Gudrun Pennitz: Wenn LehrerInnen Sterne sehen

Die Zeiten sind endgültig vorbei, da sich die Halbwüchsigen in der großen Pause in den Schul-WCs zusammenrotteten, um heimlich zu rauchen und Leute auszurichten. Mit dem Smartphone in der Hand wird nun aus- und eingeteilt. „Bewerte unsere Leistung!“, heißt die Devise. Das Airbnb-Zimmer war nicht sauber genug? Zwei von fünf Sternen vergeben! Das Handykabel erst nach einer Woche geliefert? Drei Sterne am Handy angetippt! Die Chemie-Lehrerin konnte die Formel nicht so erklären, dass alle sie auf Anhieb verstanden, und ist dann auch noch patzig geworden? Zwei Sterne!

Halt! Stopp! Wieso werden LehrerInnen wie eine Ware oder ein Versandhändler mit Sternen bewertet und ihre Grundrechte in nie dagewesener Weise missachtet? Die nun präsentierte LehrerInnen-Bewertungs-App macht’s möglich. Der völlig berechtigte Aufschrei der Lehrergewerkschaft wird von einigen Medien und links-„progressiven“ StandesvertreterInnen zwar als typische Blockiererei abgetan, doch eine Tatsache müsste doch allen zu denken geben: Wer steckt hinter dieser mysteriösen Investorengruppe, die einen Schüler als Privatperson vorschiebt und diese App finanziert? Wer hat ein Interesse daran, dass ein seriöses, dem Datenschutz gerecht werdendes Schüler-Feedback, das ja von vielen KollegInnen längst gelebt wird, durch eine anonyme Bewertungs-App ersetzt wird? Sind das womöglich dieselben internationalen Konzerne, die längst daran gegangen sind, LehrerInnen durch Computer-Software zu ersetzen, und jetzt schon Milliarden an ihren Lernprogrammen verdienen?

Wir werden es erfahren – und uns wehren.

P.S.: Ersten Rückmeldungen zufolge könnte das Geschäftsmodell dieser App eine groß angelegte Handynummernsammelaktion sein. Zur Registrierung bedarf es nämlich keines Beweises, dass man tatsächlich SchülerIn der/des zu Bewertenden ist. Handynummer genügt …

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


4 Gedanken zu “Gudrun Pennitz: Wenn LehrerInnen Sterne sehen

  1. Am Freitag Kimberger im Mittagsjournal – „Unsere Juristen werden das prüfen“ – am Samstag Quin – „Wir werden uns wehren“: das ist genau das Bild der Lehrergewerkschaft, welches zumindest manche Teile der Bevölkerung haben: Betonierer mit Glaskinn.

    In der Sache selber bleiben beide Vertreter die Antwort auf das Kernargument schuldig: Wieso müssen es sich z.B. Ärzte gefallen lassen, bewertet zu werden, Lehrer aber nicht?

    Taktisch folgt Quin übrigens dem Vorbild von Strache nach Ibiza: Interessant ist nicht der Inhalt, interessant sind die Hintermänner.

    Dabei hätte man auch ganz anders vorgehen können:
    Natürlich unterstützen wir Lehrer das Anliegen der Schüler, in Sachen Schule ihre Meinung äußern zu können – wieso aber Halt machen bei den Lehrern? Wieso sollen Schüler nicht auch ihre Mitschüler bewerten können, z.B. in Sachen sozialer Kompetenz?
    Die Eltern zum Beispiel hätten zweifellos Interesse an solchen Bewertungen, wenn die halbwüchsige Tochter mit ihrem neuen Freund ankommt – man geniert sich ja doch irgendwie, von dem gleich das letzte Semesterzeugnis zu verlangen, um sich irgendeinen Eindruck zu verschaffen. Wenn der aber nur zwei oder höchstens drei Sterne von fünf möglichen in Sachen Sozialkompetenz bekommen hat, dann hat man als Vater oder Mutter doch gleich ein stichhaltiges Argument in der Hand, um seine Bedenken zu untermauern …

    1. Ärzte werden von Einzelpersonen beurteilt! Und wenn das Urteil von mehreren Personen, die sich untereinander üblicherweise nicht kennen, in eine ähnliche Richtung geht, so hat das eine gewisse Aussagekraft.
      In einer Schulklasse kommen jedoch gruppendynamische Effekte zum Tragen, die für eine objektive Beurteilung wahrscheinlich hinderlich sind.
      Die Gefahr, dass damit mehr Probleme geschafft als gelöst werden, ist einfach zu groß.

  2. stellen wir es uns mal umgekehrt vor…wir machen das mit den SchülerInnen…was gäbe es da für einen Aufschrei..Datenschutz, Menschenwürde, Persönlichkeitsrechte, etc….wir dürfen ja nicht mal mehr in der Klasse die Schularbeitennoten vorlesen….

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