Herbert Weiß: Der konstruktive Weg

Die Aufregungen rund um die Zentralmatura 2021 haben sich inzwischen gelegt. Die Klassifizierung unserer Kinder und Jugendlichen als „verlorene Generation“ oder des Schuljahres 2020/21 als „verlorenes Jahr“ ist wieder aus den Medien verschwunden. Es ist natürlich noch zu früh, sich gar über den Sieg über COVID-19 zu freuen. Eine Zeit, in der Restriktionen immer weiter zurückgefahren werden und sich alle auf einen einigermaßen „normalen Sommer“ freuen, ist aber sicher die richtige, um Rückschau zu halten.

Die vergangenen 16 Monate haben uns allen viel abverlangt. Bei manchen hat das dazu geführt, dass ihre Nerven offenbar blank lagen und sie aus mancher Mücke einen Elefanten machten. Mit den Folgen waren auch wir GewerkschafterInnen immer wieder konfrontiert. Auf der einen Seite warf man uns vor, die immense Arbeit, die im Bildungsministerium zum Wohl der SchülerInnen geleistet wurde, nicht wertzuschätzen. Auf der anderen Seite warfen uns manche KollegInnen Untätigkeit oder einen „Kuschelkurs“ gegenüber dem Bildungsminister vor. Die Forderungen nach Streiks aufgrund der Vorwürfe, das Ministerium würde die Gesundheit von uns LehrerInnen aufs Spiel setzen oder uns ständig überfordern und damit ins Burnout treiben, sind für mich jedenfalls nicht nachvollziehbar. Einerseits würden wir mit derartigen Reaktionen massiv dem Image der Lehrerschaft schaden, und andererseits ist für mich die Zeit einer Pandemie keine, in der man versuchen sollte, politisches Kleingeld zu machen.

Ob die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie allgemein bzw. für den Schulbereich angemessen waren, werden wir wohl erst in einigen Monaten oder Jahren beurteilen können. Dasselbe gilt für den Umgang der LehrerInnengewerkschaften mit den Regelungen für die Schule. Ich persönlich bin froh, dass wir den konstruktiven Weg nicht verlassen haben. Ich bin froh, dass wir gemeinsam mit allen KollegInnen viel zum Funktionieren des Schulbetriebs in der Pandemiezeit beitragen konnten, auch wenn das nicht für jede und jeden sichtbar wurde. Mehr Aufsehen hätten wir natürlich mit Kampfmaßnahmen erzielt. Unser vorrangiges Ziel sollte es aber nicht sein, maximales Medienecho zu erreichen oder es HardlinerInnen recht zu machen. Unser gemeinsames Ziel sollte, ja muss das Wohl der Kinder und Jugendlichen unseres Landes sein. Dass wir uns davon nicht ablenken ließen, darauf bin ich als Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft stolz.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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