Impfen statt schimpfen

In 99 bis 99,5 Prozent der Autounfälle ist es von teils lebensrettendem Vorteil, einen Sicherheitsgurt zu tragen. Aus den zwei Prozent PKW-Insassen, die ohne Sicherheitsgurt unterwegs sind, kommen 17 Prozent der bei Verkehrsunfällen getöteten Menschen. Aber es gibt auch unerwünschte Wirkungen: In 0,5 bis 1 Prozent der Unfälle ist das Tragen eines Sicherheitsgurts nachteilig. (1)

Unerwünschte Wirkungen gibt es auch bei jedem Medikament. Betrachten Sie einen beliebigen Beipackzettel! Blutungen, allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Asthmaanfall oder Anschwellen des Gesichts in Verbindung mit Atemproblemen, Kopfschmerzen, Schwindel, Hörverlust, Ohrgeräusche (Tinnitus), Hirnblutung, Magenschmerzen, Magen-Darm-Blutung etc. sind z. B. mögliche Nebenwirkungen von „Aspirin“, von dem allein am Bayer-Standort Bitterfeld jährlich rund acht Milliarden Tabletten produziert werden – und „Aspirin“ ist nur eines von vielen Medikamenten, das den Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält.

Und selbstverständlich haben auch Impfungen Nebenwirkungen. Bei der Tetanusimpfung etwa kann es – abgesehen von den „normalen“ Impfreaktionen wie Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle – zu Temperaturerhöhung, Frösteln, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden, allergischen Reaktionen an der Haut oder an den Atemwegen und Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark kommen. (2)

Ich persönlich trage aus Überzeugung, und nicht nur, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, beim Autofahren ausnahmslos einen Sicherheitsgurt, ich nehme gelegentlich ein „Aspirin“, und ich bin gegen Tetanus geimpft. In all diesen Fällen überwiegt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dadurch einen Vorteil zu haben, bei weitem die Wahrscheinlichkeit, einen Nachteil davonzutragen.

Aufgrund der deutlich ansteckenderen Mutationen des COVID-19-verursachenden Virus werden in einigen Ländern die Lockdowns ausgeweitet. In Österreich sind diese Mutationen ebenfalls bereits nachgewiesen. (3) Aus meiner Sicht besteht daher die einzige Chance, in halbwegs naher Zukunft zu einer Vor-COVID-19-Normalität zurückzukehren, in einer Impfung – oder in der Entwicklung eines Medikaments, das zuverlässig gegen die Krankheit wirkt. Die Wirkungsweise des bisher zugelassenen Impfstoffs und die Problematik von Langzeitfolgen beschreibt Martin Moder, PhD, österreichischer Molekularbiologe, weit besser, als ich das könnte.

Der Wiener Infektionsmediziner Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch, Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Klinik Favoriten, sieht die Rückkehr zur Normalität bei einer Immunisierungsrate von 70 bis 80 Prozent, oder pointiert formuliert: „Es muss jeder Mensch in Österreich oder weltweit entweder die Impfung kriegen oder die Krankheit kriegen.“ (4)

Da fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Mein Motto lautet daher: „Impfen statt schimpfen“ – und das bitte möglichst rasch und flächendeckend. Für exponierte, systemrelevante Berufsgruppen, zu denen zweifellos auch die PädagogInnen gehören, sollte, ja müsste die Impfung besser heute als morgen bereitgestellt werden.

(1) Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitsgurt vom 5. Jänner 2021.

(2) Siehe https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/tetanus-wundstarrkrampf.html vom 5. Jänner 2021.

(3) Siehe Mutationen könnten Pandemie beschleunigen. In: ORF online vom 4. Jänner 2021.

(4) Coronavirus. Immunisierungsrate bis 80 Prozent erwartet. In: ORF online vom 28. Dezember 2020.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


8 Gedanken zu “Impfen statt schimpfen

  1. Tut mir dieses Mal auch bei aller aufrichtiger Wertschätzung leid:

    Es geht nicht (nur) um Nebenwirkungen, sondern um SPÄTFOLGEN. Diese können bei der kurzen Testdauer der Covid-19-Vakzine nicht bekannt sein – was auch für die Unerfahrensten unter uns leicht nachvollziehbar ist.

    Um zwei bekannte Beispiele zu nennen: die Spätfolgen der Impfungen alleine in Schweden im Zuge der Schweinegrippe 2009 mit den vielen (zwischen 500 und 800) Fällen von Narkolepsie – diese Menschen sind, wenn allein gelassen, teilweise lebensunfähig.

    Geworden.

    Oder nehmen Sie Contergan.

    In diesen Fällen handelte es sich um SPÄTFOLGEN, nicht um NEBENERSCHEINUNGEN.

    Im Vergleich zu unbekannten Spätfolgen sind die von Ihnen erwähnten unangenehmen Folgen beim Tragen eines Sicherheitsgurts während des Autofahrens lächerlich und das Argument nicht wert. Hirnblutungen spielen schon in einer anderen Liga, weil sie wesentlich ernster sind. Ein Freund von mir hatte kurz vor Weihnachten Hirnblutungen und musste sich einer Reihe von Operationen unterziehen. Es war schrecklich für die Angehörigen und uns Freunde, das alles mitzuerleben. Die Ärzte sagten, er habe unglaubliches Glück gehabt, weil alles auf des Messers Schneide stand.

    Der Wiener Infektionsmediziner Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch sieht die Rückkehr zur Normalität bei einer Immunisierungsrate von 70 bis 80 Prozent, oder pointiert formuliert: „Es muss jeder Mensch in Österreich oder weltweit entweder die Impfung kriegen oder die Krankheit kriegen.“

    Ich möchte es kurz machen: Die Krankheit kriegen heißt nicht sterben.

    Der von Ihnen erwähnte Mediziner hat mit seiner Drohung in gewisser Weise Recht.

    Aber wie alle Untersuchungen und Zahlen für Österreich und Deutschland zeigen, ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (ungeimpft) symptomlos geblieben und auch nicht an Covid-19 gestorben. Ein anderer überwiegender Teil ist leicht erkrankt und unproblematisch genesen. Ich, als 72-Jähriger, bin das beste Beispiel dafür.

    Das sagen die uns zur Verfügung stehenden Zahlen.

    Übrigens: Eine Ansteckung ist nicht mit der Krankheit gleichzusetzen, weil bei gesunden Menschen bzw. denen ohne schwere Vorerkrankungen das sehr robuste menschliche Immunsystem ihren Ausbruch verhindert. Und Gegenmittel produziert.

    Außerdem als Orientierungshilfe hier das Durchschnittsalter der in Deutschland mit ODER an Covid-19 Verstorbenen, Stand 5. Januar 2021:

    81,33 Jahre.

    Datenherkunft: https://desktop.inbee.app/?isTotalOverview=true von Offiziellem RKI Dashboard (https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4/page/page_0/)

    Wenn Sie’s nicht glauben, schauen Sie nach! Das sollte Ihnen zu denken geben.

    Und bitte: Argumentieren Sie künftighin ein bisschen intelligenter!

    Ihr
    Peter Goldberger, ehem. AHS-Lehrer

    Anmerkung Quin: Es steht jeder Person frei, ihre eigene Meinung zu haben. (Darum heißt es ja auch Meinung und nicht Deinung. 😉 ) Aber ganz unkommentiert kann ich das nicht stehen lassen:
    Der Wirkstoff von Contergan ist Thalidomid, das auch die erwartete Wirkung zeigt. Bei dieser Verbindung handelt es sich allerdings um eine chirale Verbindung. Das Enantiomer, das Spiegelbild, wirkt jedoch fruchtschädigend. Dieses war in der Produktion nicht gut genug abgetrennt worden. Die schrecklichen, unerwünschten Wirkungen waren also nicht vom eigentlichen Wirkstoff, sondern, wenn man so möchte, einer Verunreinigung.
    Zur gerne in diesem Zusammenhang genannte Impfung gegen die Schweinegrippe 2009 braucht man nur das Video ansehen, auf das ich in meinem Post hinweise (Problematik von Langzeitfolgen, ab ca. 1:00 min).
    Und bitte: Argumentieren Sie künftighin ein bisschen intelligenter! 😉

  2. Lieber Kollege Quin!

    Ich bin enttäusch darüber, wie die Lehrergewerkschaft im Allgemeinen und Sie im Besonderen scheinbar nur noch dieses Thema kennen!

    Ist es nicht unsere Aufgabe als Lehrer, den Blick zu weiten und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und nur noch darauf zu schauen, was wir bezogen auf dieses Virus tun sollen oder können.

    Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, unseren Schülern und damit vielen anderen Menschen auch zu zeigen und vorzuleben, dass das Leben aus so vielen verschiedenen Aspekten besteht, die beachtenswert sind und dass es eine große Gefahr für die Gesellschaft ist, wenn wir uns von einem Thema einnehmen lassen und alles andere unterordnen – gerade die Geschichte der Menschheit sollte uns in dieser Überlegung ein Lehrmeister sein!

    Ich hoffe sehr, dass die Gewerkschaft sehr bald wieder die wirklich wichtigen Themen der Bildung und Bildungspolitik in den Fokus stellt – nämlich das Fördern des freien, selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Lebens der uns Anvertrauten – aus meiner Sicht sind diese Bereiche durch die Politik („alle sollen das Gleiche lernen“) und die Gesellschaft (ständige Ablenkung, keine innere Ruhe mehr,…) höchst gefährdet und damit ein für uns äußerst wichtiges Betätigungsfeld!

    Alles Gute und viel Kraft im neuen Jahr,

    herzliche Grüße

    Paul Krenn

    WRG Salzburg

  3. Eine mRNA als Impfung kurzfristig und ohne wissenschaftlich fundierte Daten verabreicht zu bekommen ist fahrlässig aber politisch machbar, da sind Vorkenntnisse aus Chemie zu hinterfragen

  4. Danke lieber Eckehard für die Darstellung und auch die Klarstellung zu Contergan – an dir ist ein Arzt verloren gegangen. Aus meiner Sicht kann ich Kollegen Wenisch nur voll unterstützen- bin ganz auf seiner Seite ! Und er hat in Ö die höchste Expertise für COVID im stationären Bereich!

    1. Geschätzte Fr. DR. Schmid, geschätzter Hr. DR. Qiun – Thalidomid racemiert (sprich „wandelt sich um“), wenn strukutrell in reiner Form verabreicht, im Körper –> ich gebe guten Gewissen die richtige Form dem Körper, und dieser macht daraus die gefährliche Form (Aaaaah). Oder haben sie ein Argument, warum Contergan vom Markt ist? Trennen und hochreinigen kann man heutzutage Stoffe problemlos, vor allem in der Pharmaindustrie dank HPLC. Fahrlässiges Argument!, mfg PeOH

      1. Sehr geehrteR PeOH!
        Mit der Racemisierung von Thalidomid haben sie recht, nur ist mir nicht klar, welchen Schluss Sie daraus ziehen. In klinischen Studien vor der Arzneimittelzulassung kann man eine schreckliche unerwünschte Wirkung wie bei Contergan de facto nicht feststellen – unabhängig von der Dauer der Studie oder der Zahl der ProbandInnen, da Schwangere aus ethischen Gründen normalerweise an solchen Studie nicht teilnehmen dürfen.

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