtschulfeindlich charakterisieren. Die genauere Analyse ergibt, dass sich „sogar unter SPÖ-Wählern […] eine relative Mehrheit dafür“ findet – „und damit für eine Absage an die Gesamtschule.“ Selbst die Anhänger der Grünen sind „mit einer sehr schwachen relativen Mehrheit für das Gymnasium“. (3)

Davon hebt sich deutlich ab, was ich vor wenigen Tagen gelesen habe. Die „rote“ Schülerorganisation fordert die Gesamtschule mit folgenden Worten: „Die Leistung von jungen Schülerinnen und Schülern hängt nach wie vor nicht von den Begabungen der Kinder ab, sondern vom Geldbeutel der Eltern. […] Das Gymnasium in seiner jetzigen Form und auch mit zusätzlichen Aufnahmetests fördert nur eine Elite, die das Geld hat sich das zu leisten und alle anderen fallen unter den Tisch.“ (4) Und der Grüne Bildungssprecher sieht „durch das absurde Aussortieren“ von Zehnjährigen überhaupt „die pädagogische Steinzeit“ am Horizont heraufziehen. Mit der Forderung nach einer AHS für Leistungsstarke „wäre der Zugang nur noch für Kinder aus gutbürgerlichen Haushalten gewährleistet, die durch massive privat finanzierte Nachhilfe ihrem Kind einen Zugang zum Gymnasium ermöglichen würden“. (5)

Es ist zweifellos richtig, dass der Schulerfolg in beträchtlichem Maß vom sozioökonomischen Status der Eltern abhängt – und zwar in allen Staaten der Welt. In keinem Teilnehmerland am „Erwachsenen-PISA“ PIAAC (6) hängt die Lesekompetenz jedoch derart stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab wie in den USA, einem Gesamtschul-Urgestein. Europas traditionsreiche Gesamtschulstaaten Frankreich, England und Italien folgen auf den Plätzen. Aber auch in Finnland, dem Liebling der Gesamtschulapologeten, ist diese Abhängigkeit größer als in Österreich. (7)

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Differenzierung erfolgt nach Leistung oder nach Geld. Wird auf Leistung gesetzt, haben in einem qualitativ hochwertigen, staatlich finanzierten Schulwesen auch Kinder aus unterprivilegierten Verhältnissen eine reelle Chance auf bestmögliche Bildung. Führt man ein staatliches Gesamtschulwesen ein, bringen die Reichen – koste es, was es wolle – ihre Kinder in exklusiven Privatschulen unter, was alle Gesamtschulländer mit langer Tradition beweisen. Mir ist es daher nach wie vor unverständlich, dass Politiker, die in Sonntagsreden ständig von sozialer Gerechtigkeit reden, ein derart unsoziales System fordern können.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Der Aussage stimmen 59 % der wahlberechtigten Österreicher zu. Lediglich 27 % tun das nicht. Die restlichen Befragten machten keine Angaben. Siehe Conrad Seidl, Umfrage: Mehrheit will Ehe und Adoptionsrecht für Homosexuelle. In: Standard online vom 3. November 2013. Die Grafik findet man hier.

(3) a.a.O.

(4) Presseaussendung der AKS vom 7. November 2013.

(5) Presseaussendung der Grünen vom 7. November 2013.

(6) PIAAC steht für „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“.

(7) OECD (Hrsg.), Skills Outlook 2013 (2013), S. 117.

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Gerhard Riegler: Halloween

Was Bildungsstudien wie PISA und Halloween gemeinsam haben:

  • Bei beiden bekommen Kinder die Gelegenheit, Erwachsene zu erschrecken.
  • Mit beiden lassen sich hervorragende Geschäfte machen.

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Wichtig für den mittlerweile florierenden Geschäftsgang war bei PISA wie bei Halloween das konsequente Rühren der Werbetrommel. Schließlich musste den EuropäerInnen erst eingeredet werden, dass mit ihren veralteten Vorstellungen im 21. Jahrhundert nicht mehr Furore zu machen ist. Medien leisteten gerne ihren Beitrag dazu, dass PISA- und Halloween-Hysterie, wenn welke Blätter zu Boden fallen, inzwischen ihre volle Blüte entfalten. Die ChinesInnen reüssieren bei beiden „Festen“: bei PISA mit ihren top-gedrillten SchülerInnen aus Shanghai, zu Halloween mit Plastikkürbissen aller Art.

Halloween darf man natürlich nicht nur den USA in die Schuhe schieben, handelt es sich bei diesem Brauch doch um ein uraltes keltisches Treiben. Schottische und irische Auswanderer brachten es in die USA, von wo es nun wieder nach Good old Europe zurückschwappt. An PISA sind die USA allerdings federführend schuld. Diese „Bildungsstudie“ ist von der OECD auf Betreiben der USA entwickelt und von ihr Europas Bildungspolitik mit allem Nachdruck ans Herz gelegt worden.

Wozu die hinter PISA steckende „Philosophie“ in den USA bereits zuvor geführt hatte, ist und war bekannt: ein Zweiklassen-Schulsystem mit Elite-Instituten für Kinder aus Familien, die es sich leisten können oder wollen, für die große Mehrheit aber standardisierte „Bildung“, die sich immer mehr auf das konzentriert und reduziert, was getestet wird. „No Child Left Behind“ lautet der herzerwärmende Titel eines politischen Programms, das SchülerInnen, die das Testergebnis ihrer Schule und damit sogar die Existenz eben dieser Schule gefährden, vermehrt zu Opfern hoher Dropout-Raten werden lässt. Schaurig – und das nicht nur zu Halloween.

Im Fokus einer am Menschen orientierten Bildungspolitik haben die Jugend und ihre Zukunft zu stehen. Der Blick auf die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen unseres Landes sollte uns mehr Selbstvertrauen und Mut zur Besonnenheit verleihen. „ExpertInnen“, die Geschäfte auf Kosten anderer machen, haben von uns jedenfalls nicht nur zu Halloween Saures verdient!

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Gerhard Riegler: Live small, educate big!

Wenn ein Paar sein erstes Kind bekommt, ist vielfach der Umzug in eine größere Wohnung angesagt. Ein Blick in die „New York Times“ vom 3. Mai überraschte mich: Amerikanische Eltern tun häufig genau das Gegenteil. Ist der Nachwuchs da, wird umgezogen, aber in eine kleinere Wohnung, oftmals noch dazu in einer weniger „angesagten“ Gegend. (1) Der Grund für dieses auf den ersten Blick unverständliche Verhalten liegt in der Sorge um eine gute Schulbildung für die Kinder.

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Länder mit Einheitsschulen weisen – im Gegensatz zur Behauptung der „Experten“-Propaganda – keineswegs homogene Schulqualität auf. Ganz im Gegenteil! In den USA ragen aus dem Meer der Gesamtschulen nur wenige qualitätsvolle Inseln heraus, auf die naturgemäß ein riesiger Andrang herrscht. Bildungsaffine Eltern stehen daher vor einem Dilemma, sofern sie nicht über exorbitante Einkünfte verfügen:

  • „Plan A“ zielt auf eine gute (d.h. in Schulrankings vorne liegende) öffentliche Schule, in deren Einzugsgebiet man umzieht, koste es, was es wolle. Wer weder die Mittel noch die Bonität vorweisen kann, um sich in einer solchen Gegend eine Wohnung oder ein Haus leisten zu können, versucht es oft mit kurzzeitigen Mietverträgen. Sobald der Nachwuchs in der Traumschule untergebracht ist, zieht man wieder in eine Gegend, die man sich leisten kann. Das Kind darf nach dem Motto „once you’re in, you’re in” in der Schule bleiben. Der dadurch längere Schulweg wird als Preis in Kauf genommen.
  • Für jene, denen dieses Umzugskarussell zu mühsam erscheint, gibt es den „Plan B“, der nur einen einzigen Umzug nötig macht, nämlich den am Beginn angesprochenen in eine billigere Behausung. Durch ihn werden die Mittel frei, die man braucht, um seinen Kindern den ultimativen amerikanischen Schultraum zu erfüllen: den Besuch einer Privatschule. „Live small, educate big“, nennt die „New York Times“ dieses Phänomen.

Ich frage mich, wie „Experten“, ohne rot zu werden, angesichts dieser Segregation im Gesamtschulland USA penetrant behaupten können, Gesamtschulen würden für eine soziale Durchmischung sorgen. Das genaue Gegenteil ist der Fall, weil Eltern eben nicht verlogenen „Experten“ vertrauen, sondern das Beste für ihre Kinder wollen.

(1) Siehe dazu Michelle Higgins, The Get-Into-School Card. In: The New York Times Online vom 3. Mai 2013.

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Gerhard Riegler: Osterwünsche

Einer Aussendung der SPÖ vom 11. März 2013 (1) entnehme ich folgende interessante Information:

FREITAG, 15. März 2013: […] Bundesministerin Claudia Schmied reist anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Dürers Meisterwerke“ der Albertina in der Washington National Gallery nach Washington und nimmt weitere kunst- und kulturpolitische Termine wahr (bis Dienstag, 19.3.).

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BM Schmied begleitete Albrecht Dürers „Feldhasen“ auf seiner Reise nach Washington, und das nur wenige Tage nach ihrem Ausflug nach Los Angeles anlässlich der „Oscar“-Verleihung 2013.

Schade, dass BM Schmied innerhalb kürzester Zeit zwei Mal die Gelegenheit verstreichen ließ, am Rande ihres repräsentativen Auftretens einen interessierten Blick auf das reale Gesamtschulsystem der USA zu werfen. Gerade der Großraum Washington böte ebenso wie Los Angeles konkrete Einsichten in das klägliche Scheitern der Gesamtschulidee, blühen doch in beiden Gegenden massenweise sündteure Privatinstitute, die allen Betuchten die Flucht aus den staatlichen Gesamtschulen ermöglichen und wohl alle weniger Betuchten davon träumen lassen.

Sich mit banaler schulischer Alltagsarbeit auseinanderzusetzen, war ja noch nie die Sache der Unterrichtsministerin. Viel lieber suchte sie das Rampenlicht der Kulturszene oder schaffte sich ihre eigene strahlende Schulwelt in Inseraten, Broschüren und inszenierten Schulbesuchen.

Gibt es wirklich nichts Wichtigeres und Dringlicheres für BM Schmied, als „Oscar“-Gewinner zu herzen oder Kunstwerke auf Weltreisen zu begleiten?

Angeblich diente Dürers Feldhase als Vorbild für die derzeit allgegenwärtigen Schoko-Osterhasen. Da unser „Brief ans Christkind“ bei der Ministerin noch keine Verhaltensänderungen bewirkte, lege ich – im Vertrauen auf den Osterhasen – eine besonders dringende „Short List“ unserer Wünsche ans Christkind ins ministerielle Osternest:

  • Schenke PolitikerInnen das Interesse, sich mit bildungswissenschaftlichen Studien seriös auseinanderzusetzen!
  • Erhalte den Eltern das Recht, ihren Kindern eine individuelle Nachmittagsgestaltung zu bewahren, wenn ihre familiären Umstände das ermöglichen!
  • Schenke unserer Unterrichtsministerin die Erkenntnis, dass die reale Schulwelt ganz anders aussieht, als ihre Inserate und Hochglanzbroschüren es erscheinen lassen wollen!

Aber auch der vorweihnachtliche Wunsch an uns LehrerInnen ist nach wie vor brandaktuell: Gib uns LehrerInnen weiterhin die Kraft, den Zorn über eine unerträgliche Bildungspolitik in positive Energie zum Wohl der uns anvertrauten SchülerInnen zu verwandeln!

(1) SPÖ-Termine von 11. März bis 17. März 2013.

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Land der Hämmer

Es kämen „echte Hämmer“ auf Österreichs Pensionisten (1) zu, verkündete der Vizekanzler und stimmte damit die Bevölkerung auf Schlimmes ein, auch wenn die derzeitigen Pensionisten glimpflich davongekommen sind. Von den über sieben Milliarden, die in diesem Bereich gespart werden sollen, zahlen fast zwei Drittel Personen, die noch im Erwerbsleben stehen und erst in den nächsten Jahren in die Pension wechseln.

Als gelernter Österreicher warte ich mit der Bewertung der Details noch auf das „Kleingedruckte“. Eines steht aber wohl jetzt schon fest: Wir werden als Staatsdiener gründlich gerupft. Die gute Nachricht: Das von vielen prophezeite Sonderopfer für Österreichs Pädagogen ist ausgeblieben.

Aber selbstverständlich treffen uns auch alle anderen Maßnahmen von B wie Bausparen bis Z wie Zukunftsvorsorge. Politiker werden uns doch nicht für so „behämmert“ halten, dass wir dies nicht bemerken.

Apropos „bemerken“: Viele Mitbürger haben schon seit Jahren bemerkt, dass unser Staat deutlich über seine Verhältnisse lebt und dass das Aufnehmen neuer Kredite für die Zinsenbegleichung alter Kredite auf Dauer nicht gutgehen kann. Dabei darf der Fokus aber nicht nur auf die Ausgabenseite gerichtet werden: Viel zu lange hat es der Fiskus verabsäumt, dort Geld einzutreiben, wo es in reichem Maß vorhanden ist. Milliarden an Steuereinnahmen gehen dem Staat verloren, weil die Finanz nicht genügend Personal hat, um die Steuersünder – v.a. in der Wirtschaft – zu kontrollieren.

Wenn jetzt stolz verkündet wird, dass auch die „Reichen“ zur Kasse gebeten werden, weiß ich nicht genau, ob ich lachen oder weinen soll. Die „Reichensteuer“ ist als einzige in diesem 27-Milliarden-Europaket befristet (bis 2016). Personen mit 2,8 Millionen Euro Jahreseinkommen müssen zusätzlich 154.531 Euro jährlich an Steuern abliefern – ein Verlust von 5,5 %. Wenn ich das bei der jetzigen Inflationsrate dem Beitrag des öffentlichen Dienstes durch die Nulllohnrunde 2013 und der lediglich einprozentigen Gehaltserhöhung 2014 gegenüberstelle, fühle ich mich gleich „besser“: Die Staatsdiener gehören offenbar zu den Superreichen.

An die Finanztransaktionssteuer glaube ich erst, wenn es sie gibt. Dass der britische Premier diese Maßnahme mit Zähnen und Klauen zu verhindern trachtet, zeigt ebenso wie Österreichs „Reichensteuer“, dass viele Politiker den Einflüsterern und Lobbyisten der Großbanken und Spekulanten zu leicht erliegen.

Das bringt mich zu den wahren „Hämmern“ der Krise. Wann werden die politisch Verantwortlichen endlich zum Hammer greifen und das Prinzip „Gewinne privatisieren – Verluste verstaatlichen“ zerschlagen? Wann werden Kontrollmechanismen installiert, die ein Da capo des Finanzdebakels unterbinden? Ein wahrhafter „Hammer“ ist auch die Macht von Ratingagenturen, die wohl nicht nur ich als politische Waffe der USA gegen ein zu stark gewordenes Europa betrachte.

Wer den Sparhammer hauptsächlich gegen den Mittelstand schwingt, weil eine wohl organisierte Lobby dies verlangt, mag das Defizit kurzfristig reduzieren. Mittelfristig wird aber der soziale Friede aufs Spiel gesetzt, wenn – wie derzeit in den USA – große Teile des vormaligen Mittelstands in die Armutsfalle getrieben werden. „Land der Hämmer, zukunftsarm“ kann doch nicht das Ziel verantwortungsvoller Politik sein!

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

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Gerhard Riegler: Bildungsdiebstahl

Stellen Sie sich bitte folgende Szene vor: Ihr Kind verlässt das Schulhaus und wird – natürlich ohne sein und Ihr Wissen – von professionellen Detektiven bis an Ihre Wohnungstür verfolgt. Alles wird mit Hightech-Ausrüstung dokumentiert, regelmäßig und bis ins kleinste Detail.

Stellen Sie sich weiters vor, dass das so gewonnene Beweismaterial vor Gericht gegen Sie verwendet wird – mit schlimmen Konsequenzen bis hin zu einer Gefängnisstrafe.

Nein, Sie haben nicht Ihre Sorge- oder Aufsichtspflicht vernachlässigt. Auch wenn sich Ihr Kind auf dem Heimweg von der Schule jedes Mal vorbildlich verhalten hat, erspart Ihnen das nicht den Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen, weil Sie sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Die Anklage lautet auf schweren und fortgesetzten „Bildungsdiebstahl“ (educational theft). Wie das renommierte Wall Street Journal Anfang Oktober berichtete, landeten bereits etliche amerikanische Eltern aufgrund dieses Verbrechens hinter Gittern. (1)

Was haben diese Eltern konkret angestellt? Sie haben bei der Wohnadresse bewusst falsche Angaben gemacht, um ihren Kindern Zugang zu einer der (wenigen) qualitätsvollen öffentlichen Schulen der USA zu verschaffen.

KopfgeldDass es sich dabei um alles andere als bizarre Einzelfälle handelt, beweist allein schon die Tatsache, dass sich eine Firma mit dem vielsagenden Namen „VerifyResidence.com“ darauf spezialisiert hat, jenen SchülerInnen auf die Schliche zu kommen, die nicht die Schule ihres Distrikts besuchen. Auch Petzen lohnt sich: „VerifyResidence.com“ zahlt für jeden anonymen Hinweis, der zur Aufdeckung eines solchen Verbrechens führt, 250 Dollar.

Natürlich ist „Bildungsdiebstahl“ nicht der einzige Weg, um in den USA seinem Kind eine gute Schulbildung zukommen zu lassen. Wer stinkreich ist, leistet sich ein sündteures Privatinstitut, und wer Fortunas Liebling ist, hat leicht lachen: Er gewinnt bei der Schullotterie einen der wenigen begehrten Plätze.

Wer allerdings soziale Gerechtigkeit sucht, wird sie in Amerikas Schulsystem nicht einmal ansatzweise finden. Dass es sich dabei um ein Gesamtschulsystem handelt, weiß jedes Kind. Manch alternder Ex-Politiker aber scheint es geflissentlich zu vergessen – oder es ist ihm schlichtweg gleichgültig, weil er sich ohnehin das sündteure Privatinstitut leisten kann.

(1) Micheal Flaherty, The Latest Crime Wave: Sending Your Child to a Better School. In: The Wall Street Journal Online vom 1. Oktober 2011.

Bild von der Website von VerifyResidence.com.

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