Schlagwort-Archive: Brandsteidl

Koffer packen

BM Schmied antwortete im „Presse“-Interview auf die Frage, ob sie die neue Lehrerausbildung und das neue Lehrerdienstrecht „bewusst in Richtung Gesamtschule gemacht“ habe, mit: „Natürlich.“ (1) Das klare Fazit der weiteren Aussagen: Eine Volksabstimmung über die Gesamtschule kommt für BM Schmied nicht in Frage, weil sie weiß, dass die Mehrheit dagegen ist. Es gelte lt. BM Schmied, „konservative Widerstände zu überwinden“. (2)

bigstock-view-of-the-government-buildin-26264972_blog

Zu dieser Weltanschauung passt die Schmiedsche Forderung, die derzeit notwendige 2/3-Mehrheit von betroffenen Eltern und LehrerInnen für die Einführung der Ganztagsschule abzuschaffen. Lehrer- und ElternvertreterInnen reagierten empört. (3)

Der amtsführenden Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl kann BM Schmied damit freilich noch lange nicht das Wasser reichen. Mitte Juni forderte jene den „Pflicht-Kindergarten ab dem ersten Lebensjahr“. (3) Die damals sehr heftigen Reaktionen haben sie offensichtlich nicht davon abgehalten, nun die verpflichtende Ganztagsschule für alle Kinder zu propagieren. Im „Presse“-Interview kommentierte sie die Aussage der Journalistinnen „Sie haben mehrfach gesagt, dass Sie ohnehin dafür wären, dass alle Kinder ganztägig in der Schule sein sollen. Demnach bräuchte es ja überhaupt keine Mitsprache.“ mit „Genau.“ Mit einer Umfrage konfrontiert, nach der drei Viertel der Wiener Eltern gegen eine verpflichtende Ganztagsschule seien, meinte Brandsteidl lapidar, dass die Kinder, die mittags heim wollen, eine Privatschule besuchen sollten. (5) 25 Prozent der Kinder in öffentliche Ganztagesgesamtschulen und 75 Prozent in Privatschulen – das ist offenbar Brandsteidls Vision moderner Gesellschaftspolitik.

Jemand postete dazu: „Mein Rat: Frau Brandsteidl könnte in ein Land auswandern, in dem ihre Ideale schon verwirklicht sind, z.B. Nordkorea, Kuba oder China.“ (6) Ich bin wohl nicht der einzige, der ihr beim Kofferpacken gerne behilflich wäre. Und vielleicht möchte sie noch jemanden mitnehmen…

(1) Julia Neuhauser, Schmied: „Zweiklassen-Gesellschaft in Schulen auflösen“. In: Presse Online vom 26. August 2013.

(2) Presseaussendung der SPÖ vom 30. August 2013.

(3) Ö1-Mittagsjournal vom 28. August 2013.

(4) Bernd Vasari, „Für Kindergartenpflicht ab 1 Jahr“. In: Wiener Zeitung Online vom 10. Juni 2013.

(5) Julia Neuhauser und Bernadette Bayrhammer, Brandsteidl: Wer mittags heim will, soll in Privatschule. In: Presse Online vom 29. August 2013.

(6) unbekannterniemand, 30. August 2013, 18:43.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Gerhard Riegler: Auf einem anderen Stern

Lügen wir uns nicht in den Sack: Es gibt noch extrem viel zu tun“, (1) schrieb die stv. Chefredakteurin des „Kurier“ zum Vorstoß von Staatssekretär Sebastian Kurz. Dieser hatte mit einer Aussage aufhorchen lassen, deren Inhalt einer tausendfachen Erfahrung österreichischer LehrerInnen entspricht: „Wer nicht Deutsch kann, kann dem Unterricht nicht folgen.“ (2)

Den empörten Aufschrei professioneller TräumerInnen konnte auch der Kurz’sche Hinweis nicht verhindern, dass der dringende Förderbedarf in gar nicht wenigen Fällen auch bei Menschen ohne Migrationshintergrund vorliegt. Unterrichtsministerin Schmied schwang sofort die verbale Keule, indem sie von „Ghettoklassen“ sprach. (3). Doch den Vogel schoss mit gewohnter Zielsicherheit die amtsführende Wiener Stadtschulratspräsidentin ab: In Wien gebe es keinen Handlungsbedarf, da sei alles bestens, ließ sie sinngemäß verlauten. Dem Staatssekretär warf sie „Ahnungslosigkeit“ vor, da doch in Wien die perfekte Vorbereitung auf den Schuleintritt „längst Realität“ sei. (4)

Hat die Frau amtsführende Präsidentin bei ihren Ausflügen aus dem elfenbeinernen Turm ihres feinen Innenstadtbüros noch nie die Realität an Wiener Schulen ungeschönt kennengelernt? Was dort von höchst engagierten LehrerInnen täglich geleistet wird, verdient Respekt, Bewunderung, aber insbesondere endlich integrationspolitische Maßnahmen, wie sie in anderen Einwanderungsländern seit Jahrzehnten selbstverständlich sind. Abgehobene Parolen sind fehl am Platz, sind unerträglich. Es ist nicht „alles bestens“, ganz im Gegenteil!

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, weiß auch Österreichs Bevölkerung. Laut einer Umfrage des Österreichischen Integrationsfonds sprechen sich zwei Drittel der ÖsterreicherInnen „für eine Zusammenlegung von schlecht Deutsch sprechenden Schülern in speziellen Klassen aus, in denen intensiv Deutsch geübt wird. Erst wenn ausreichend Sprachkenntnisse vorhanden sind, sollten diese in den Regelunterricht aufgenommen werden.“ (5)

Es ist hoch an der Zeit, die Vogel-Strauß-Politik zu beenden. Vielleicht kann ein Parteigenosse Brandsteidl und Schmied zum Nach- und Umdenken bewegen: „Wir können nicht zuschauen, wie sich mitten in unserer Gesellschaft eine immer größere Gruppe von MitbürgerInnen bildet, die uns nicht wirklich versteht.“ (6)

Bleibt zu hoffen, dass diese Botschaft auch bei ideologisch verblendeten PolitikerInnen in ihren Prunkbüros ankommt, die man manchmal Lichtjahre von Klassenzimmern entfernt wähnen könnte.

(1) Dr. Martina Salomon, Schulproblem anpacken statt schönreden. In: Kurier Online vom 17. September 2012.

(2) Julia Neuhauser, Kurz: Deutsch vor Schuleintritt lernen. In: Presse Online vom 17. September 2012.

(3) a.a.O.

(4) Brandsteidl: VP-Kurz-Forderung hinkt der Wiener Realität hinterher. OTS-Aussendung vom 17. September 2012.

(5) Schule: Zwei Drittel für eigene Deutsch-Förderklassen. In: Presse Online vom 18. September 2012.

(6) Dr. Heinz Schaden (SPÖ), Bürgermeister von Salzburg, zit. n. Johannes Greifeneder, Pilotprojekte der Stadt Salzburg für Sprach- und Leseförderung, 13. September 2012.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gerhard Rieglers Wochenkommentar

Ferien, Fortbildung, Nachhilfe

Auch für Journalisten (1) ist Urlaubszeit. Man merkt es an den Themen: Die Neiddebatte über die Ferienzeit und die Forderung nach verpflichtender institutioneller Fortbildung in derselben sind Fixpunkte im Jahreskreis. Mich beschleicht oft das Gefühl, es erscheinen jedes Jahr dieselben Artikel in leicht modifizierter Form.

So durfte ich gestern in der „Presse“ folgende Wortspende der Salzburger Landeshauptfrau lesen: „Weiterbildung in den Ferien macht immer noch eine Minderheit der Lehrer. Das kann’s auch nicht sein. Neun Wochen unterrichtsfrei, und dann die Weiterbildung während der Schulzeit, das ist sofort abzuschaffen.“ (2) Und die „Tiroler Tageszeitung“ berichtet über die Wiener Stadtschulratspräsidentin, sie wolle „die Lehrer zu einer Woche Fortbildung in der Ferienzeit verpflichten“. (3) Allerdings ist es, geht es nach den beiden Damen, ohnehin bald Schluss mit Ferien für Lehrer. Diese sollen in Zukunft „Urlaub“ haben. Uneinig scheinen sie sich nur über die Dauer zu sein: Brandsteidl fordert sechs Wochen (4), Burgstaller fünf (5). Von der Arbeitszeitstudie „LehrerIn 2000“ haben die beiden offenbar noch nie etwas gehört. (6) Aber das ist ein anderes Thema.

Es gibt rund 115.000 Lehrer in Österreich. Berücksichtigt man die unterschiedliche Lage der Sommerferien in Ost- und Westösterreich stehen zehn Ferienwochen zur Verfügung. Nimmt man weiters an, dass pro Fortbildungsveranstaltung, die ja bei einer Woche Dauer wohl in Seminarform abgehalten wird, durchschnittlich 20 Personen teilnehmen können, müssen 5.750 Seminare angeboten werden – 575 pro Ferienwoche. Für die Teilnehmer benötigt man selbstverständlich die notwendige Seminarinfrastruktur wie Seminarräume, Übernachtungsmöglichkeiten etc. Wenn wir nur fünf Übernachtungen pro Teilnehmer rechnen (Manche Teilnehmer werden kein Quartier benötigen, manche Seminare werden vielleicht nicht sieben, sondern nur fünf oder sechs Tage dauern.), fallen 575.000 Nächtigungen an – und das in der Hochsaison.

Ich – und mit mir wohl die Pädagogischen Hochschulen – wäre hoch zufrieden, stünde nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel für Fortbildung zur Verfügung, die die eben beschriebene und von Burgstaller und Brandsteidl geforderte Maßnahme kosten würde.

Abschließend erkläre ich meine Bereitschaft, den beiden Damen in der Ferienzeit kostenlos Nachhilfe zu erteilen, um damit einer anderen immer wiederkehrenden Forderung von Politikern zu entsprechen. Die Aussagen der beiden Damen können ja nur auf einer massiven Teilleistungsschwäche in Mathematik beruhen. Blanken Populismus würde ich ihnen selbstverständlich niemals unterstellen.

(1) Personenbezogene Bezeichnungen umfassen gleichermaßen Personen männlichen und weiblichen Geschlechts.

(2) Zit. n. Burgstaller: „Brauchen wieder mehr Moral in der Politik“. In: Presse Online vom 5. August 2012.

(3) Lehrer-Fortbildung – Brandsteidl: Eine Woche verpflichtend in Ferien. In: Tiroler Tageszeitung Online vom 5. August 2012.

(4) a.a.O.

(5) Siehe den Blog-Eintrag von Helmut Jantschitsch „Danke, Genossin Burgstaller!“.

(6) Mit der Durchführung der Studie wurde Wentner / Havranek beauftragt, ein Unternehmensberatungsinstitut, das mittlerweile in Deloitte aufgegangen und von BM Schmied damit beauftragt worden ist, sie um läppische 300.000 Euro für die Verhandlungen zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht fit zu machen. (Siehe dazu z. B. meinen Blog-Eintrag „300 Millionen für externe Berater?“) Kurz gesagt: Wentner / Havranek ist alles andere als ein Gewerkschaftsableger. Die Ergebnisse der Studie hat für den AHS-Bereich kurz nach ihrem Erscheinen Gerhard Riegler zusammengefasst.

Bild lizensiert von BIGSTOCKPHOTO.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Klartext

Die Wiener Gratis- und U-Bahnzeitung „Heute“ konnte in der Printausgabe vom 3. April 2012 stolz vermelden, dass bereits ein Bundesland, nämlich Salzburg, für einen Unterrichtsbeginn ab 9 Uhr eintritt. (1)

Diese Nachricht erfüllte mich zunächst mit einigem Staunen und einem gewissen Maß an Bewunderung für den Eifer des Salzburger Landtags. Offenbar trat dieser in der Karwoche zu einer Sitzung zusammen und beschloss – nach hoffentlich intensiver Debatte – ein „Langschläfer-Entlastungsgesetz“, das hinkünftig allen Salzburger SchülerInnen einen gemächlichen Start in den Schultag ermöglicht.

Bei näherer Lektüre stellte sich allerdings heraus, dass der amtsführende Präsident des Landesschulrats Mag. Herbert Gimpl (SPÖ) laut „Heute“ „Klartext“ gesprochen hatte. Ich zitiere wörtlich: „Wir wissen, dass der Unterrichtsbeginn um 8 Uhr oder noch früher für viele Schüler nicht effektiv ist.

Da ich dem amtsführenden Präsidenten nicht den Gebrauch des Pluralis Maiestatis unterstellen möchte, hat er sich wohl vorher mit Landeshauptfrau Mag. Burgstaller, der Präsidentin des Landesschulrats, beraten und in beider Namen gesprochen.

Die „Heute“-Redaktion zeigte sich ob Gimpls Erklärung auch tief beeindruckt: „So eindeutig hat das noch kein Schul-Chef der Länder bisher ausgedrückt.“ Und die Edelfedern des Boulevards legen noch ein Schäufelchen nach: „Viele anerkannte Experten drängen […] auf Veränderung.

Es reicht also heute nicht mehr, „Experte“ zu sein, „anerkannt“ muss man auch noch sein, um Gnade vor dem gestrengen Auge der „Heute“-Redaktion zu finden.

Die Unterrichtsministerin, die sich ja gerade von ihrem „Mr. Zentralmatura“ (2) getrennt hat (3), sprach am Ende einen „Klartext“, den ihr wohl nur wenige zugetraut hätten. Über einen Sprecher ließ sie ausrichten: „Für eine solche Veränderung braucht es breiten Konsens. Und der ist einfach noch nicht vorhanden.

Wenn sich BM Schmied aufraffen könnte, dieselbe vernünftige Einstellung auch hinsichtlich der Zentralmatura zu zeigen, wäre viel gewonnen. Denn letztere ist im Gegensatz zur 9 Uhr-Debatte tatsächlich kein „Bobo-Thema“ (© Dr. Susanne Brandsteidl, amtsführende Präsidentin des SSR für Wien). (4)

(1) Erstes Bundesland für Unterricht ab 9 Uhr. In: Heute Online vom 2. April 2012.

(2) Jasmin Bürger, Krisenstimmung nach Schmieds Rauswurf von „Mr. Zentralmatura“. In: OÖ Nachrichten Online vom 31. März 2012.

(3) BIFIE: Mag. Josef Lucyshyn als Direktor abberufen. OTS-Aussendung des BMUKK vom 29. März 2012.

(4) Brandsteidl sieht in Debatte „Bobo-Thema“. In: Standard Online vom 29. März 2012.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare

Journologen braucht das Land!

Hut ab vor BM Schmied und SSR-Präsidentin Brandsteidl. Endlich sagen sie, was die Linke in diesem Land möchte. „Die Einführung einer gemeinsamen Schule der 6- bis 15-jährigen“ etwa fordert Brandsteidl in einer Presseaussendung vom 19. Februar. Die Gesamtschule also auch in der Sekundarstufe II! Am selben Tag sagt BM Schmied in einem Standard-Interview, sie verstehe nicht, „warum man den Zugang zu Universitäten beschränken will.“ Es müsse „endlich Schluss sein mit dem Numerus-Clausus-Denken, im Alter von neuneinhalb Jahren am Ende der Volksschule und mit 19, 20 Jahren beim Universitätseinstieg“.

Na endlich getraut sich das jemand zu sagen! Gesamtschule bis 19 und dann Gesamtuniversität! Weg mit dieser faschistoiden Apartheid-Politik! Wo kommen wir denn da hin, wenn Atomphysiker und Theaterwissenschaftler, Informatiker und Juristen, Betriebswirte und Philosophen, Dolmetscher und Bildhauer, Journalisten und Urologen eine unterschiedliche Ausbildung erhalten und dann vielleicht unterschiedlich bezahlt werden! Schmied und Brandsteidl haben mich überzeugt: Theaterphysiker, Juromatiker, Philowirte, Dolhauer und Journologen braucht das Land!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Quins Kommentare