Herbert Weiß: Corona-Tests für SchülerInnen

Ein großer Teil der Lehrkräfte im Sekundarbereich I bestätigt, dass für sie eine Hauptmotivation für ihre Berufswahl war, dem Gemeinwohl zu dienen. Tatsächlich erwähnen rund 90 % der Lehrkräfte in den OECD-Ländern ein Gefühl der persönlichen Erfüllung dank der Chance, die Entwicklung von Kindern mit zu prägen und etwas zur Gesellschaft beizutragen.“ (1)

Diese wissenschaftliche Erkenntnis bestätigen LehrerInnen tagaus, tagein. Besonders aber in den Zeiten des Distance Teachings werden wir alle oft bis an unsere Belastungsgrenze gefordert. Viele erwarten von uns, dass wir parallel zur Betreuung von SchülerInnen in der Schule auch denen zu Hause vor ihren Geräten einen Unterricht bieten, der sie zum Arbeiten motiviert, sie bei der Stange hält, auf der anderen Seite aber nicht überfordert. Dass das eigentlich überhaupt nicht zu stemmen ist, schert nur wenige. Stattdessen beklagt man sich über technische Probleme zu Hause, Überforderung der Eltern als LehrerInnen oder einzelne schwarze Schafe, die ihren SchülerInnen zu wenig bieten. Manche erwarten sich sogar, dass LehrerInnen ein Wundermittel gegen die soziale Isolation der Kinder und Jugendlichen in der Phase des Fernunterrichts parat haben.

Wir LehrerInnen gehören ohne Zweifel zu jenen Berufsgruppen, die maßgeblich zum Funktionieren unseres Staates beitragen. Darauf vergisst man in der Öffentlichkeit leider sehr oft. Die Wertschätzung für unsere Berufsgruppe würde uns aber gerade derzeit bei der Bewältigung der enormen Herausforderungen helfen. Bundesminister Faßmann hebt sich in diesem Zusammenhang erfreulicherweise von seinen Vorgängerinnen ab. Ich kann mich an keinen anderen Minister im Lauf meines inzwischen doch recht langen Berufslebens erinnern, der seine Wertschätzung gegenüber den PraktikerInnen so glaubwürdig zum Ausdruck gebracht hat wie er – zuletzt in der Sendung „Talk 1 Spezial“ am 19. November. Seine Anerkennung bringt er auch im Brief an uns LehrerInnen zu den Schnelltestungen zum Ausdruck.

Bei Schutzmaßnahmen für die Gesundheit von SchülerInnen und LehrerInnen sehe ich allerdings noch recht viel Luft nach oben. Testungen für LehrerInnen verstehe ich als Ausdruck der Wertschätzung unserer besonderen Bedeutung, eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme ist sie ohne gleichzeitige Testung der SchülerInnen aber nicht.

(1) OECD (Hrsg.), Bildung auf einen Blick 2020. OECD-Indikatoren (2020), S. 542.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: Corona-Tests für SchülerInnen

  1. @: „Testungen für LehrerInnen verstehe ich als Ausdruck der Wertschätzung unserer besonderen Bedeutung, eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme ist sie ohne gleichzeitige Testung der SchülerInnen aber nicht.“

    Epidemiologisch möchte ich das nicht kommentieren – es gibt neuerdings eh schon hunderttausende Fachleute auf diesem Gebiet in Österreich.
    Als populistische Bauchpinselei betrachte ich aber die Aussage, dass die Testung der LehrerInnen ein Ausdruck der Wertschätzung sei. Stimmte das nämlich, müsste auch der Umkehrschluss gelten: FörsterInnen zum Beispiel werden nicht getestet, daher wäre deren Außerachtlassung nach der Logik von Koll. Weiß ein Ausdruck der Geringschätzung dieser Berufsgruppe gegenüber.
    Dabei ginge es ja ganz einfach: LehrerInnen werden getestet, weil sie (potentielle) Multiplikatoren sind, genauso wie ÄrztInnen oder PolizistInnen. FörsterInnen sind keine Multiplikatoren, werden daher nicht getestet. Mit Wertschätzung hat das nichts zu tun, sondern mit Gefährlichkeit für die Gesellschaft. Aber das ist natürlich ein Blickwinkel von außerhalb eines magistrozentrischen Weltbildes.

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