„Ein relativ hohes Risiko“

Der „normale“ Schulbetrieb soll langsam wieder hochgefahren werden – ab 4. Mai mit den MaturantInnen, ab 18. Mai mit den SchülerInnen der Primar- und Sekundarstufe I und ab 3. Juni mit den SchülerInnen der Sekundarstufe II.

Um die Ansteckungsgefahr zu senken, soll jeweils nur die Hälfte der SchülerInnen anwesend sein, und in einem Hygienehandbuch werden weitere Empfehlungen zum Schutz vor einer COVID-19-Ansteckung gegeben wie etwa:

Eine Ansammlung von Menschen beim Eintreffen in der Einrichtung ist auf jeden Fall zu vermeiden. […]

Sollten mehrere Personen zur selben Zeit bei der Bildungseinrichtung eintreffen, ist durch ein Leitsystem (z. B. Bodenmarkierungen) zu gewährleisten, dass der notwendige Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. […]

Hände waschen! Jede Person muss sich unmittelbar nach Betreten der Einrichtung gründlich mit Wasser und Flüssigseife die Hände waschen (mind. 30 Sekunden, die Wassertemperatur spielt dabei keine Rolle). Alternativ ist die Verwendung von Händedesinfektionsmitteln möglich. […]

Abstand halten! Wahren Sie eine dauerhafte Distanz von mindestens einem Meter zwischen Ihnen und einer anderen Person. […]

Hände waschen! Das gründliche Händewaschen gilt nicht nur nach Betreten der Einrichtung, sondern soll den gesamten Tag über mehrmals durchgeführt werden […] Auch vor dem Wechsel in einen anderen Raum sollten immer die Hände gewaschen werden. […]

Während der Pause: […] Die Dichte im Gangraum und die Durchmischung mit Schüler/innen anderer Klassen sollen jedenfalls reduziert werden.“ (1)

Diese Empfehlungen sind zweifellos sinnvoll, werden aber in der Schulpraxis vielfach nicht umgesetzt werden können. Selbst bei halber Belegung besuchen hunderte SchülerInnen ein durchschnittliches Gymnasium. In älteren Schulen gibt es oft noch ein (Zahlwort) Waschbecken im Klassenraum, in neuen meist keines. Da muss man dann zum Waschen der Hände auf die Toilette ausweichen – natürlich unter Einhaltung des Abstands und ohne „Vermischung“ mit SchülerInnen anderer Klassen.

Wir alle sehnen uns nach Normalität. Das Hochfahren des Schulbetriebs in dieser Form aber hat Paul Kimberger, der Vorsitzende der ARGE LehrerInnen in der GÖD, treffend so charakterisiert: „Die Gruppen sind mir zu groß, das Tempo ist mir zu hoch, aber das ist wahrscheinlich dem Druck der Öffentlichkeit und der Politik der letzten Tage geschuldet.“ (2) Die Regierung gehe „ein relativ hohes Risiko ein“. (3)

(1) BMBWF (Hrsg.), Hygienehandbuch zu COVID-19. Teil 1: Empfehlungen des BMBWF zum Schutz vor einer COVID-19-Ansteckung in elementarpädagogischen Einrichtungen und Schulen (Wien 2020), S. 6-9.

(2) Ö1-Mittagsjournal vom 24. April 2020.

(3) Zit. n. Schulstart auf Raten. Erleichterung und Sorge über Pläne. In: ORF online am 24. April 2020.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


12 Gedanken zu “„Ein relativ hohes Risiko“

  1. Den Unterrichtsminister beneide ich nicht – er muss irgendwas tun, und egal, was das ist, er wird immer kritisiert werden.
    Ich frage mich zum Beispiel, über den Tellerrand der AHS hinausblickend, wie das eigentlich mit den Berufsschulen ist? Da muss es doch auch einen Jahrgang geben, der heuer die Gesellenprüfung macht. Wenn nun die Gymnasiasten die Matura halb geschenkt bekommen, gilt das dann auch z.B. für Elektriker und deren Lehrabschlussprüfung? Wenn mir in ein paar Jahren ein jung aussehender Elektriker einen neuen FI-Schalter oder eine neue Steckdose montiert, soll ich ihn dann fragen, ob er eh kein Jahrgang 2020 ist? Weil bei der Matura ist es eigentlich wurscht, aber beim Strom, da bin ich lieber vorsichtig …

  2. Nur sehr ungern mache ich das, aber auch auf die Gefahr hin, lästig zu wirken, möchte ich hier meinen Kommentar von letzter Woche leicht abgeändert wiederholen, weil mir dies wirklich wichtig ist.

    Das SARS-Cov2-Virus wird uns noch lange Zeit beschäftigen und der Alltag wird sich damit irgendwie arrangieren müssen, auch die Schulsituation wird in den nächsten Monaten (und vielleicht länger) anders sein, als wir es seit Jahren und Jahrzehnten gewohnt sind. Eine richtige Lösung wird nicht zu finden sein; egal, welche Vorkehrungen man trifft, es wird immer jemanden geben, der einen anderen Vorschlag hat – nur ob dieser besser ist, könnte man erst in der Zukunft sagen.

    Dennoch – und jetzt mein wiederholter Appell – findet sich in den Medien immer häufiger der Begriff „Hochfahren“ im Zusammenhang mit dem langsamen Aktivieren der Wirtschaft etc.

    Warum sollte dieser Begriff auch im Kontext der Schulwelt tunlichst vermieden werden? Es handelt sich hierbei nämlich um eine Entlehnung eines schlampig gebildeten Kompositums aus dem mittel- und norddeutschen Sprachraum, wo zwischen „hinauf“ und „hoch“ fälschlicherweise nicht unterschieden wird. (Prinzipiell müsste es nämlich „Hinauffahren“ lauten.) Deutlich wird dies in dem Wort „Herunterfahren“, das korrekt verwendet wird – man sagt hier ja auch nicht „Tieffahren“, was das eigentliche Pendant zu „Hochfahren“ sein müsste.

    Stattdessen „Neustart“, „Aktivieren“ oder schlicht und einfach „Öffnung“ zu verwenden, wäre optimal.

    Wir müssen auf unsere Gesundheit aufpassen – und nebenbei auch auf unsere Sprache.

  3. Es gibt keine Alternative zur Gesundheit. Der Sars-Cov2-Virus ist extrem ansteckend und resistent. Das bestätigt der hochanerkannte Immunologe aus dem Tessin A. Lanzavecchia, ebenso Jürgen Drosten. Darum ist der von BM Faßmann gewählte Weg zu gefährlich. Ich kann mich Eckehard und Paul Kimberger nur anschließen. Anfahrten in Öffis, Gänge in den Schulen, Pausenräume, Konferenzzimmerflächen machen ein Social distancing bei der gewählten Vorgangsweise praktisch unmöglich. Der Hygienekatalog ist schön, aber er wird nicht umsetzbar sein. Der Schutz der Lehrer/innen hat in der Diskussion erschreckend wenig Raum. Die Oberstufe hätte man sicher zu Hause lassen können und für die Primar- und Sekundarstufe I bessere Lösungen finden können. Die Abschlüsse der SuS in den diversen Einrichtungen hätten als Hauptrichtung gereicht. Falls die Infektionszahlen wieder nach oben gehen und ein Zurückrudern alternativ los wird, kann die Sache sehr ungemütlich werden.

    1. Was für Vorschläge haben Sie für das Wintersemester, wenn der Virus am 1. September immer noch „extrem ansteckend und resistent“ ist?

      So wie jetzt im Mai / Juni – mit 50% Unterrichtszeit – kann es im Herbst jedenfalls nicht weiter gehen. Wenn wir Lehrer uns auf die Dauer damit zufrieden geben, dass die Hälfte des Lehrplans eh für die Katz‘ ist, dann begraben wir unseren Beruf wegen Unglaubwürdigkeit. Und die Matura sowieso. Außerdem gibt es da noch die Menschenrechtserklärung mit einem Recht auf Schulbildung …

      Also: Im Herbst schlägt die Stunde der Wahrheit, da geht nur noch hopp oder dropp: alles oder gar nichts. Wofür plädieren Sie, Kollege Fischer?

      1. Wenn die Zahlen im Winter oder auch schon vorher spürbar ansteigen (so die durchaus nachvollziehbare Einschätzung von Jurgen Drosten in der ZIB 2 von gestern) wird man die Schule wieder schließen müssen. Das ist doch klar oder wollen Sie ihr Leben und das Leben vieler KollegInnen bzw. SchülerInnen riskieren? Dann geht distance learning weiter.

  4. Ich empfinde es als höchst problematisch, dass die SchülerInnen in den Klassenräumen keine Maske tragen müssen. Jeder Lehrer kennt die Situation von hustenden und niesenden Kindern, die ihre Viren im gesamten Raum ausbreiten, weil sie die Hand nicht rechtzeitig vorhalten. Auch das Lüften ist bei uns ein Problem, da die Fenster bei uns zur Sicherheit der Kinder geriegelt sind und somit nur 10 cm weit aufgehen und damit kein wirklicher Luftaustausch stattfindet.Ich bin echt gespannt, wie die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen irgendwie eingehalten werden können …

  5. Das Virus ist Monate nach dem Ausbruch nach wie vor existent.
    Bis jetzt hatten etwa 0,2% unserer Bevölkerung Kontakt mit dem ihm. Es ist nicht ausgelöscht, sondern es gibt nach wie vor Infizierte, die andere anstecken können.
    Das Risiko einer nochmaligen Ausbreitung ist praktisch identisch mit dem vor 2 Monaten, nur dass inzwischen 150.000 Arbeitsplätze vernichtet wurden und sehr viele Menschen vor der Ruine ihrer bisherigen Existenz stehen, Essen und Wohnung nicht mehr bezahlen können und dass man jetzt das Versagen bisheriger Politik wieder einmal vor Augen geführt bekommt – natürlich ohne Konsequenzen für die Verursacher und die, die davon profitieren. Stichwörter: Kaputtsparen des Gesundheitswesens, Kaputtsparen im Schulwesen, Kaputtsparen im öffentlichen Dienst generell (Wie sollen denn alle Anträge auf Unterstützung jetzt bearbeitet werden, wenn Verwaltung per se schlecht und Geldvernichtung sein soll), Steuerflucht, Abhängigkeit von Lohnsklaven in Fernost, Geringschätzung und Unterbezahlung von Pflegekräften (darum haben wir ja zu wenige), Ruinierung der heimischen Landwirtschaft usw.
    Viele werden jetzt eine Kerze in der Kirche aufstellen als Dankeschön dafür, dass unsere Ibizaner samt ihrem strahlenden Promotor vor knapp einem Jahr aus der Regierung geflogen sind – kurz vor der parlamentarischen Beschlussfassung der Abschaffung der Notstandshilfe und Einführung von Kurtz IV. Ach ja, die Verachtung von und das Hintreten auf Arbeitslose macht jetzt vorübergehend Pause – immerhin etwas Gutes, auch wenn die Betroffenen sich davon nichts kaufen können.
    Man hat halt etwas gemacht, um eine große Gefahr einzudämmen, die man nicht unterschätzen dürfe (nein, ich unterschätze sie auch nicht und verharmlose auch nicht), damit das dann in den Medien als sinnvolle Maßnahme dargestellt wird, wofür letztere auch Presseförderung erhalten bzw. keine Presseförderung, wenn sie kritische Fragen stellen.
    Wie hoch das Ansteckungsrisiko und vor allem wie groß die konkrete Gefahr für unser aller Gesundheit tatsächlich ist, können Ärzte sicher wesentlich besser beurteilen als Präsentatoren von Exponentialfunktionen.
    Und jetzt machen wir das, was wir vor 2 Monaten auch schon machen hätten können: Distanz halten – mit Maß und Ziel – ohne einen weiteren Shutdown, der uns nicht nur nichts bringt, sondern ein böses Ende für viele nehmen und letztendlich die Kräfte derer fördern wird, die Europa wieder in eine finstere Zeit führen.

  6. Aber ehrlich, eigentlich hätte sich da die Gewerkschaft rechtzeitig dafür einsetzen müssen, dass es nicht so kommen kann, und nicht im Nachhinein erklären, was alles nicht machbar ist.
    Bin persönlich ziemlich enttäuscht, denn auf die Sicherheit der Lehrpersonen wurde hier völlig vergessen. Auch auf Lehrpersonen, deren eigene Kinder nun in den Schulen betreut werden müssen, weil die Eltern nach ursprünglichem Stundenplan täglich in der Schule sein werden, um am Vormittag die Unterstufe und zusätzlich am Nachmittag die Oberstufen weiterhin über Distance Learning zu unterrichten. So wird keine sogenannte Ausdünnung umsetzbar sein…

    1. Es gab wohl noch nie eine Situation, in der die Sichtweisen so unterschiedlich waren wie derzeit. Wir trachten, die extrem unterschiedlichen Sichtweisen der KollegInnen auf einen Nenner zu bringen und der Politik zu vermitteln und stoßen auch dort auf eine Vielfalt von Sichtweisen und Meinungen. Wichtig erscheint mir, dass wir die Situation gemeinsam meistern, auch dadurch, dass wir einander vertrauen und den vollen Einsatz glauben.

  7. Mich würde ja interessieren, wann die Gewerkschaften endlich einmal agieren, um auch das Personal zu schützen! An vorderster Front stehend, mit dem eigenen Desinfektionsflascherl bewaffnet , ja wir gehen sicher sparsam damit um, keine Sorge, beschulen wir, oder maßregeln ( setz endlich diese Maske auf!) oder bespaßen die nur zu betreuenden Kinder mit Witzen oder so, weil spielen dürfen sie ja nicht.
    Und wie viel Hausübung muss man ihnen eigentlich geben, damit sie 5 Schultage lang beschäftigt sein können??? Wohl gemerkt, nicht mehr digital bitte, weil in den Schule gibt es ja sowieso nie genügend Geräte dafür. Und am besten macht das dann der Turnlehrer ( hat ja nichts zu tun) im Turnsaal ( einzig freier Raum), ohne Bewegung natürlich.
    Und ja, ich kann leider bei der „Verdünnisierung“ nicht mithelfen – meine Kinder müssen als Volksschulkinder in die Betreuung gehen…
    Ich überlege jetzt den Austritt aus der Gewerkschaft übrigens- zahle seit vielen Jahren brav meinen Beitrag. Sollte ich besser in eine private Krankenversicherung investieren…

    1. Es gab wohl noch nie eine Situation, in der die Sichtweisen so unterschiedlich waren wie derzeit. Wir trachten, die extrem unterschiedlichen Sichtweisen der KollegInnen auf einen Nenner zu bringen und der Politik zu vermitteln und stoßen auch dort auf eine Vielfalt von Sichtweisen und Meinungen. Wichtig erscheint mir, dass wir die Situation gemeinsam meistern, auch dadurch, dass wir einander vertrauen und den vollen Einsatz glauben.

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