Gudrun Pennitz: „Er ist ein Gamer, Frau Professor!“

Zwei schulische Episoden kommen mir bei den Frohbotschaften, dass sich unsere SchülerInnen (auch) dank YouTube in Englisch stark verbessert haben, in den Sinn: Vor ungefähr 10 Jahren äußerte erstmals ein halbwüchsiger Schüler im Englischunterricht den Berufswunsch „YouTuber“. Ich Ahnungslose fühlte mich erst verschaukelt und war dann, nach näherer Erkundigung, verblüfft: Man konnte offenbar dadurch reich werden, dass man sich bei irgendwelchen „Faxen“ filmen ließ und dies auf YouTube stellte. Auf Englisch natürlich.

Noch beeindruckender finde ich den „Fall“ meines ehemaligen Schülers T. Dessen stetig anwachsender Wortschatz fiel mir als seiner Englischlehrerin zunächst gar nicht auf, mundfaul, wie er war. Am Ende des Jahres stach seine Englischnote aber als einzige gute Note aus einer Reihe miserabler anderer Beurteilungen heraus. Auf mein Nachfragen, welchen Grund denn eigentlich sein besonderes Faible für Englisch habe, bekam ich eine Antwort, die mich zwar etwas ernüchterte, die aber vorwegnahm, was nun wissenschaftlich untermauert wird.

Die Jugendlichen sind im Englischen angekommen, weil sie sich ihre Serien auf Englisch streamen, ihre YouTube-Videos inhalieren, vermehrt englische Bücher lesen – und weil sie auf Englisch „gamen“. Vor allem deshalb.

„Er ist ein Gamer“, klärten mich seine Freunde auf, als ich das permanente Schwänzen meines besten Englischschülers bedauerte. Auch diesmal musste ich nachfragen, und diese Antwort tat am meisten weh: Jugendliche verbringen offenbar halbe bis ganze Nächte mit Online-Spielen. Auf Englisch natürlich.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gudrun Pennitz: „Er ist ein Gamer, Frau Professor!“

  1. Es ist mir nicht gelungen, im Netz einen (internationalen) Ländervergleich des neuen Bildungsstandard-Tests in Englisch zu finden. Wenn wirklich die neuen Medien für die Verbesserung hauptverantwortlich sind, dann müsste sich das ja in allen Ländern niederschlagen, d.h. Österreich seine relative Position behalten: Das wäre wie mit der Flut, die alle Schiffe in einem Hafen gleichermaßen steigen lässt.

    Beachtenswert ist der Umstand, dass sich die NMS-Schüler signifikanter verbessert haben als die Gymnasiasten. Dieser Umstand würde einen zweiten Blick verdienen. Womöglich steckt da das segensreiche Wirken der gymnasialen Zweitlehrer dahinter? (Scherz)

    Dass 14-jährige heutzutage „vermehrt englische Bücher lesen“, wie Koll. Pennitz meint, glaube ich übrigens nicht. Wieso sollten ausgerechnet Bücher seit 2013 attraktiver geworden sein? (Der Harry-Potter-Hype ist schon lange vorbei.) Und woher sollten sie überhaupt die Zeit dafür nehmen, wo sie doch so viel streamen und gamen?

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