Was am Ende gilt

Schritt für Schritt erfolgt eine Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen. Aus vielen Rückmeldungen weiß ich, dass beides – die Maßnahmen sowie deren Lockerung – von den KollegInnen teilweise völlig konträr eingeschätzt wird. Und es gibt wohl niemanden, der wirklich sagen kann, was sinnvoll ist und was nicht. Die Zahlen sprechen aber dafür, dass man in Österreich bisher jedenfalls mit den gesetzten Maßnahmen nicht grundlegend falsch gelegen ist.

Für die Schulen bedeuten dieses schrittweise Vorgehen und die von der Regierung gewählte Kommunikationsstrategie eine ungeheure Belastung. Zuerst wird etwas in einer Pressekonferenz angekündigt und dann erst mit der Konzepterstellung für die Umsetzung begonnen. Die Folge davon sind sich laufend ändernde Vorgaben, was völlig unnötige Verunsicherung bei allen SchulpartnerInnen verursacht und völlig unnötigen Arbeitsaufwand schafft.

Ich möchte daher den LehrerInnen für ihr ungeheures Engagement danken, ohne das Unterricht seit Mitte März unmöglich gewesen wäre. Den AdministratorInnen und DirektorInnen, die mit beispiellosem zusätzlichen Verwaltungsaufwand zu kämpfen haben, sei hier ebenfalls ausdrücklich gedankt. Es bleibt nur zu hoffen, dass Medien und Politik nicht darauf vergessen, welch unbezahlbaren Wert die intrinsische Motivation der PädagogInnen darstellt. Ohne sie wäre unser Schulwesen im März zusammengebrochen und seither nicht mehr ins Laufen gekommen. Chapeau, liebe KollegInnen!

Wir alle sehnen uns nach der Rückkehr zur Normalität – zu einer Vor-COVID-19-Normalität wohlgemerkt, und nicht zu einer „neuen“ Normalität. Aber darauf werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Bis dahin werden uns die Worte von Arthur Schnitzler begleiten: „Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt haben – und nicht, was wir ersehnt haben.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


5 Gedanken zu “Was am Ende gilt

  1. Ad: „Ich möchte daher den LehrerInnen für ihr ungeheures Engagement danken, ohne das Unterricht seit Mitte März unmöglich gewesen wäre. Den AdministratorInnen und DirektorInnen, die mit beispiellosem zusätzlichen Verwaltungsaufwand zu kämpfen haben, sei hier ebenfalls ausdrücklich gedankt.“ (E. Quin)

    Ich kann einem Chirurgen danken, der mich erfolgreich operiert hat. Ich kann einem Chirurgen danken, der mein Kind erfolgreich operiert hat.
    Aber kann ich meinem Bruder, der Chirurg ist, dafür danken, dass er jemand anderen (den ich gar nicht kenne) erfolgreich operiert hat?

    Diesen verbreiteten Dank-Lavendel sehe ich von der Politik (wo ihn eh niemand ernst nimmt) überschwappen auf meinen Beruf. Und das gefällt mir nicht.
    Mein DUDEN definiert Dank so:
    „Gefühl, Ausdruck der Anerkennung und des Verpflichtetseins für etwas Gutes, das man empfangen hat, das einem erwiesen wurde“.
    Und genau dieser Aspekt des Verpflichtetseins für etwas, das „einem“ (nicht: irgendwem) erwiesen wurde, fehlt beim Ausdruck des Dankes im o.a. Text. E. Quin ist niemandem verpflichtet – er tut nur so. Und ihm hat auch niemand etwas Gutes getan.

    Wir haben hier ein Beispiel für die semantische Verbiegung eines Begriffes. Ich spekuliere mal über das Motiv dahinter (gilt nicht für E. Quin persönlich – der ist nur einem, wenn auch schlechten, Beispiel gefolgt und hat sicher keine hintergründigen Ziele verfolgt):
    Durch den Dank, welcher laut DUDEN den Aspekt des Verpflichtetseins für eine selber empfangene Wohltat enthält, stellt der Sprecher eine persönliche Beziehung her (die es in Wirklichkeit gar nicht gibt) und erreicht damit sein Ziel, einen anderen Menschen in seinen Bann(kreis) zu ziehen. Dass er dabei mit Falschgeld zahlt, das ist der Punkt, der mir dabei nicht gefällt.

    1. Sehr geehrter Kollege Wallner,
      ich kann mich ihrem Kommentar nur anschließen.
      Ich bin nicht der Meinung, dass wir unserer
      Regierung zu Dank verpflichtet sind, denn sie
      hätte vieles anders machen können. Nachdem
      ich mich die letzten Monate sehr intensiv mit
      der Statistik um das Corona-Virus beschäftigt
      habe (z.B. mit dem so genannten SIR-Modell,
      das dem Reproduktionsfaktor zugrunde liegt,
      und vielen Aussendungen des RKI-Institutes),
      wäre folgende Vorgangsweise wohl vernüftiger
      gewesen und ohne allzu große wirtschaftliche
      und existenzielle Schäden:

      (1) Strikter Schutz der Risikogruppen der
      einschlägig Vorerkrankten und der alten
      Menschen von Beginn an.
      (2) Kein Shutdown, sondern Fortführung des
      Wirtschaftslebens und Arbeitslebens in
      einer weitgehend normalen Form, aber
      unter Einhaltung gesicherter Hygiene-
      vorschriften, d.h. soziale Distanz von
      mindestens 1 Meter, sehr häufiges und
      gründliches Desinfizieren der Hände und
      – wenn notwendig und möglich – Tragen
      von funktionierenden Atemschutzmasken!

      MfG, Herbert Paukert

      Anmerkung: Ich betreibe seit 20 Jahren eine
      eigene Homepage „www.paukert.at“, wo ich
      Lernsoftware für fast alle Schulfächer
      kostenlos zur Verfügung stelle. Auf meiner
      Homepage findet man auch statistische
      Auswertungen und Aussagen zum Corona-Virus.

  2. Der Dank, den E.Quin hier ausspricht, ist der Dank der Gesellschaft an alle, die an den Maßnahmen mitgewirkt hat. Danken dafür kann jeder, der zu dieser Gesellschaft gehört. So möchte auch ich mich bei allen bedanken, die mitgewirkt haben, dass dieser Virus eingeschränkt wurde.
    Ich sehe als Lehrerkind und späterer Lehrer, dass da auch in den Schulen schon ein Haufen an Arbeit zu bewerkstelligen war.
    S.M.K.K. I.ngmar
    Mag. Peitl

    1. Grammatikalisch korrekt müsste es natürlich heißen: die an den Maßnahmen mitgewirkt hinweisen. Ich sehe Schule als Leistung der und an der Gesellschaft. Daher kann auch jedeR* danken, der zu dieser Gesellschaft gehört. Da diese Gesellschaft in diesem Fall Östetteich ist, kann auch jedeR ÖsterreicherIn*
      danken.

  3. Sehr geehrter Kollege Peitl!

    Wenn ich Sie richtig verstehe, dann kann jedeR* österreichischeR* StaatsbürgerIn* zum Beispiel unserer Fußball-National(!)Mannschaft seinen(*) Dank dafür aussprechen, ein Match gewonnen zu haben. Der Sieg war ja definitionsgemäß ad majorem Austriae gloriam.

    Na ja, wenn Sie meinen, dass die von mir zitierte DUDEN-Definition von „Dank“ eine solche Interpretation hergibt …

    (*) P.S.: Wie sieht eigentlich dieses „seinen“ in Ihrer Schreibweise aus? Wo kommt der Asterisk richtigerweise hin? (Man will ja dem Dritten Geschlecht kein Unrecht tun.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.