Herbert Weiß: „Planungssicherheit“

Österreichs Bevölkerung wird seit Monaten immer wieder mit neuen Regelungen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie konfrontiert. Auch die Schulen sind davon stark betroffen.

Über die Notwendigkeit der Maßnahmen möchte ich hier nicht spekulieren. Dafür gibt es u. a. VirologInnen und StatistikerInnen, die die PolitikerInnen beraten. Die Entscheidung muss am Ende die Politik treffen – unter Abwägung vieler, teils widersprüchlicher Aspekte, wie etwa der Infektionszahlen, der Zahl freier bzw. für Corona-PatientInnen freigehaltener Intensivbetten und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt, auf psychische Belastungen, insbesondere die der Alten und die der Kinder und Jugendlichen.

An die politisch Verantwortlichen werden zahlreiche Forderungen gerichtet. Sie reichen in unserem Bereich von der völligen Schließung der Schulen bis zur völligen Öffnung unter Missachtung aller Ratschläge von VirologInnen.

Immer lauter werden jene Stimmen, die „Planungssicherheit“ fordern. Sosehr ich diese Sehnsucht verstehe, so unrealistisch erscheint mir im Moment deren Verwirklichung. Natürlich wüsste auch ich gerne, wann ich endlich wieder FreundInnen treffen oder einen Urlaub planen kann. Die Entwicklungen rund um COVID-19 kann man aber leider nicht voraussagen. Wer hätte z. B. noch vor ein paar Wochen gedacht, dass eine Mutation des Virus innerhalb kürzester Zeit eine Verschärfung der Abwehrmaßnahmen notwendig machen würde? Planungssicherheit könnte man derzeit auf zwei extreme Arten erreichen: Man könnte alle Maßnahmen aussetzen und so tun, als gäbe es keine Pandemie. Das ist die Haltung mancher PolitikerInnen oder jener Menschen, die gegen die pandemiebedingten Maßnahmen auf die Straßen gehen und unter anderem „Schutzbund statt Mundschutz“ fordern. Man könnte aber auch gleich einen lang andauernden völligen Lockdown mit rigorosen Einschränkungen der Freiheiten für uns alle verhängen, um die Ausbreitung erfolgreich einzudämmen. Keine dieser beiden Varianten ist für mich eine sinnvolle Option.

Es bleibt uns also nur, gemeinsam alles zu tun, um einerseits die Pandemie zu bekämpfen, andererseits aber für unsere SchülerInnen möglichst bald auch wieder Unterricht in Präsenzform zu ermöglichen, der für sie auch die heiß ersehnten sozialen Kontakte bringt, ohne sie und uns über ein verantwortbares Maß hinaus zu gefährden. Von uns LehrerInnen wird dabei weiterhin Flexibilität verlangt sein, und wir LehrerInnen haben diese seit Ausbruch der Krise eindrucksvoll bewiesen. Nun sind die Eltern gefragt. Ich erwarte mir von ihnen Unterstützung unserer Bemühungen, indem sie sich z. B. für eine Tragepflicht von FFP2-Masken oder eine Testpflicht stark machen.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Herbert Weiß: „Planungssicherheit“

  1. Absolut richtig! Anhand der Überschrift habe ich einen nächsten – sinnlosen – Ruf nach Planungssicherheit befürchtet. Umso wohltuender war dann das Lesen deines Artikels und die Auflösung.

  2. In meiner idealen Traumwelt stellt sich der Herr Minister im Juni 2020 mutig vor die Presse und verkündet distance learning bis Ostern 2021, mit zahlreichen unterstützenden Maßnahmen, damit das Lernen bis dahin gesichert ist. Was wäre da alles möglich gewesen, an sinnvoller Planung und Gestaltung des Unterrichts! Welche Leistungen aller Beteiligten hätten da mobilisiert werden können, die so nur für ständige Umplanungen und ein falsches Gefühl von „sind eh nur ein paar Tage“ verschwendet wurden.

    Natürlich politisch wohl nicht umsetzbar in der realen Welt, aber es wäre eine Chance gewesen das österreichische Bildungsystem wirklich nachhaltig zu verbessern.

  3. Bezüglich Planungssicherheit sollte sich die Politik schon eine Sache zu Herzen nehmen. Wenn sie (kurzfristig) Maßnahmen ankündigt, sollte sich auch dazu stehen. Ich verstehe etwa BM Faßmann nicht, der im ORF-Report am 19.1. das verpflichtende Tragen von FFP2 Masken bei OberstufenschülerInnen ankündigt und drei Tage später geht ein neuer Erlass raus, wo davon kein Wort steht. Wer hat eigentlich im Ministerium das Sagen? Hat man vor ElternvertreterInnen kapituliert? Wie respektlos ist dieses Hin und Her gegenüber SchulleiterInnen? Wie viel zählt die Sicherheit in der Schulgemeinde? Ich würde mir wünschen, dass Politiker erst dann etwas kommunizieren, wenn es machbar und intern abgestimmt ist. Beste Grüße aus St. Pölten

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