Hausgemachte Probleme

Betreuungsprobleme an den AHS“, titelten die Salzburger Nachrichten. (1)

Manchmal hasse ich es, recht zu haben. Seit 2013 habe nicht nur ich den Dienstgeber immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Probleme als Folge des „neuen“ Lehrerdienstrechts, das ohne sozialpartnerschaftliche Einigung und gegen den Widerstand der Gewerkschaft eingeführt worden ist, auftreten werden.

In der gesetzlich normierten Form der Nachmittagsbetreuung wird zwischen gegenstandsbezogener Lernzeit, die „normalem“ Unterricht gleichzuhalten ist, individueller Lernzeit und Freizeit unterschieden. LehrerInnen im „neuen“ Lehrerdienstrecht dürfen in der individuellen Lernzeit und der Freizeit nicht eingesetzt werden, selbst wenn sie das wollten. Diese Form der Nachmittagsbetreuung gibt es aber nur an wenigen Schulen.

Die meisten Schulen bedienen sich des seit über zehn Jahren existierenden Modells der „schulischen Tagesbetreuung“ oder „Tagesbetreuung Neu“, die aus Lernzeit, dem musisch/kreativen, bewegungsorientierten oder naturwissenschaftlichen/Informatik-Bereich und Freizeit besteht. In den beiden erstgenannten Bereichen dürften LehrerInnen im „neuen“ Lehrerdienstrecht – auch gegen ihren Willen – eingesetzt werden, weil die dort gehaltenen Stunden unterrichtswertig abgegolten werden. Das Unterrichtsministerium verbietet den Einsatz dieser LehrerInnen genau deshalb, denn das wäre nach Ansicht des Dienstgebers zu teuer. Rechtlicher Handlungsbedarf bestünde allenfalls hinsichtlich der Freizeitbetreuung. Den Rest könnte das BMBWF durch die Zurücknahme seiner Weisung lösen.

Das Unterrichtsressort möchte jedoch einen anderen Weg beschreiten und zukünftig LehrerInnen ein zweites Dienstverhältnis als FreizeitpädagogInnen anbieten – mit einem Stundenlohn von 11 Euro brutto. (2)

Mir stellen sich da einige Fragen: Welche Qualität kann man sich von pädagogischer Arbeit erwarten, für die 11 Euro brutto pro Stunde gezahlt wird? Wenn die Qualität passt, ist es nicht ausbeuterisch, pädagogisch qualifiziertes Personal um 11 Euro brutto pro Stunde arbeiten zu lassen?

Ich wage zu prophezeien, dass sich mit dieser Maßnahme „Betreuungsprobleme an den AHS“ nicht lösen lassen werden, und hoffe, diesmal nicht wieder recht zu haben.

(1) Betreuungsprobleme an den AHS. In: Salzburger Nachrichten online vom 4. Mai 2022.

(2) Siehe https://www.bildung-wien.gv.at/unterricht/Bewerbungen/AHS.htmlfindet.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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