Herbert Weiß: Druck der Medien

In den letzten Tagen galt das Interesse der Medien im Zusammenhang mit den Schulen tatsächlich einmal nicht hauptsächlich COVID-19. Das könnte als positives Zeichen gedeutet werden, das unsere Hoffnung auf die Bewältigung der Pandemie bestärkt.

In Wahrheit lauern die Medien nun auf die Zentralmatura. Wie jedes Jahr liegt der Fokus hauptsächlich auf Mathematik. SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen, StandesvertreterInnen und natürlich auch das Bildungsministerium werden mit Fragen zum Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellungen und zum erwarteten Ausgang gelöchert.

Auf den Ausgang der heurigen Mathematik-Matura möchte ich hier gar nicht eingehen. Einerseits ist es aus meiner Sicht unseriös, wenige Tage nach der Prüfung Ergebnisse zu veröffentlichen, die sich naturgemäß durch die Kompensationsprüfungen noch verändern werden. Andererseits ist es völlig verfrüht und widersinnig, aus den Ergebnissen Rückschlüsse auf die Aufgabenstellung oder gar auf das Funktionieren des Unterrichts in der Pandemiezeit zu ziehen. Schlechte Ergebnisse würden schnell so interpretiert, dass auch die jüngste Reform misslungen sei oder dass die LehrerInnen und SchülerInnen in der Zeit des Distance Learnings nicht ordentlich gearbeitet hätten. Gute Ergebnisse würden höchstwahrscheinlich nicht bewirken, dass man sich über das Gelingen der Reform bzw. des Unterrichts freuen würde. Vielmehr würde man zu einfache Beispiele und einen Schritt zur Entwertung der Matura konstatieren.

Die Vorgaben des Bildungsministeriums für die Korrektur der Mathematik-Zentralmatura haben verständlicherweise zu viel Aufregung geführt. Mit diesen hat das Bildungsministerium einen befremdlichen Beleg dafür geliefert, wem welche Wertigkeit in Österreichs Schulwesen zukommt. Statt den LehrerInnen die für eine ordentliche Korrektur nötige Zeit zu geben und die Medien darauf hinzuweisen, wie viel Arbeit mit der Korrektur der Reifeprüfung verbunden ist, geht man vor dem Boulevard in die Knie und macht den LehrerInnen Zeitvorgaben, die eine seriöse Beurteilung deutlich erschweren.

Dass die Mathematik-Zentralmatura trotzdem seriös korrigiert wurde, ist dem großen Einsatz der KollegInnen zu verdanken. Statt sich etwas Ruhe zu gönnen, haben sie das gesamte Pfingstwochenende mit Korrekturen und Noteneingaben verbracht. Dafür gebührt ihnen besonderer Dank.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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