Gudrun Pennitz: Den Blick nach vorne richten

Die Zeit ist reif, um Zukunftsperspektiven für das österreichische Schulwesen jenseits von COVID-19 ins Auge zu fassen. Und dieser Blick in die Zukunft darf nicht im Nebel der seit Jahrzehnten chronischen Unterfinanzierung unseres Schulwesens enden. Denn nachhaltige Bildungsinvestitionen sind für die Zukunft unseres Landes entscheidend und kosten Geld – allerdings weit weniger als die zig Milliarden an Corona-Maßnahmen, die ohne Zweifel unumgänglich waren.

Die aktuelle Ausgabe der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2021“ führt mit bestechender Deutlichkeit vor Augen, wie gravierend die Unterfinanzierung unseres Schulwesens inzwischen ist und wie bedeutsam ausreichende Finanzmittel für ein Schulwesen wären.

Anhand der Ausgaben, die mit Mitteln aus öffentlichen Quellen getätigt werden, kann man relativ gut erkennen, welchen Wert Regierungen der Bildung beimessen.“ (1) Nur mehr 6,0 Prozent aller öffentlichen Ausgaben ist Österreichs Politik die Schule wert. Im OECD-Durchschnitt sind es um satte 30 Prozent mehr! (2)

In der OECD hat die Bildung und ihre ausreichende Finanzierung eine gewichtige Fürsprecherin gefunden:

Eine Schlüsselentscheidung auf nationaler Ebene betrifft den Anteil der Finanzmittel für Bildung, da dieser sich auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung auswirkt. Laut Wirtschaftstheorie führen höhere öffentliche Ausgaben für Bildung dank erhöhten Bildungsangebots und somit einer besser ausgebildeten Erwerbsbevölkerung zu einem stärkeren Wirtschaftswachstum.“ (3)

Nach der Pandemie heißt es, den Blick nach vorne zu richten und entschlossen durchzustarten. Hoffentlich erinnert sich Österreichs Politik daran, dass wir über unser leistungsstarkes und bis zur Jahrtausendwende großzügig finanziertes Bildungswesen ins Spitzenfeld der wohlhabendsten Staaten dieser Welt vorgestoßen sind!

(1) OECD (Hrsg.), Bildung auf einen Blick 2020 (2020), S. 347.

(2) Siehe OECD (Hrsg.), Bildung auf einen Blick 2021 (2021), Tab. C4.1.

(3) a.a.O., S. 322.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


6 Gedanken zu “Gudrun Pennitz: Den Blick nach vorne richten

  1. @: „Anhand der Ausgaben, die mit Mitteln aus öffentlichen Quellen getätigt werden, kann man relativ gut erkennen, welchen Wert Regierungen der Bildung beimessen.“ (1) Nur mehr 6,0 Prozent aller öffentlichen Ausgaben ist Österreichs Politik die Schule wert. Im OECD-Durchschnitt sind es um satte 30 Prozent mehr! (2)

    Die angeführte Quelle ist diese:
    https://read.oecd-ilibrary.org/education/bildung-auf-einen-blick-2020-oecd-indikatoren_6001821nw#page395

    Wenn man sich das genauer anschaut, dann merkt man zuerst einmal, dass die Zahl von 6,0 Prozent für Österreich dort nirgends vorkommt. Gemeint waren vermutlich die 6,2 Prozent in der Spalte „Primär-, Sekundär- und postsekundärer, nicht tertiärer Bereich“.

    Weiters erkennt man, dass der Rückstand auf den OECD-Durchschnitt von 7,9 Prozent in erster Linie auf den Teilbereich „Primärbereich“ zurückzuführen ist. Dort erzielt Österreich nur 1,8%, die OECD dagegen 3,4 Prozent. Ebendort kommt aber z.B. Deutschland auf noch weniger, nämlich 1,4%, dagegen z.B. Costa Rica auf 4,7 Prozent. (Insgesamt kommt Deutschland auch nur auf 6,3%, also nur unwesentlich mehr als Österreichs 6,2%).

    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da Äpfel mit Birnen verglichen werden; vermutlich wird der Begriff „Primärbereich“ unterschiedlich definiert. Es ist jedenfalls nicht plausibel, dass Israel (mit 6%) für den Primärbereich mehr als viermal so viel ausgibt wie Deutschland.

  2. Erich Wallner, Sie haben die falsche Publikation aufgeschlagen, nämlich die des vorigen Jahres, nicht die aktuelle.
    Was die unterschiedliche Verteilung der Ressourcen innerhalb des Schulwesens betrifft, haben Sie in Ihren Ausführungen ausgeblendet, dass die Dauer von Primar- und Sekundarstufe nicht international genormt ist. Das quantitative Verhältnis dieser beiden Bereiche ist höchst unterschiedlich. Abschließend scheinen Sie dies ohnehin vermutet zu haben.

    1. Stimmt – ich habe 2020 und nicht 2021 aufgeschlagen gehabt.

      In der Sache ist das aber egal, weil sich von einem Jahr aufs andere eh nichts Relevantes ändern kann – und wenn ja, dann wäre das erst recht ein Grund für Zweifel an der Statistik.

      Kollegin Pennitz hat die Spalte 8 als Vergleichsbasis herangezogen: „Primär-, Sekundär- und postsekundärer, nicht tertiärer Bereich“. Dort liegt der OECD-Durchschnitt bei 7,8, Österreich nur bei 6.
      Egal, wie lange die Primärstufe in einzelnen Ländern nun ist, es müssten sich jedenfalls Primär + Sekundär gemeinsam sinnvoll vergleichen lassen.

      Tun sie aber nicht:
      In der Spalte 8 gibt es sechs Spitzenreiter mit über 10%: Bei Island (10,1), Israel (10,8) und Südkorea (10,3) wundert das nicht, aber: Chile (12,0), Costa Rica (10,9) und Mexiko (10,1) ???
      Gibt es jemanden, dem das plausibel vorkommt? (Mich wundert vor allem Mexiko.)

      1. Es erscheint mir sehr plausibel, weil es der Anteil an den gesamten öffentlichen Ausgaben ist. Wenn ich vergleichsweise wenige öffentliche Ausgaben insgesamt habe (z.B. geringe Zahlungen für das Pensionssystem) ist es leichter einen höheren prozentuellen Anteil für Bildung zu haben. Mexiko ist ja weltweit „berühmt“ für sehr geringe Ausgaben im Sozialsystem (Ersatzrate der Pension um die 30%, das kann sich ein gelernter Österreicher ja kaum vorstellen)

      2. Ihr Szenario, Kollege Kaplan, ist zwar mathematisch vorstellbar, nicht aber politisch:
        Es setzt nämlich voraus, dass Mexiko (+ Chile, + Costa Rica + …) besonders „bildungshungrige“ Staaten wären. Da das Fressen aber vor der Moral kommt (B. Brecht), ist es politisch unplausibel, dass sich bei der Verteilung eines eh schon kleinen Kuchens ausgerechnet die Schulen das größte Stück schnappen.
        Vorrang der Bildung – das kann ich mir noch dort vorstellen, wo es politisch opportun ist, z.B. Kuba (oder in gewissem Rahmen auch seinerzeit die UdSSR) – aber ob sich das normale Drittwelt-Länder „leisten“ können – im wörtlichen Sinn -, das bezweifle ich.

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