Schlagwort-Archive: Stürmer

Schmiedsche Luxusgüter

Einer APA-Meldung vom 9. März entnehme ich, dass im Rahmen der Sparpläne der Regierung 112 Millionen Euro im Bildungsbereich gestrichen werden sollen.

Wenn das Geld knapp wird, verzichtet der normale Bürger wohl auf Luxusgüter. Solche sehe ich im BMUKK einige: „Ich weiß die Kosten, sage sie aber nicht.“ So lautete BM Schmieds Antwort (APA vom 18. Jänner 2010) auf die Frage nach den Kosten für ihre Bundeshymne-Stürmer-Werbekampagne. Ich würde diese Kosten natürlich gerne wissen – oder vielleicht im Interesse eines stabilen Blutdrucks nicht: ein extrem teures Sponsoring des ORF mit Mitteln, die für den Unterricht gedacht sind. Was kostet eine einzige Ausstrahlung dieses Werbespots zur besten und teuersten Sendezeit des ORF? Vom vergleichsweise billigen Ö3 ist der Preis bekannt: 110 Euro pro Sekunde für die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr.

Eine parlamentarische Anfrage war so präzise gestellt, dass BM Schmied einigermaßen exakte Zahlen präsentieren musste. Durch deren Beantwortung wissen wir, dass sie in den ersten beiden Wochen des laufenden Schuljahres 458.543,23 Euro alleine für Inserate in Printmedien ausgegeben hat.

Wer glaubt, dass BM Schmied das peinlich wäre, irrt. „Eine Inseratenkampagne mit einem Schwerpunkt auf die Bundesländermedien hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) am Donnerstag angekündigt. – Die kritisierte Kampagne zu Beginn des Schuljahrs 2009/10 sei lediglich ‚in einem ersten Schritt auf eine erste Auswahl von Medien fokussiert‘ gewesen.“ (Pressemeldung vom 19. November 2009)

BM Schmied im eiskalten O-Ton: „Jetzt müssen wir die öffentliche Meinung so weit vorbereiten, dass die gesamthafte Umstellung auf die Neue Mittelschule zur logischen Konsequenz wird.“ (Tiroler Tageszeitung vom 14. November 2009). Das stößt sogar dem Grünen Bildungssprecher, der sonst in bildungspolitischer Hinsicht fast immer auf Schmiedscher Linie ist, sauer auf: „Der Boulevardmarkt wurde bedient, um eine entsprechende Berichterstattung zu erhalten.“ (NR-Abg. Dr. Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, Vorarlberger Nachrichten vom 18. November 2009)

Auf all das – und vieles mehr – könnte BM Schmied problemlos verzichten, ohne Schülern, Lehrern oder Eltern auch nur im geringsten zu schaden.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Die Unbildungsreform

Gestrigen Pressemeldungen entnehme ich, dass das Handelsgericht Wien in erster Instanz nichts gegen die Verwendung des Wortes „Töchter“ in der österreichischen Bundeshymne einzuwenden hat. Damit kann der Werbespot der „Bildungsreform“-Kampagne von BM Schmied ab sofort wieder eingesetzt werden, in dem Christina Stürmer ihre Version der Bundeshymne trällert.

Der Streit um den Text wäre mir keinen Blog-Eintrag wert. Viel interessanter finde ich, dass sich bisher noch niemand mit dem Inhalt des Videos auseinandergesetzt hat. Zumindest habe ich nichts dergleichen gehört oder gelesen. Bereits das dritte Bild des Video-Clips (1) (nach Angelika Kauffmann und Wolfgang Amadeus Mozart) zeigt Ignaz Semmelweis. Dazu möchte ich nur auf meinen Blog-Eintrag „Inkompetenzkompensationskompetenz“ verweisen (https://quinecke.wordpress.com/2010/01/19/inkompetenzkompensationskompetenz/).

BM Schmied verfolgt eine bisher durchaus erfolgreiche österreichische Strategie, die es auch recht gut schafft, Beethoven als Österreicher und Hitler als Deutschen zu verkaufen. Ob das freilich viel mit Bildung zu tun hat? Der Qualität der „Bildungsreform“ von BM Schmied entspricht es aber allemal.

(1) Den Spot mit der Stürmer-Version der Bundeshymne findet man unter http://dkapp.blogspot.com/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Gerhard Riegler: Schmieds Stürmer

BM Schmied hat Geld, offenbar sogar sehr viel Geld: Frei nach dem Motto „Man(n) – pardon – Frau gönnt sich ja sonst fast nichts!“ macht sich die für das Bildungsressort Zuständige neuerdings ans Werk, die Bundeshymne einem gendergerechten Facelifting zu unterziehen. Sie wollte sich aber nicht damit begnügen, einen Veränderungsbedarf bei unserer Hymne via Presseaussendung oder im Rahmen eines Interviews zu thematisieren, sondern fühlte sich einmal mehr dazu berufen, eine noble PR-Firma aus Steuergeldern mit der Ausarbeitung einer Kampagne zu beauftragen.

Aus dem Bildungsbudget, das für pädagogische Anliegen wie tatsächlich kleinere Klassen nicht und nicht reichen soll (1), fließen bei der BMUKK-Kampagne zur Umtextung der Bundeshymne fette Werbeeinnahmen an TV-Stationen und Printmedien. Über deren Höhe wird dezent geschwiegen. Die Sängerin Christina Stürmer, Protagonistin des BMUKK-Unternehmens „Bundeshymne NEU“, erklärte im Ö3-Interview, aus Begeisterung und Idealismus eine rockige Neu-version der Bundeshymne produziert zu haben. Doch auf die Nachfrage des von der teuren PR-Firma offenbar nicht ausreichend gebrieften Ö3-Moderators, ob sie dafür denn keine Gage erhalte, kam die offenherzige Antwort: „Von nix kriagt ma nix!“

Idealismus sei schön, aber auch das Monetäre müsse selbstverständlich stimmen, lautete die Botschaft Frau Stürmers, der auch wir LehrerInnen gerne zustimmen: Wenn Anliegen wertvoll und berechtigt sind und die Entlohnung angemessen ist, dann kann BM Schmied auf die 120.000 LehrerInnen Österreichs als ihre „Stürmer“ auf dem Feld der Pädagogik vertrauen. Aufrufe an die LehrerInnen zu Gagenverzicht aus Idealismus müssen wir zurückweisen – selbst dann, wenn sie uns – von wem auch immer – vorgesungen werden sollten!

(1) Wer kann dies nach den zurückgegebenen 120 Millionen Euro noch mit Sicherheit beurteilen?

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Bildungsoffensive à la Schmied

Da lese ich doch in einem bunten Kleinformat folgende Schlagzeile: „Schmied holt Stürmer für Schul-Kampagne“. Im Text heißt es dann: „Das neue Jahr geht SP-Bildungsministerin Claudia Schmied noch offensiver an als das vergangene. Heute präsentiert sie in der Turnhalle des Wiener Amerling-Gymnasiums gemeinsam mit Popstar Christina Stürmer ihre neue Informationskampagne „Bildungsreform für Österreich“.“ Es geht dabei – erraten – um Schmieds Gesamtschulpläne.

Zuerst schwankte ich zwischen Erheiterung und Fassungslosigkeit. Mittlerweile aber muss ich sagen, Schmieds Agieren ist logisch und stringent. Schmieds Gesamtschulpläne haben mit einer Bildungsoffensive ebensoviel zu tun wie der Popstar Christina Stürmer.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare