Herbert Weiß: Das höchste Gut

Wer hätte gedacht, dass es in dieser Woche ein anderes Thema geben würde als den Lockdown?

Noch am Wochenende war ich hauptsächlich mit der Beantwortung von Emails von KollegInnen beschäftigt, die mir ihre Fragen bzw. Gedanken zum Umgang des Bildungsministeriums mit der COVID-19-Pandemie übermittelt haben. Sie waren genauso unterschiedlich wie jene im Frühjahr zum selben Thema. Während sich die einen die vollständige Schließung der Schulen zum Schutz von SchülerInnen und LehrerInnen wünschten, forderten andere, dass die Schulen quasi im Normalbetrieb weiterlaufen sollten. Beide Gruppen hatten dafür übrigens gute Argumente.

Wie viele andere KollegInnen machte ich mir Gedanken darüber, wie wir die negativen Auswirkungen des Lockdowns bzw. des Distance Learnings minimieren könnten:

  • Was kann getan werden, damit sich die Unterschiede, die sich durch die sozioökonomischen Hintergründe unserer SchülerInnen ergeben, in dieser Zeit nicht weiter verstärken?
  • Wie kann man die Rückstände verringern, die durch den Lockdown entstehen?
  • Wie können wir die SchülerInnen des heurigen Maturajahrgangs unterstützen?

Antworten auf diese Fragen werden sich nicht ohne zusätzliche Investitionen ins Bildungssystem und die Finanzierung von Zusatzangeboten umsetzen lassen.

Seit dem Abend des 2. November haben sich bei mir aber andere Fragen in den Vordergrund gedrängt:

  • Was können wir tun, um bei unseren SchülerInnen das Bewusstsein zu stärken, welch hohe Werte Freiheit, Demokratie und das Leben in einer Gesellschaft darstellen, die unterschiedliche Meinungen zulässt und sich zum Gewaltverzicht bekennt?
  • Ist der von einigen geforderte Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts dafür eine Lösung? Eröffnen wir nicht gerade mit einem Hinausdrängen des Religionsunterrichts aus den Schulen ExtremistInnen den Zugang zu unserer Jugend?
  • Welchen Beitrag können wir dazu leisten, dass nicht aus berechtigter Angst vor ExtremistInnen Feindseligkeit gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund wird?

Welch fundamentale Bedeutung Demokratiebildung für die Zukunft unserer Gesellschaft hat, steht hoffentlich mehr denn je außer Frage. Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Herbert Weiß: Das höchste Gut

  1. @: „um bei unseren SchülerInnen das Bewusstsein zu stärken, welch hohe Werte Freiheit, Demokratie und das Leben in einer Gesellschaft darstellen, die unterschiedliche Meinungen zulässt“

    1. „Gesellschaft, die unterschiedliche Meinungen zulässt“ ?
    Dazu eine Meldung aus dem aktuellen ÖPU-Wochenspiegel:
    „Terror-Posting: Bischof suspendiert Direktor
    Der Direktor des Gymnasiums Wolfgarten der Diözese Eisenstadt, Josef Mayer, ist mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Anlass war ein Posting des Direktors auf Facebook, wenige Stunden nach dem Terrorangriff in Wien. Mayer schrieb am Montagabend auf Facebook wörtlich: „Terror in Wien! Refugees welcome!!!,,,“ (sic!) Das Posting wurde mittlerweile gelöscht. Aus dem Bischofssitz hieß es dazu, dass so ein Verhalten für einen Lehrenden und Leiter einer christlichen Schule untragbar sei. Der Direktor werde auch nicht mehr an die Schule zurückkehren. Am Mittwoch sind Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern über den Fall informiert worden.“

    2. Nicht, dass ich dieses inkriminierte Posting für eine philosophische oder rhetorische Glanzleistung halte, aber eine einzige Aussage – nein, nicht auf der Homepage der Schule oder in einem Schüler/Elternbrief, sondern auf Facebook – , die offenbar spontan und noch unter dem Eindruck des Ereignisses getätigt wurde („am Montagabend, wenige Stunden nach dem Terrorangriff“) und die aus ganzen 5 (fünf) Wörtern besteht, zum Anlass für einen unverzüglichen (*) Hinausschmiss eines Direktors zu nehmen, das ist unglaublich. Direktorsposten an katholischen Privatschulen sind offenbar Lehen.
    Was für ein Bewusstsein da wohl bei den SchülerInnen am Gymnasium Wolfgarten gestärkt worden ist? „Hände falten, Goschen halten“?
    (*) Am Montagabend hat er gepostet, am Dienstagnachmittag um 13:30 war er schon seinen Job los – irgendein ordentliches Verfahren geht sich da schon zeitlich nicht aus.

    3. Hintergrund (gegoogelt):
    „Das katholische Gymnasium Wolfgarten gilt als Elite-Gymnasium in Eisenstadt. Mayer war seit 1985 Lehrer am Gymnasium, im Jahr 2000 übernahm er das Amt des Direktors der Schule.“
    Außerdem war Hofrat Mayer früher einmal Vizebürgermeister (ÖVP) von Eisenstadt.

    Auf der Homepage des Gymnasiums (https://www.wolfgarten.at) steht übrigens der Elternbrief des Bischofs. Dort ist von Grundwerten die Rede. Von Güter-Abwägung nicht: Da war einer 20 Jahre lang Direktor – pffft!
    In einer anderen Welt als der bischöflichen hätte man zum Beispiel dem Hofrat Mayer nahelegen können, selber einen Entschuldigungs/Erklärungsbrief auf die Homepage zu stellen – und dann Schluss der Debatte.

  2. Geschätzer Kollege Weiß!

    Demokratiebildung ist einer der wichtigsten Aufgaben des modernen Staates. Im öst. Schulsystem wird dem kaum Bedeutung geschenkt. Seit der Senkung des Wahlalters gibt es wenigstens den Anhang PB an GSK. Das ist aber viel zu wenig!! Das von vielen Seiten geforderte eigene Fach in Unter- und Oberstufe scheint noch immer in weiter Ferne. Was zählt ist der traditionelle Fächerkanon. Schularbeitsfächer dominieren, der Rest versucht sein Auslangen zu finden. Ich hoffe, dass auch die Gewerkschaftsvertretung sich für ein Unterrichtsfach PB stark macht. Vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Leo Fischer

  3. Sehr geehrter Herr Weiß,
    Sie schreiben: „Ist der von einigen geforderte Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts dafür eine Lösung? Eröffnen wir nicht gerade mit einem Hinausdrängen des Religionsunterrichts aus den Schulen ExtremistInnen den Zugang zu unserer Jugend?“
    Sie wissen, dass dies eine FALSCHinformation ist.
    Es wird kein „Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts“ gefordert, sondern ein Ethikunterricht für alle (aus guten Gründen, die ich hier nicht anführen kann) NEBEN dem Religionsunterricht, der weiterhin stattfinden soll.
    Ich bitte Sie zukünftig wenigstens um eine sachlich richtige Darstellung, wenn Sie sich zu diesem Thema äußern.
    Verbunden und mit freundlichen Grüßen, Konrad Müller

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