Herbert Weiß: Auf die Schulpraxis hören

Auch wenn manche ExpertInnen die heurige Matura für entbehrlich oder „pädagogisch falsch“ halten, stimme ich mit Univ.-Prof. Mag. Dr. Konrad Krainer von der Uni Klagenfurt überein, der sie als einen objektiven Vergleich bezeichnet, den die SchülerInnen brauchen, um nicht das Gefühl zu haben, dass ihnen etwas geschenkt wird. (1)

Aus den Schulen ist zu hören, dass der Start trotz der neuen Hygieneregeln gut funktioniert hat. Das Verhalten einiger MaturantInnen, die nicht einmal versucht haben, die bei der Klausur gestellten Arbeitsaufträge zu erledigen, hat für Unmut gesorgt, bei uns PraktikerInnen allerdings nicht für Überraschung. Immerhin hat das Bildungsministerium in den Richtlinien für die heurige Reifeprüfung einen Berechnungsmodus vorgegeben, aus dem sich vereinfacht formuliert ergibt, dass SchülerInnen, die ein Befriedigend oder einer bessere Note im Zeugnis der Abschlussklasse haben, in diesem Fach kein Nicht genügend mehr bekommen können. (2)

Von der politischen Ebene vernimmt man über die Medien, dass Bildungsminister Heinz Faßmann diese Regelung beibehalten wollte und dabei auch vom Koalitionspartner Rückendeckung bekam. (3) Man wolle aber die Erfahrungen im diesjährigen Jahrgang abwarten.

Den Verantwortlichen im Bildungsministerium lege ich dringend ans Herz, bei der Erarbeitung von Reformen, die über die Coronazeit hinausgehen, endlich auf die Erfahrungen der PraktikerInnen zu setzen. Gerade in der Krisensituation hat sich gezeigt, dass dem Minoritenplatz in weiten Bereichen der Bezug zur Schulrealität fehlt. Verstärkt wird dieses Defizit durch manche Bildungsdirektionen, die offensichtlich noch immer mit internen Strukturproblemen zu kämpfen und deshalb in den letzten Monaten weniger zur Bewältigung von Problemen beigetragen haben als zu deren Verschärfung.

(1) Siehe Wolfgang Fercher, Zentralmatura startet. Eine Reifeprüfung, wie es sie noch nie gab. In: Kleine Zeitung vom 25. Mai 2020.

(2) Siehe § 10 Abs. 4 der Verordnung über die Vorbereitung und Durchführung abschließender Prüfungen für das Schuljahr 2019/20.

(3) Siehe Julia Neuhauser, Die alte Matura kommt nicht wieder. In: Die Presse vom 24. Mai 2020.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: Auf die Schulpraxis hören

  1. Sehr geehrter Herr Weiß,
    auch ich bin der Meinung, dass die Matura
    nicht ganz abgewertet werden darf – aber
    auch nicht überbewertet werden soll. Ein
    sinnvoller Kompromiss wäre folgender:

    (1) Man bildet den Mittelwert aus den Fach-
    noten der 7. und 8. Klasse: Z = (Z7 + Z8)/2.
    (Das sind die Zeugnisnoten von 2 Klassen.)

    (2) Man bildet einen gewichteten Mittelwert
    E = 0.2*Z + 0.8*M mit E als Endnote und mit
    M als Maturanote. Mit Z = 3 und M = 5 ergibt
    das beispielsweise E = 0.6 + 4.0 = 4.6 = 5 !
    Mit Z = 1 oder 2 und M = 5 ist E = 4, was
    durchaus sinnvoll ist.

    (3) Diese Formel soll nur bei M = 5 gelten,
    andernfalls wird die Endnote als einfacher
    Mittelwert von Zeugnisnote und Maturanote
    berechnet E = (Z + M)/2.

    MfG, Herbert Paukert

    Anmerkung: Ich betreibe seit 20 Jahren eine
    eigene Homepage „www.paukert.at“, wo ich
    Lernsoftware für fast alle Schulfächer
    kostenlos zur Verfügung stelle. Im Monat
    März wurde ein Downloadvolumen von
    320 Gigabyte registriert.

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