Herbert Weiß: Ungleichgewicht

Der internationale Frauentag ist doch schon einige Tage vorbei. Warum beschäftige ich mich dann noch damit? Klingt es vermessen, wenn ein Mann sagt, dass er einen solchen Tag für falsch hält, weil eigentlich jeder Tag ein Frauentag sein sollte? Klingt es vermessen, wenn ich behaupte, dass im 21. Jahrhundert ein Frauentag obsolet sein müsste, da wir endlich alle längst überholten Rollenbilder überwunden haben sollten? Steht es einem Mann zu, sich dazu überhaupt zu äußern? Wird er mit derartigen Aussagen überhaupt ernst genommen? Biedert er sich damit nicht nur den Frauen an, erst recht, wenn er als Gewerkschafter eine Berufsgruppe vertritt, der mehrheitlich Frauen angehören?

Ute Liepold hat dazu einen höchst lesenswerten Kommentar verfasst, der uns alle, aber ganz besonders uns Männer, zum Nachdenken anregen sollte. Wie stark das Ungleichgewicht ist, macht folgendes Zitat aus diesem Artikel in der „Kleinen Zeitung“ deutlich: „Frauen machen die Hälfte der Menschheit aus. Frauen leisten zwei Drittel der Weltarbeit. Frauen verdienen ein Zehntel des Weltlohns. Frauen besitzen ein Hundertstel des Weltvermögens.“ (1)

Gerade uns GewerkschafterInnen ist bewusst, wie lange die Beseitigung auch offensichtlicher Ungerechtigkeiten dauern kann. Daher müssen wir das erkannte Problem anpacken und zumindest schrittweise lösen. Dass die Schritte möglichst groß sein sollten, versteht sich von selbst.

Das Resümee, warum sich dieser Kampf lohnt, überlasse ich Ute Liepold. „Die besten Wirtschaftsergebnisse lassen sich erzielen, wenn Männer und Frauen gleichberechtigt zusammenarbeiten. Paare, die sich Hausarbeit und Beruf teilen, haben eine engere Bindung zu ihren Kindern und erleben höhere Produktivität.“ (2)

Ich erlaube mir eine Ergänzung aus der Sicht eines Mannes. Vielleicht sollten wir erkennen, dass Frauen und Männer auch verschiedene Stärken haben, die für bestimmte Berufe besonders qualifizieren. Geschlechterrollen sind zu akzeptieren, wo sie biologisch begründet sind. Geschlechterrollen, die dieser Anforderung nicht genügen, müssen über Bord geworfen werden.

(1) Ute Liepold, Frauen schaffen Wohlstand, aber er gehört ihnen nicht. In: Kleine Zeitung online vom 8. März 2022.

(2) Ebenda.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Herbert Weiß: Ungleichgewicht

  1. @: „Geschlechterrollen sind zu akzeptieren, wo sie biologisch begründet sind. Geschlechterrollen, die dieser Anforderung nicht genügen, müssen über Bord geworfen werden.“

    Aus der Ukraine flüchten gegenwärtig hunderttausende Frauen mit Kindern.
    Was ist dort die Geschlechterrolle von kinderlosen Frauen?

    Väter von drei Kindern oder mehr dürfen auch ausreisen. Die anderen müssen dableiben und kämpfen. Hängt die männliche Geschlechterrolle also von der Anzahl der Kinder ab?

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