„Vertrauensfiasko“

Die Impfsache läuft furchtbar schief“, meinte Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier in einem Interview. (1) Das kann man nur unterstreichen.

In Niederösterreich wurden für den 19. und 20. März schriftlich angekündigte Impftermine für PädagogInnen ersatzlos gestrichen, in Tirol die für die Karwoche angekündigten Termine ausgesetzt.

Bei den großen Corona-Demonstrationen in Wien sind bis zu 1.500 PolizistInnen im Einsatz. Auch sie haben noch keine Impfung erhalten. In der Justizanstalt Göllersdorf wurden am vergangenen Montag 140 Insassen geimpft, nicht jedoch die Justizwachebediensteten. (2)

PädagogInnen verbringen täglich viele Stunden mit zig Personen in einem Raum, die in die Gruppen mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz fallen. In der vergangenen Kalenderwoche lag sie bei den 5- bis 14-Jährigen bei 320,8, bei den 15- bis 24-Jährigen bei 338 – und damit rund 2,5x so hoch wie bei den PensionistInnen. Letztere werden derzeit vorrangig geimpft. (3)

Einem erhöhten Infektionsrisiko sind nicht nur die erwähnten PädagogInnen und Exekutivbediensteten ausgesetzt, sondern alle Personen mit beruflichem Kundenkontakt – von der sprichwörtlichen Billa-Kassiererin bis zum Verwaltungsbediensteten in einem Servicecenter. Die Außenkontakte von Häftlingen werden sich hingegen systembedingt in sehr engen Grenzen halten. Sie können in erster Linie von Justizwachebediensteten infiziert werden …

Ich vergönne jedem eine Impfung, aber eine solche Impfstrategie kann man wohl niemandem erklären. Sie führt nicht nur zu einer Vertrauenskrise in die Politik, sondern, wie Peter Filzmaier treffend meinte, zu einem Vertrauensfiasko.

(1) ZiB2 vom 14. März 2021.

(2) Siehe 140 Häftlinge wurden geimpft, Beamte müssen warten. In: Heute online vom 23. März 2021.

(3) Siehe https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/, abgerufen am 25. März 2021.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “„Vertrauensfiasko“

  1. Fiasko – ja, in jeder Hinsicht. Jeder Satz ist zu unterstreichen.
    Vertrauensfiasko? Nein. Es ist nie etwas anderes zu erwarten gewesen.

    Vielleicht ist es ja eine wertvolle Erfahrung, einmal 1% dessen zu erleben, was andere Menschen zu 100% erleben müssen, weil sie nicht zur Klientel dieser Gruppe gehören. So dürfen etwa die von Kündigung betroffenen MAN-Mitarbeiter in Steyr staunend erfahren, dass das Arbeitslosengeld gekürzt werden wird, „damit die Menschen schneller wieder in den Arbeitsmarkt finden“, während man zugleich liest, dass die Firma, obwohl sie nicht unter Corona leidet, viele Staatshilfen bekommen hat, die direkt in die Divendenden der Aktionäre weiterfließen.

    Meines Wissens sind die abgeschobenen Kinder noch nicht in ihre Schule zurückgekehrt, weil wir ja einen so tollen Rechtsstaat haben.
    Meines Wissens hätte man für die Impfungen mehr Geld in die Hand nehmen können als für die Eigenwerbung in Krone & Co.
    Das heißt: Wir haben die falschen Prioritäten.

    Und was Astra Zeneca betrifft: Es handelt sich um ein gemeinnütziges Produkt der Universität Oxford. Wir bezahlen dafür nur Verpackung, Transport und gekühlte Lagerung, Hier sagt man bitte und danke, nicht: Wir Österreicher brauchen das dringender als die Ausländer. Zufällig haben Ausländer das entwickelt und zufällig sitzen dieselben Ausländer am längeren Ast.

    1. @: „während man zugleich liest, dass die Firma, obwohl sie nicht unter Corona leidet, viele Staatshilfen bekommen hat, die direkt in die Dividenden der Aktionäre weiterfließen.“

      Lieber Kollege Max, Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie lesen, z.B.:

      „Der MAN-Konzern will den Standort in Steyr schließen. 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor der Kündigung. Doch der Konzern steht wirtschaftlich gut da und zahlt 2020 hohe Dividenden an Aktionäre aus. Steyr kann gerettet werden, ist sich Markus Vogl, langjähriger Betriebsrat und SPÖ-Abgeordnete, sicher.“

      Fakt ist, dass MAN für 2020 11 Cent Dividende pro Aktie bezahlen wird. Der Aktienkurs liegt bei € 53.
      Sie schreiben von „viele[n] Staatshilfen“, die „direkt in die Dividende weiterfließen“. Der Betriebsrat spricht von „hohen Dividenden“.
      Tatsächlich sind 11 Cent gerade mal ca. läppische 0,20 % Verzinsung.
      So schaut’s wirklich aus.

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