Gudrun Pennitz: Vom Ich zum Wir – eine Chance

Junge leiden wie sonst kaum jemand in der Krise“, las ich vergangenes Wochenende in einer Tageszeitung (1), die diesem Thema einen Großteil der Ausgabe widmete. Die Jungen seien vergessen worden, das „Bashing“ müsse aufhören, denn die Krise treffe sie mit voller Wucht und stärker als viele andere. „#jetztwir“ als Motto, mehr hat es nicht gebraucht. Leserbriefe hielten das „stille Leiden der alten, kranken und dementen Menschen“ dagegen, bedauerten die Arbeitslosen, die weit mehr zu erdulden hätten, und natürlich fehlten auch nicht die Hinweise auf die Kriegsgeneration, die, ohne ständig zu jammern, unser Land wieder aufgebaut habe. (2)

Verwerfungen, ausgelöst durch die Pandemie, die unsere Gesellschaft brüchig werden lassen, zeichnen sich ab, teilweise von Medien herbeigeschrieben, teilweise unübersehbar: Impfwillige stehen ImpfgegnerInnen gegenüber, ein neues (Un)wort ist entstanden: „Impfneid“. MaßnahmenbefürworterInnen ärgern sich über „Covidioten“, „CoronaspaziergängerInnen“ wettern gegen die Regierung, VerschwörungstheoretikerInnen treten in den Sozialen Medien gegen WissenschafterInnen an. Landeshauptleute werfen sich gegen „den Bund“ in Positur. Und nun schreibt eine Zeitung auch noch einen Konflikt Alt gegen Jung herbei.

Nichts spiegelt das Bild einer Gesellschaft besser wider als die Schule. Nirgendwo sonst prallen unterschiedliche Interessen so unmittelbar aufeinander. Vorfreude auf die gute alte „Normalität“ mischt sich nun mit der Sorge, ob die Rückkehr in den Vollbetrieb in Anbetracht der gerade unter Jugendlichen besonders hohen Inzidenzzahlen gut gehen kann, auch wenn die Erstimpfung der Lehrkräfte nun endlich Fahrt aufgenommen hat. Das von einer Minderheit heraufbeschworene Szenario einer geplanten Durchseuchung der SchülerInnen ist dem Populismus geschuldet. Dennoch ist äußerste Wachsamkeit das Gebot der Stunde.

In einer echten Gemeinschaft wird aus vielen Ich ein Wir“, meinte einst der „Analytiker der österreichischen Seele“ Univ.-Prof. Dr. Erwin Ringel. Die Corona-Krise gibt uns die Chance zu beweisen, dass wir eine echte Gemeinschaft sind oder zu ihr werden wollen. Nützen wir sie doch!

(1) Anna Stockhammer, Warum die „Generation Corona“ keine verlorene, aber eine vergessene Generation ist. In: Kleine Zeitung online vom 24. April 2021.

(2) Siehe Kleine Zeitung vom 27. April 2021.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gudrun Pennitz: Vom Ich zum Wir – eine Chance

  1. @: „MaßnahmenbefürworterInnen ärgern sich über „Covidioten“, „CoronaspaziergängerInnen“ wettern gegen die Regierung, VerschwörungstheoretikerInnen treten in den Sozialen Medien gegen WissenschafterInnen an.“

    Die „MaßnahmenbefürworterInnen“ verstehe ich, ebenso die „CoronaspaziergängerInnen“, die „VerschwörungstheoretikerInnen“ und die „WissenschafterInnen“.

    Wieso aber dann „Covidioten“ und nicht „CovidiotInnen“?
    Ich halte das für einen sexistischen Sprachgebrauch: Kaum wird es richtig schön negativ, verschwinden die Frauen flugs hinter den Vorhang, und alle schauen nur mehr auf die Männer …

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