Herbert Weiß: Muttertag in Zeiten von Corona

In diesen hektischen Zeiten wäre bei mir der Muttertag beinahe untergegangen. Durch eines der Videos, das meine älteste Tochter uns von unserer Enkelin geschickt hat, und durch einige Medienberichte bin ich aber an diesen so besonderen Tag erinnert worden. Besonders fiel mir folgende Aussage auf: „Statt Blumen oder Schokolade zum Muttertag wünschen sich viele Frauen mehr Unterstützung im Haushalt und bei der Kindererziehung. Und das schon seit Jahrzehnten.“ (1)

Im zitierten Artikel wird die Frage gestellt, ob die Corona-Krise den lang herbeigesehnten Rollentausch oder am Ende gar ein „Rollback“ bringen wird. Verwiesen wird in ihm auch auf eine repräsentative Mannheimer Corona-Studie, nach der zahlreiche Mütter coronabedingt auf eine 70-Stunden-Arbeitswoche kommen.

Insofern verstehe ich durchaus den Druck der Öffentlichkeit, die Schulen möglichst bald und für möglichst viele SchülerInnen zu öffnen. Bundesminister Faßmann hat diesem Druck zwar nicht zur Gänze nachgegeben, nach wie vor erscheinen mir aber die im Etappenplan für die Öffnung der Schulen bzw. im „Hygienehandbuch“ geplanten Maßnahmen deutlich zu „optimistisch“. Wer glaubt, dass man ALLE Kinder einen ganzen Schultag lang dazu bringen kann, dauernd die vorgegebenen Abstände einzuhalten, von den ausstattungsbedingten Problemen in unseren Schulhäusern ganz zu schweigen?

In einem Artikel in der Furche wird die Situation der Mütter noch drastischer beschrieben: „Die Politik setzt im Ausnahmezustand auf eine kostenlose Ressource: die Aufopferungsbereitschaft der Eltern. Vor allem Mütter haben das Nachsehen.“ (2)

Das gilt natürlich ganz besonders für viele Lehrerinnen. Auch sie müssen derzeit ihr Distance Teaching mit dem Distance Learning ihrer Kinder und der Hausarbeit koordinieren. Sie alle verdienen unseren besonderen Dank.

Auf eine Gruppe wird seitens der politisch Verantwortlichen derzeit in unseren Schulen aber leider „vergessen“, nämlich die schwangeren Kolleginnen. Während die Arbeiterkammer z. B. davon spricht, dass Schwangere dort nicht arbeiten dürfen, wo Schutzmasken getragen werden müssen, bzw. aus Bereichen mit erhöhten Kundenkontakt abgezogen werden müssen (3), zieht man sich im Bildungsbereich auf die Expertenmeinung zurück, dass Schwangere grundsätzlich nicht zu den Risikogruppen gehören. Ich halte diese Haltung für ein Land wie Österreich, das sich gerne seiner hohen Sozialstandards rühmt, für eine Schande. Dieser Missstand muss dringend beseitigt werden! Nicht nur, weil Muttertag ist!

(1) Rollentausch und Erschöpfung: Mütter in Zeiten der Corona-Krise. In: Focus online vom 4. Mai 2020.

(2) Brigitte Quint, Mütter: Wunderwaffe in der Krisenzeit. In: Furche online vom 6. Mai 2020.

(3) Siehe Arbeiterkammer Oberösterreich, Schwangere Arbeitnehmerinnen und Corona (30. März 2020).

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


2 Gedanken zu “Herbert Weiß: Muttertag in Zeiten von Corona

  1. Ad: „Während die Arbeiterkammer z. B. davon spricht, dass Schwangere dort nicht arbeiten dürfen, wo Schutzmasken getragen werden müssen, bzw. aus Bereichen mit erhöhten Kundenkontakt abgezogen werden müssen (3) …“ (H. Weiß)

    1. Wenn ich mir den Link anschaue, dann lese ich dort:
    „Schwangere sollten aus anderen Bereichen mit erhöhten Kundenkontakt (etwa Supermärkten oder Apotheken) möglichst abgezogen und im Betrieb anderweitig eingesetzt werden.“

    Aus einem „sollen“ bei der Arbeiterkammer (welches im nachfolgenden Satz noch relativiert wird: „Ist das aus organisatorischen Gründen nicht möglich, müssen unbedingt folgende Hygienemaßnahmen eingehalten werden: …“) wird bei Koll. Weiß flugs ein „müssen“.

    2. Was das Arbeitsverbot mit Schutzmasken für Schwangere betrifft, so führt H. Weiß seine Leser in die Irre, indem er einen Sachverhalt nahelegt, den es gar nicht gibt. Die Arbeiterkammer schreibt nämlich ausdrücklich: „Herkömmliche OP-Masken gelten nicht als Atemschutzmasken.“ Nur solche Masken (also ohne Filter) werden aber in den Schulen verwendet. Das Thema Arbeitsverbot für Schwangere + Schutzmasken stellt sich Lehrerinnen also gar nicht.

  2. Und was ist mit folgender Passage?
    „In Bereichen, in denen der Schutzabstand sicher nicht eingehalten werden kann – so in in der Pflege oder der Kleinkinderbetreuung – dürfen Schwangere nicht eingesetzt werden.“
    Wenn man glaubt, dass man SchülerInnen dazu bringen kann, die Abstände generell einzuhalten, hat man wenig Ahnung von der Schulrealität.

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