Herbert Weiß: Schnittstelle oder Brücke?

Gerade in einer Zeit, in der Erleichterungen für die heurige Matura von verschiedenen Seiten mit Unterstützung mancher Medien immer vehementer gefordert werden, sollte man nicht den Blick auf das Wesentliche verlieren. Die Matura bildet den Abschluss der Schulkarriere vieler Jugendlicher. Mit ihr wird ihnen auch die Studienberechtigung erteilt.

Trotz (oder wegen?) der Zentralmatura gibt es an Universitäten immer mehr Aufnahmeprüfungen. Diese sind zum Teil dem Kapazitätsmangel geschuldet, der durch zahlreiche StudentInnen aus dem Ausland verschärft wird. Viele Universitäten haben aber einfach Zweifel an den Kenntnissen und Fähigkeiten unserer MaturantInnen und suchen ihr Heil in Aufnahmeverfahren. Dass sich für die Vorbereitung auf sie inzwischen ein Markt etabliert hat, sei hier nur am Rand erwähnt.

Die meines Erachtens bessere Alternative zur zusätzlichen Überprüfung durch die Reifeprüfung ohnehin Überprüfter wäre eine stärkere Kooperation zwischen Schule und Universität.

Ich bin der Meinung, dass Schule und Universität besser miteinander ins Gespräch kommen müssen, um besser zu definieren: Wie kann denn die Schnittstelle aussehen?“ (1)

Die Forderung nach diesem Dialog haben wir GewerkschafterInnen schon aufgestellt, als es vor Jahren u. a. darum ging, für die Zentralmatura in Mathematik jene Kompetenzen zu definieren, die unsere AbsolventInnen mitbringen sollten. Damals aber war man im Bildungsministerium nicht dazu bereit.

Zum Glück hat sich der Zugang mit Bildungsminister Faßmann geändert. Er hat die „Beratungsgruppe Mathematik“ (2) eingerichtet, die weisungsfrei mögliche Maßnahmen für eine Neupositionierung des Mathematikunterrichts in Österreich entwickeln soll. Dabei steht die Weiterentwicklung der Mathematik-Zentralmatura besonders im Fokus. Geleitet wird die Beratungsgruppe von Univ.-Prof. Michael Eichmair, PhD (Universität Wien), der endlich den in Österreich so lange sträflich vernachlässigten Übergang zwischen höheren Schulen und Universitäten thematisiert. Im Rahmen seiner Initiative „Mathematik macht Freu(n)de“ (3) bemüht er sich gemeinsam mit seinen MitarbeiterInnen, SchülerInnen, StudentInnen und Lehrpersonen zu unterstützen. Ein neuer Zugang, der hoffentlich Nachahmung findet. Denn es geht ums Bauen von Brücken, über die junge Menschen erfolgreich in ihre Zukunft gehen.

(1) Dialog als Lösung. Univ.-Prof. Dr. Kristina Reiss im Gespräch mit Jörg Biesler. In: Deutschlandfunk online vom 12. Dezember 2017.

(2) Siehe https://bgm.univie.ac.at/.

(3) Siehe https://mmf.univie.ac.at/.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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