Gudrun Pennitz: Mehr Geld fürs Gymnasium!

Die künftigen Koalitionsverhandlungen – welcher Parteien auch immer – werden sich früher oder später auch dem Kapitel Bildung widmen. Und dann wird es so richtig spannend für uns AHS-LehrerInnen.

Der Erhalt des differenzierten Schulwesens stand trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse (1), die gegen eine gemeinsame Schule sprechen, in Österreich seit der Jahrtausendwende schon mehrmals auf des Messers Schneide. Dank dem perfekten Zusammenwirken von PV und Gewerkschaft konnte die Langform des Gymnasiums gerettet werden, obwohl das nur mehr wenige für möglich hielten.

Das Geld, das dem Gymnasium von Unterrichtsministerinnen, die die AHS liquidieren wollten, systematisch entzogen wurde, muss uns nun aber zurückgegeben werden! Wenig bekannt ist zum Beispiel die Tatsache, dass zwischen 2012/13 und 2015/16 die Ausgaben pro SchülerIn insgesamt zwar um 10,7 % erhöht, die für AHS-SchülerInnen aber um 1,4 % reduziert wurden – eine Benachteiligung der AHS um mehr als 12 % innerhalb von nur drei Jahren! (2)

Das Bildungsreformgesetz von 2017, das ohne die Zustimmung der Lehrervertretung beschlossen wurde, bietet die „ideale“ Basis dafür, das Gymnasium auch in Zukunft und mehr denn je auszuhungern. Die beschönigenden Leitbegriffe „Freiheit für die Schulen, Transparenz fürs System, Modellregionen für die gemeinsame Schule“ (3) bedeuten für uns in Wahrheit Mangelverwaltung, vielerorts das Fehlen kompetenter AnsprechpartnerInnen in den neu gebildeten Bildungsdirektionen und die immer noch drohende Gesamtschule.

Allzu offensichtlich hat man bei der Planung dieses neuen Gesetzes das differenzierte Schulwesen mit seinen unterschiedlichen Schularten nicht mehr „mitgedacht“. Von der neuen LehrerInnenausbildung gar nicht zu sprechen, deren negative Auswirkungen wir noch lange spüren werden.

Im Moment können wir nur hoffen, dass am Verhandlungstisch echte Fachleute aus der Praxis Platz nehmen. Dringend notwendige Korrekturen stehen an!

(1) Siehe http://www.bildungswissenschaft.at/index.php/zitate-g-bis-j/gesamtschule-differenzierung.

(2) Siehe BIFIE (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015, Band 1 (2016), S. 47 und BMBWF (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2018. Band 1 (2019), S. 55.

(3) Siehe https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/autonomie/index.html.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gudrun Pennitz: Mehr Geld fürs Gymnasium!

  1. Ad: „Das Geld, das dem Gymnasium von Unterrichtsministerinnen, die die AHS liquidieren wollten, systematisch entzogen wurde, muss uns nun aber zurückgegeben werden!“ (G. Pennitz)

    Ab heuer sind alle Junglehrer im neuen Dienstrecht – ob sie wollen oder nicht.
    In den letzten paar Jahren konnten sie noch wählen: Die jungen Pflichtschullehrer votierten fast alle fürs neue Dienstrecht, die jungen AHS/BHS-Lehrer fast alle fürs alte.

    Die deutlich höhere Lehrverpflichtung im neuen Dienstrecht an AHS/BHS bedeutet, dass sich das Ministerium ab sofort einen Haufen Geld erspart, der automatisch immer größer wird durch die Pensionierungen der „Altlasten“. Dieses Geld sieht die AHS niemals wieder.
    Die Lebensverdienstsumme im neuen Dienstrecht für AHS/BHS ist ebenfalls geringer als im alten Dienstrecht. Dieses Geld sieht die AHS niemals wieder.

    Von diesen Aspekten redet die (AHS-)Gewerkschaft nicht gerne, denn das war ihre größte Niederlage in den letzten Jahren.

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