Herbert Weiß: Autonomie

Den Begriff „Schulautonomie“ können viele von uns LehrerInnen aufgrund negativer Erfahrungen schon gar nicht mehr hören. Den Schulen wurde die Aufgabe übertragen, selbst zu entscheiden, in welchen Bereichen man Kürzungen vornehmen „will“, um die von oben vorgegebenen Budgetziele erreichen zu können. Auf die Spitze getrieben hat man diese Vorgangsweise mit dem sogenannten „Autonomiepaket“: Da man die für die gesetzlich vorgegebenen Klassen- und Gruppengrößen nötigen Ressourcen nicht zur Verfügung stellen wollte bzw. konnte, hat man den Schulen die „Freiheit“ gegeben, die Klassen und Gruppen „autonom“ zu vergrößern.

An tatsächlicher Autonomie, die auf guter Zusammenarbeit aller Schulpartner beruht, scheint die Politik nicht interessiert zu sein. Das jüngste Beispiel für eine gut funktionierende Schulpartnerschaft ist die Forderung des Bundes-Schulgemeinschaftsausschusses in Form eines offenen Briefes. In ihm wurde eine Verlängerung des Zeitraums gefordert, in dem sich die Schulen autonom für oder gegen die NOST entscheiden können. (1) Fürchten sich manche davor, dass ihre „tolle“ Reform bei den Betroffenen auf wenig Akzeptanz stoßen und damit weitgehend in der Versenkung verschwinden könnte?

Reformen um der Reform willen hat Österreichs Schule mehr als genug erlitten. Reformen sind aus meiner Sicht nur dann berechtigt, wenn sie Verbesserungen im Schulsystem bewirken. Wer aber könnte das besser beurteilen und entscheiden als die Betroffenen an den Schulstandorten selbst?

Mein Appell an die PolitikerInnen lautet einmal mehr: Vertraut endlich den Betroffenen, und gebt ihnen endlich mehr Ressourcen, um für unsere Jugend mehr leisten zu können!

(1) Siehe Offener Brief des Bundes-Schulgemeinschaftsausschusses an BM Mag. Dr. Iris Rauskala vom 5. Dezember 2019.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Herbert Weiß: Autonomie

  1. „Mein Appell an die PolitikerInnen lautet einmal mehr: Vertraut endlich den Betroffenen, und gebt ihnen endlich mehr Ressourcen, um für unsere Jugend mehr leisten zu können!“ – Dies ist ja nicht mehr und nicht weniger als ein Appell, „Autonomie“ endlich beim Wort zu nehmen.
    Ich möchte ergänzen: Gebt den Betroffenen nicht nur mehr Ressourcen, sondern auch Kompetenzen (ausgebildete Lehrer/innen, z. B. in Sonderschulen) und Entscheidungsfreiräume (zurück).

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