Gudrun Pennitz: Von Schafen und Wölfen

Da am vergangenen Montag der Semesterbeginn samt Nasenbohren und Schichtbetrieb in allen übrigen Bundesländern genauso unaufgeregt und reibungslos über die Bühne ging wie eine Woche davor in Wien und Niederösterreich, läuteten im ORF offenbar die Alarmglocken. Zu vermelden, dass nichts Negatives zu vermelden sei, hat schließlich wenig Sexappeal. Doch woher so schnell eine Negativschlagzeile für die Abend-News herbekommen?

Doch dann die Lösung: „In Wien demonstrierten heute Oberstufenschüler!“ Ein Häuflein „kritischer“ OberstufenschülerInnen und ein paar sie begleitende Junggebliebene standen rote Fahnen und Transparente schwenkend auf dem Ballhausplatz. Da war er, der Aufmacher! In aufgebrachtem Tonfall wurde den eilfertig hingehaltenen ORF-Mikrofonen verkündet, wie sehr das Distance Learning „auf den A…“ gehe und wie unzufrieden man mit Bildungsminister Faßmann sei. Dass man auch für „weniger Leistungsdruck“ demonstrierte, sei nebenbei erwähnt. „Große Versäumnisse im Bereich der Corona-Politik“ wurden beklagt – welche genau, wurde nicht weiter erläutert. „Wir Schülerinnen und Schüler werden nicht gehört, mit uns wird nicht gesprochen, wir werden nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden“, lautete die mit geschulter Verve vorgetragene Klage.

Das ließ der ORF einmal so stehen. Dass die demokratisch gewählte BundesschülerInnenvertretung im Ministerium sehr wohl sehr intensiv gehört und ernst genommen wird – manchmal mehr, als es uns LehrervertrerInnen lieb ist –, blieb unerwähnt. In Wirklichkeit ging es den jungen DemonstrantInnen vermutlich wenig um Corona. Die bereitwillige Unterstützung des ORF, dem kleinen Häuflein einen großen medialen Auftritt zu verschaffen, war ihnen sicher.

Handelt es sich bei derartigen Inszenierungen nicht eigentlich um Missbrauch jugendlichen Überschwangs und Eifers? Handelt es sich nicht um denselben Missbrauch, den amtsbekannte Neonazis und kriminelle Schlägertrupps an coronamüden Naivlingen begehen, wenn sie diese zu „Corona-Spaziergängen“ verleiten, wo diese wie Schafe hinterhertrotten?

Kritisches Hinterfragen der tatsächlichen Absichten von Demonstrationszügen ist vor einer Teilnahme jedenfalls anzuraten. Jungen und Alten.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gudrun Pennitz: Von Schafen und Wölfen

  1. Dass hinter allen Dingen eine Verschwörung vermutet wird, kennen wir ja zur Genüge von der Aluhut-Fraktion.
    Jetzt also auch schon bei den Lehrern?

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