Herbert Weiß: Die Zeit nach COVID-19

Wir alle sehnen uns danach, COVID-19 endlich abhaken zu können. Die Hoffnung, dass das Virus verschwinden wird, haben inzwischen wohl alle aufgegeben. Es wird also darum gehen, mit dem Virus zu leben. Dabei vertraue ich auf die Medizin. Immerhin hat sie es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geschafft, die Schrecken so mancher Krankheiten zu beseitigen.

Mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden wir aber wohl noch jahrelang zu kämpfen haben. Milliardenschwere Hilfspakete für jene, die durch das Virus bzw. die Strategie zum Umgang mit ihm in Bedrängnis geraten sind, und der Ausfall von Steuereinnahmen ließen während der letzten sieben Monate im Staatshaushalt ein riesiges Finanzloch entstehen, das immer weiter aufklafft.

Wenn es um Einsparungen im Staatshaushalt geht, sehe ich schon jetzt die üblichen „ExpertInnen“, wie sie sich in die Medien drängen und das Lied vom ach so teuren Schulwesen Österreichs singen. Ihren faktenbefreiten Phantasien möchte ich prophylaktisch die Wirklichkeit gegenüberstellen, die jeder überprüfen kann, der an der Wahrheit interessiert ist.

Von allen öffentlichen Ausgaben entfallen im OECD-Mittel 10,8 Prozent auf das Schulwesen und den tertiären Bereich, in Österreich aber nur 9,7 Prozent. (1) Ein Zehent, der Österreichs Bildungswesen schmerzlich fehlt.

Österreichs Schulwesen fehlt aber leider weit mehr als ein Zehntel. „In den meisten Ländern und auch im Durchschnitt der OECD-Länder entfallen grob drei Viertel der öffentlichen Gesamtausgaben für Bildung im Primar- bis Tertiärbereich auf die nicht tertiären Bildungsbereiche (rund 8 % der öffentlichen Gesamtausgaben).“ (2) In Österreich entfallen nicht drei Viertel, sondern nicht einmal zwei Drittel auf das Schulwesen. Somit kommen Österreichs Schulwesen nur 6,2 % der öffentlichen Gesamtausgaben zugute – nicht ein Zehntel, sondern fast ein Viertel weniger, als es dem OECD-Mittel entspräche. (3)

Anhand der Ausgaben, die mit Mitteln aus öffentlichen Quellen getätigt werden, kann man relativ gut erkennen, welchen Wert Regierungen der Bildung beimessen.“ (4)

Sollte unsere Regierung der Bildung an sich keinen sehr großen Wert beimessen, sollte sie wenigstens folgende Aussage in der aktuellen Ausgabe von „Bildung auf einen Blick“ beachten: „Öffentliche Investitionen in das Bildungssystem können […] eine Investition in künftiges Wirtschaftswachstum sein.“ (5)

Österreichs Politik muss mehr Geld für die Schulen in die Hand nehmen. Investitionen in die Schulen sind Investitionen in unsere Jugend und somit in unsere Zukunft und sind in diesen Zeiten wichtiger denn je.

(1) Siehe OECD (Hrsg.), Bildung auf einen Blick 2020 (2020), Abbildung C4.1.

(2) a.a.O., S. 383.

(3) a.a.O., Tabelle C4.1.

(4) a.a.O., S. 347.

(5) a.a.O., S. 66.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: Die Zeit nach COVID-19

  1. Weil diese Woche einmal von Geld die Rede ist, möchte ich einen weiteren diesbezüglichen Aspekt einbringen:
    Bei den heurigen Pensionsverhandlungen kam heraus, dass der typische AHS-Pensionist 2021 um € 35.- (brutto natürlich) mehr bekommen wird – das ist weniger als ein Prozent. Die „reguläre“ Pensionserhöhung wäre 1,5% gewesen, aber dafür haben A-Beamte zeitlebens zu viel an Pensionsbeiträgen einbezahlt. Es gilt nämlich die Formel: Je mehr du einbezahlt hast, desto weniger kriegst du bei den Pensionsverhandlungen.
    Die, die am wenigsten einbezahlt haben, lukrieren folgerichtig 2021 die größte Erhöhung: 3,5%. Argumentiert wird das mit dem Zauberbegriff „sozial“.

    Nun hat ja niemand etwas dagegen, dass Menschen mit Minipensionen auch ein auskömmliches Leben führen können, aber das ist Sache des Sozialministeriums – von dort müssten die nötigen Mittel kommen (gemeint: Aufstockung von Minipensionen), nicht aus der Pensionskasse. Eine Pensionskasse basiert nämlich auf mathematischen Prinzipien, nicht karitativen. Würde eine private Pensionsversicherung auf die Idee kommen, einen „sozialen“ Berechnungsschlüssel einzuführen, dann würde sich jeder auf die Stirn greifen.

    Betrogen werden (fast) jedes Jahr typischerweise die A-Beamten. Und der Einserschmäh der „sozialen“ Pensionsanpassungen wird natürlich von der Mehrheit der Bevölkerung bereitwillig unterstützt, die uns unsere A-Beamten-Pensionen neidig sind. Dass wir 40 Jahre lang dafür entsprechende Beträge einbezahlt haben – wurscht.

    Und die Gewerkschaft? – Schweigen im Walde.

    (Verfasst von einem 66-jährigen Pensionisten)

    Anmerkung Quin: Ich bin kein Beamter, verstehe aber völlig den Unmut von BezieherInnen höherer Ruhebezüge. Sie haben auch – im Gegensatz zu ASVG-PensionistInnen – Pensionsbeiträge ohne Höchstbeitragsgrundlage gezahlt.
    Das ändert aber nichts daran, dass der Seniorenrat die gesetzliche Interessensvertretung der SeniorInnen ist. Die Gewerkschaft verhandelt keine Pensionserhöhungen. Dafür ist sie nicht zuständig.

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