Gudrun Pennitz: Was vom Jahr bleibt

Dieses mehr als außergewöhnliche „Corona-Jahr“ neigt sich dem Ende zu. Heuer habe ich getan, was sonst nicht meine Art ist: Ich habe mir eine Liste geschrieben und Bilanz gezogen. Die Liste an Bürden und Zumutungen, die wir PädagogInnen ertragen mussten, ist sehr lang geworden, das möchte ich aber in meinem letzten Editorial vor den Weihnachtsferien nicht näher ausführen. Doch gab es da womöglich auch gute Aspekte dieser belastenden Situation? Ich begann zu notieren, und, siehe da, das Ergebnis meiner Aufstellung hat mich selbst überrascht, denn die Liste an positiven Dingen war letztendlich gar nicht so mickrig. Und das hat zu einem Gutteil mit euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu tun.

Wir LehrerInnen können stolz auf uns als Berufsgruppe sein. Nie zuvor war einem ganzen Land einschließlich Politik und Medien derart bewusst, wie unverzichtbar wir sind. Guter Präsenzunterricht einer charismatischen Lehrkraft als Bezugsperson kann durch nichts ersetzt werden. Nicht auf Dauer.

Das Image unseres Berufs in der Bevölkerung hat sich eindeutig gebessert. Monate des Lockdowns mit Home-Office und Home-Schooling mündeten nicht nur häufig in totale Überforderung aller Beteiligten, sondern öffneten so manchen genervten Eltern die Augen. „Wie machen das die LehrerInnen bloß? Die müssen 25 gleichzeitig bändigen!“, wird sich so manche Mutter, so mancher Vater gefragt haben, wenn sich der Sprössling wieder einmal renitent zeigte und lieber am Handy spielte als das Lernprogramm zu öffnen. Gerüchten zufolge soll ein Kind sogar einmal gebrüllt haben: „Ich will meine Lehrerin zurückhaben!“

Viel von dem, was wir StandesvertreterInnen für unsere Leute bewegen, wird nicht gesehen, kann gar nicht gesehen werden. Trotzdem gab es sie, die Zuschriften mit aufmunternden Dankesworten mir nicht bekannter KollegInnen, die sich die Mühe machten, mir mitzuteilen, dass ihnen bewusst ist, wie viel Kraft es kostet, das Schulschiff durch derartige Gewässer zu manövrieren. Seid herzlich bedankt dafür!

Die oft nur mehr spöttisch als „stillste Zeit des Jahres“ bezeichnete Vorweihnachtszeit wird heuer tatsächlich die Möglichkeit zur stillen Einkehr bringen. Ich nehme sie dankbar an und setze sie auf meine Liste der schönen Aspekte von 2020.

Euer Einsatz, eure aufopfernde Hingabe in diesem „annus horribilis“ kann nicht genug bedankt werden. Von ganzem Herzen wünsche ich euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr. Noch nie war dieser Wunsch wahrer und bedeutsamer als heuer!

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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