Herbert Weiß: So geht das nicht!

Vor einigen Tagen haben Medienberichte unter uns LehrerInnen für viele Reaktionen gesorgt, auch wenn es darin um die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien ging: „Arbeitslast, Disziplinlosigkeit und Corona-Bedingungen seien nicht mehr erträglich: Jeder dritte Lehrer in Großbritannien will in fünf Jahren „definitiv“ nicht mehr diesen Job haben.“ (1)

Zu lesen ist im zitierten Artikel auch, dass sich – einer Studie der National Education Union zufolge – die LehrerInnen in Großbritannien nach einem Jahr Arbeit unter Corona-Bedingungen ausgelaugt fühlen. Neben den Arbeitsbedingungen in Zeiten der Pandemie werden als Gründe dafür der fehlende Respekt, die fehlende Wertschätzung von Seiten der politischen Verantwortlichen und die generell gestiegene Arbeitsbelastung angeführt. 95 Prozent der Befragten fürchten negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Die mangelnde Wertschätzung für uns LehrerInnen zeigt sich in Österreich u. a. im Umgang mit den Impfungen. Zuerst hat man uns eine Priorisierung versprochen. Dann hat man in manchen Bundesländern geplante Impftermine wieder abgesagt, da man den Impfstoff doch für andere Teile der Bevölkerung verwendet hat. Dass man damit vielen LehrerInnen das Gefühl gegeben hat, zweitrangig zu sein, wundert wohl niemanden.

Statt den Schulen endlich mehr Vorlaufzeit für die Umsetzung der ständig wechselnden Vorgaben zu geben, lässt man neuerdings auch im Schulbetrieb „externe Player“ mitentscheiden und kommt, wohl auch deshalb, mit dem Verlautbaren regelmäßig zu spät. Statt den Schulen bzw. den LehrerInnen und DirektorInnen zu vertrauen, glaubt man, manches bis ins Detail vorschreiben zu müssen, und überlässt Entscheidungen nur dann der Autonomie, wenn man sie selbst nicht treffen will oder kann.

Meine Forderungen lauten daher:

  • Trefft endlich klare und für alle nachvollziehbare Entscheidungen, die den ExpertInnen vor Ort jene Freiheiten lassen, die eine sinnvolle Umsetzung ermöglichen!
  • Gebt denen, die die politischen Entscheidungen umsetzen müssen, die notwendigen Informationen direkt und rechtzeitig! Eine Pressekonferenz kann in einem Rechtsstaat nicht Gesetze und Verordnungen ersetzen.

(1) Ein Drittel der britischen Lehrer plant Jobwechsel. In: Die Presse online vom 8. April 2021.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Herbert Weiß: So geht das nicht!

  1. @: „Die mangelnde Wertschätzung für uns LehrerInnen zeigt sich in Österreich u. a. im Umgang mit den Impfungen. Zuerst hat man uns eine Priorisierung versprochen. Dann hat man in manchen Bundesländern geplante Impftermine wieder abgesagt, da man den Impfstoff doch für andere Teile der Bevölkerung verwendet hat. Dass man damit vielen LehrerInnen das Gefühl gegeben hat, zweitrangig zu sein, wundert wohl niemanden.“

    Wer die Priorisierung bei der Impfung unter dem Aspekt der „Wertschätzung“ betrachtet, ist auf dem falschen Dampfer. Wertschätzung ist keine epidemiologische Kategorie – und auch wenn bei der Impforganisation gepfuscht wurde, hat das immer noch nichts mit (mangelnder) Wertschätzung zu tun, sondern mit Unfähigkeit.
    Der obenstehende Artikel fördert nur die in der Bevölkerung sowieso verbreitete Ansicht, dass sich die Lehrer für etwas Besseres halten und keine Kritik (diesfalls: Zurücksetzung) vertragen, wehleidig sind. „Wertschätzung“ und „Gefühl“ sind Argumente ad hominem, „systemrelevant“ wäre ein Argument ad rem.

    Als Positivbeispiel sehe ich den Bundespräsidenten – der hat sich einfach an die Reihenfolge nach dem Alter gehalten. Nach der Logik von H. Weiß würde der Bundespräsident weniger wertgeschätzt als eine 22-jährige Volksschullehrerin, denn die sollte ja prioritär drankommen. Ist das plausibel?

  2. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch eine Kategorie ins Spiel bringen, nämlich die der gesellschaftlichen Verantwortung, die wir als Lehrpersonen haben, die aber ganz besonders die Politiker trifft, wenn es um die Entscheidung über Impfungen geht. In ihren Sonntagsreden sprechen sie immer von der wesentlichen gesellschaftlich-sozialen Bedeutung der Schule bzw. des Offenhaltens von Schulen, gerade in Cornazeiten bringen sie so etwas wie Normalität ins Leben unserer Schülerinnen und Schüler, aber auch ins Leben ihrer Eltern. Es ist umso mehr verwunderlich, wenn man dann dieses Offenhalten gefährdet, indem man die Lehrpersonen eben nicht mehr für die Impfung priorisiert und damit nicht nur sie, die tagtäglich mit vielen Schülern in einem Raum zusammen sind, gefährdet, sondern auch das von der Poltitik so hochgepriesene Anliegen des Offenhaltens von Schulen.

    Noch ein Aspekt, der sehr viel mit Ausgelaugtheit der Lehrpersonen in diesen schweren Corona-Zeiten, aber auch mit Wertschätzung zu tun hat. Gerade in dieser Phase, wo viele Kolleginnen und Kollegen am Limit sind, versucht man im Ministerium noch QMS, das Qualitätsmanagement zu implementieren. Man fragt sich da zurecht: Wo leben denn die, wenn Planungen und Planspiele bzw. Umfragen wichtiger sind als die Tatsache, dass jetzt die Schule sich auf das Bestehen dieser schwierigen Situtaion konzentriert.

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