Anerkennung

Ein schon lange im Ruhestand befindlicher hochrangiger Beamter sagte mir vor vielen Jahren, wenigen etwas zu geben erzeuge mehr Unmut als allen etwas wegzunehmen. Als junger Standesvertreter war ich über diese Aussage sehr verwundert. Heute nach vielen Jahren, ja Jahrzehnten als Gewerkschafter und Personalvertreter auf allen möglichen Ebenen weiß ich, dass er recht hat.

Die 500 Euro Belohnung für DirektorInnen und AdministratorInnen, die BM Polaschek am 5. April angekündigt hat, beweisen die Richtigkeit obiger Aussage. Im Schulbereich empfinden viele – LehrerInnen ebenso wie das Verwaltungspersonal – den Nicht-Erhalt einer Belohnung als implizite Feststellung des Ministers, dass ihre zusätzliche pandemiebedingte Arbeit nichts wert ist. Selbstverständlich erheben die zuständigen GewerkschafterInnen auch weiterhin die Forderung, dass alle Beschäftigten eine – auch pekuniäre – Anerkennung ihrer enormen Leistungen in den letzten zwei Jahren erhalten. Kein Verständnis habe ich jedoch für Personen, die die Berechtigung der nun angekündigten Belohnung in Frage stellen. DirektorInnen und AdministratorInnen haben sie zweifellos verdient.

Wie diese Aktion außerhalb des Schulbereichs ankommt, kann man manchen Kommentaren zu den diesbezüglichen Online-Artikeln entnehmen. Neid ist dabei noch eine der positivsten Emotionen. Aber Wilhelm Busch wusste bereits: „Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.

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2 Gedanken zu “Anerkennung

  1. Grob gerechnet, hat die Pandemie bisher etwa 500 Arbeitstage (eher noch mehr) eines Direktors betroffen.
    Die 500 Euro Belohnung bedeuten also einen Euro pro Arbeitstag. Ein Euro – das gebe ich im Kaffeehaus als Trinkgeld für einen Kaffee + Torte. Zeitaufwand der Servierkraft dafür: 1-2 Minuten.

    Ist dem Kollegen Quin nicht der Gedanke gekommen, dass man die 500 Euro für 2+ Jahre beispiellosen Mehraufwandes nicht nur unter dem Aspekt des Neides, sondern auch als glatte Verhöhnung betrachten kann? Dass es vielleicht besser gewesen wäre, gar kein Geld in die Hand zu nehmen?
    Zum Vergleich: Ein Blumenstrauß für die Frau Klassenvorstand am Ende des Schuljahres ist o.k. – aber die 50 Euro in bar, die der Strauß gekostet hat – das geht gar nicht.

    Erst vor wenigen Tagen ging die Meldung durch die Medien, dass heutzutage fast niemand mehr Direktor werden will – wegen der ausufernden Bürokratie (auch im Zusammenhang mit Covid). Auf dieser Baustelle hätte man den Direktoren und Administratoren mehr Freude machen können als mit € 500.-

  2. Geschätzter Eckehard!
    Minister Polaschek fehlt der politische Instinkt. Er hat ohnehin durch fragwürdige Entscheidungen und wenig gelungene mediale Auftritte kaum Kredit bei Lehrer_innen. Diese Aktion mag ja seine Berechtigung haben, aber sie schadet (vor allem ihm) mehr als sie hilft. Die Erklärung ist einfach: Direktor_innen hatten extrem herausfordernde Aufgaben während der Pandemie, aber vom alltäglichen Wahnsinns des Unterrichtens in den verschiedenen Formen des Präsenz- oder Onlineunterrichts wurden sie doch weitgehend ausgespart. Zudem waren Lehrer_innen auch viel mehr der Ansteckung ausgesetzt. Die glatte Lüge von „Die Schulen sind sicher“ im Frühherbst 2020 mussten natürlich in erster Linie die Leute an der „Front“ ausbaden. Lehrer_innen wünschen sich
    mehr WERTSCHÄTZUNG von den obersten politischen Vertreter_innen (BK, Bildungsminister,…). Der portugiesische Premier Costa hat sich minutenlang in einer Rede bei den Pädagoginnen des Landes für deren Einsatz in der Pandemie bedankt. Dies sei allen Nehammers und Polascheks dieser Welt ins Stammbuch geschrieben.
    Beste Grüße Leo

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