Und bist du nicht willig …

Seit einer Woche ist ein Schulrechtspaket in Begutachtung, über das im Schulorganisationsgesetz der Kompetenzbegriff definiert werden soll. Kompetenzen wären dann „längerfristig verfügbare kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, die von Schülerinnen und Schülern entwickelt werden und die sie befähigen, Aufgaben in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsbewusst zu lösen und die damit verbundene motivationale und soziale Bereitschaft zu zeigen“. (2) Das entspricht grosso modo der Kompetenzdefinition von Weinert aus dem Jahr 2001, den manche WissenschafterInnen wegen seiner Verengung von Bildung auf die Fähigkeit, Probleme zu lösen, sehr kritisch sehen – aber das ist gar nicht der heikle Punkt.

In den Erläuterungen heißt es dazu: „Kompetenzorientierter Unterricht setzt kompetenzorientierte Lehrpläne voraus, die konkret angeben, an welchen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen im Unterricht zu arbeiten ist. […] Sie ermöglichen dadurch eine transparente und nachvollziehbare Kommunikation zwischen den Beteiligten über den Unterricht, die zu erwerbenden und tatsächlich erworbenen Kompetenzen und erbrachten Leistungen und damit letztlich auch über die Leistungsbeurteilung. […] Im Interesse der Rechtssicherheit wird der Begriff „Kompetenz“ in den Begriffsbestimmungen definiert, um eine eindeutige Festlegung für den Begriffskern, der im Bildungswesen in verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Ausprägungen enthaltenen Kompetenzen festzulegen.“ (meine Hervorhebung)

Durch die ausdrücklich intendierte Verknüpfung dieses Kompetenzbegriffs mit der Leistungsbeurteilung bewirkt das nichts anders als die – dann rechtlich verpflichtend vorgesehene – Einbeziehung von Verantwortungsbewusstsein und sozialer Bereitschaft in die Notengebung. Vorgeschrieben würde damit, was bisher verboten war: die Einbeziehung des Verhaltens in die Beurteilung der erbrachten Leistungen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich intendiert ist, denn es würde Gesinnungsterror Tür und Tor öffnen. Eine Note in einem Unterrichtsgegenstand soll über das Wissen und Können in diesem Unterrichtsgegenstand Auskunft geben – und nicht darüber, ob die Person verantwortungsbewusst handelt oder soziale Bereitschaft zeigt, oder provokanter ausgedrückt, die Weltanschauung der Lehrperson teilt.

(1) § 8 lit. r SchOG des Begutachtungsentwurfs.

Bild: Albert Edward Sterner, Der Erlkönig (ca. 1910), Wikipedia Commons.


3 Gedanken zu “Und bist du nicht willig …

  1. @: Im Interesse der Rechtssicherheit wird der Begriff „Kompetenz“ in den Begriffsbestimmungen definiert, um eine eindeutige Festlegung für den Begriffskern, der im Bildungswesen in verschiedenen Bereichen in unterschiedlichen Ausprägungen enthaltenen Kompetenzen festzulegen.

    Kollege Quin nimmt hier inhaltlichen Anstoß an einem Satz, der ungrammatisch ist. Dafür müsste man aber zuvor wissen, was dieser Satz überhaupt bedeuten soll …

  2. Danke für Ihren Einwurf mit der Feststellung, dass es hier – vielleicht unbemerkt – um „die Einbeziehung des Verhaltens in die Beurteilung der erbrachten Leistungen“ geht. Ich sehe das auch so.

    Diese Problematik spielt z.B. in leicht veränderter Form auch bei der personsbezogenen Beurteilung von Migranten eine Rolle, weil die Miteinbeziehung persönlicher Umstände erstens die Person zum Beurteilungsobjekt macht und, zweitens, die an sich schon schwierige Vergleichbarkeit von Beurteilungen zusätzlich unverlässlicher macht.

    Ich weiß, es handelt sich dabei um ein sehr schwieriges Kapitel.

    Mit freundlichen Grüßen.

  3. Sehr interessant, würde diese Passage ganz anders interpretieren. Ich hätte hier eher eine Fortschreibung der (Mit-)Berücksichtigung von Bemühen und Motivation im Unterricht herausgelesen.

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