Herbert Weiß: An meinen Vater gedacht

In der Zeit rund um Allerheiligen und Allerseelen denken wohl viele von uns noch öfter als sonst an ihre verstorbenen Angehörigen. In diesen Wochen bin ich viel in ganz Österreich unterwegs und werde bei Veranstaltungen immer wieder an meinen verstorbenen Vater erinnert, der bis zu seinem Tod ein engagierter Gewerkschafter war. Von ihm hat meine DNA das Personalvertreter- und Gewerkschafter-Gen.

Meine Mutter, mein Bruder und ich mussten meinen Vater mit vielen seiner KollegInnen teilen. Wenn er endlich einmal zu Hause war, hat er sich aber intensiv seiner Familie gewidmet. Dies und die vielen positiven Rückmeldungen über sein Engagement, die uns stolz machten, haben viel von der Zeit wettgemacht, die er uns nicht widmen konnte.

In meiner Jugend haben manche seiner Äußerungen in mir Widerstand erzeugt. Oft konnte ich nicht verstehen, dass er verschiedenste Entwicklungen aufgrund seiner Erfahrung anders als ich bewertete. Je älter ich werde, desto öfter bedauere ich, ihm nicht sagen zu können, dass ich sehr viele seiner Einschätzungen inzwischen teile. In einem Punkt waren wir uns aber von Anfang an einig: bei der Bedeutung von Interessensgemeinschaften und dem persönlichen Engagement der Personen, die ihnen angehören.

Gerade in der heutigen Zeit funktioniert im sozialen Bereich vieles nicht ohne Freiwilligenorganisationen. In der Arbeitswelt, in der viele unter zunehmendem Druck und Stress leiden, sind Gewerkschaften von größter Bedeutung. Meinen Vater würde kränken, dass ihre Mitgliederzahlen international leider stark rückläufig sind. ArbeitgeberInnen gelingt es leider immer öfter, DienstnehmerInnen zu entsolidarisieren und dadurch zu isolieren. Stolz wäre mein Vater darauf, dass wir in Österreich zum Glück in einer besseren Situation sind, dass der Prozentsatz an Gewerkschaftsmitgliedern im internationalen Vergleich hoch ist. Dass dies für die Lehrergewerkschaft im besonderen Ausmaß gilt, brächte uns seine begeisterte Anerkennung. Schon an meinem ersten Tag als Lehrer hat mir mein Vater klargemacht, dass der Beitritt zur Gewerkschaft selbstverständlich ist, weil eine Gewerkschaft nur stark und erfolgreich sein kann, wenn sie das Vertrauen vieler Mitglieder genießt.

Den Großteil unserer KollegInnen hinter uns zu wissen, stärkt uns in unserer Arbeit enorm. Herzlichen Dank dafür!

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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