Herbert Weiß: Schutz für das Gehirn

Im „Turnunterricht“ meiner Schulzeit und in meiner Freizeit hat Fußball eine große Rolle gespielt. Dabei standen der Spaß an der Bewegung, der gemeinsame „Kampf“ gegen die andere Mannschaft und unser Bewegungsdrang im Vordergrund. Über negative Folgen von Kopfbällen haben wir uns keine Gedanken gemacht.

Laut Medienberichten hat der englische Fußballverband zur Vermeidung von Folgeschäden für das Gehirn nun radikale Maßnahmen gesetzt. Demnach sind Kopfballübungen für Kinder im Grundschulalter generell verboten. Danach sollen Kopfbälle ab der U12 nur selten trainiert und im Bereich der U18 „so weit wie möglich“ reduziert werden. (1)

Halte nur ich die Reaktion unseres eigenen Fußballverbandes für typisch österreichisch? Man spricht nämlich davon, dass das Thema bei uns schon längere Zeit diskutiert werde, dass man über die Verwendung von „Light-Bällen“ nachdächte und sich eine europaweite Lösung erwarte. (2)

Erinnert dieser Umgang mit offensichtlichen Gefahren nur mich an das Thema Handyverbot? In beiden Fällen gibt es Studien, die die negativen Folgen belegen. In beiden Fällen scheint man die Gefahren nicht ganz ernst zu nehmen und schiebt die Verantwortung von sich. In beiden Fällen scheint der Mut zur Entscheidung zu fehlen.

Kinder von modernen Technologien fernzuhalten, ist sicher nicht im Sinn unserer Jugend. Es wird aber stark auf die Dosis und auf den richtigen Zeitpunkt für den Erstkontakt ankommen. Die Forderung Paul Kimbergers nach einem restriktiven Umgang mit Handys in den Grundschulen kann ich nur voll und ganz unterstützen. (3)

Für die höheren Schulen setze ich auf autonome Lösungen an den einzelnen Standorden, bei denen die Lehrpersonen über den Einsatz im Unterricht selbst entscheiden können. Doch hier müsste dann gelten, was im Fußball selbstverständlich ist: TrainerInnen oder SchiedsrichterInnen brauchen mit den SpielerInnen bei Verstößen nicht lange zu diskutieren. Es gibt klare Regeln und ebenso klare Konsequenzen. Für die Regeln will man die Schulen verantwortlich machen. Dass man uns aber zur Ahndung von Regelverstößen ein praxistaugliches Maßnahmenpaket in die Hand gibt, fordern wir von der Politik schon seit langem – bisher leider vergeblich. Es scheint der Politik an Mut zu fehlen.

(1) Siehe Kein Kopfballtraining für Kinder in England. In: ORF online vom 24. Februar 2020.

(2) Siehe Mehr Vorsicht bei Kopfball-Training. In: ORF online vom 29. Februar 2020.

(3) Siehe Philipp Hirsch und Michael Schäfl, „Konzentrationskiller“: Lehrer fordern Handyverbot an Schulen“. In: Oberösterreichische Nachrichten online vom 25. Februar 2020.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


3 Gedanken zu “Herbert Weiß: Schutz für das Gehirn

  1. Scheitert ein „praxistaugliches Maßnahmenpaket“ am Widerstand der Eltern? Wenn nein, ist es zügig umzusetzen und die Politik muss nicht bemüht werden. Wenn ja, ist es die Folge einer jahrzehntelangen bildungspolitischen Fehlentwicklung, bei der in kleinen Schritten die ursächlichen erzieherischen Aufgaben der Eltern auf die Schulen übertragen wurden. Für mich als Außenstehenden ist auch der Eindruck entstanden, dass Arbeitgeber Staat seinen Lehrern nicht zur Seite steht, wenn es im Konflikt mit Eltern einmal eng wird. Ganz im Gegenteil. Lehrer werden oft zu einem Kotau gegenüber Eltern und Kindern gezwungen, wenn die Eltern nur vehement genug auftreten.

  2. Das ist nicht nur ein Problem bei unserem europäischen Fußball, sondern insbesondere auch beim American football. Googelt man „head injuries“ + „football“, dann erzielt man über zwei Millionen Treffer.

    „Es scheint der Politik an Mut zu fehlen“, schreibt Herbert Weiß im letzten Satz. Woran fehlt es aber den Eltern, die ihre Kinder solchen Gefahren aussetzen, wenn sie sie in die entsprechenden Sportvereine schicken? Oder sind, erbbiologisch gesehen, die Kinder von Eltern, die kein Hirn haben, sowieso nicht gefährdet?

  3. Anstelle des „Schutzes für das Gehirn“ würde mich eher interessieren, welche konkreten Begrüßungs- und Umgangsformen zum Schutz vor möglicher Ansteckung durch das Coronavirus an den Schulen tatsächlich durchführbar sind und empfohlen werden. Das Epidemiegesetz beinhaltet lediglich das Melden von sog. Verdachtsfällen.

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