Herbert Weiß: Das Bohren harter Bretter

Bei einem meiner ersten Termine als Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft wurde ich gegen Ende des Kalenderjahres 2016 in das damalige Unterrichtsministerium eingeladen, um über die Adaptierung der NOST zu sprechen. Wir waren uns von Anfang an einig, dass es an der Zeit sei, Verbesserungen des Systems möglichst schnell festzulegen und ins Laufen zu bringen …

Inzwischen habe ich gelernt, dass eine Einigung über Verbesserungsvorschläge nicht automatisch zu deren Umsetzung führt – schon gar nicht zu einer schnellen. Damals hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass die NOST auch auf höherer Ebene generell in Frage gestellt werden könnte. An der Basis war das längst der Fall. Auf politischer Ebene wurde uns die NOST aber noch als das heilbringende System für jene verkauft, die im alten System aufgrund von Schwächen in einzelnen Fächern Klassen wiederholen müssten oder sogar zum Aufgeben gezwungen würden.

Inzwischen hat man im Bildungsministerium aber umgedacht. Die NOST wird nun auch dort nicht mehr ganz so unkritisch gesehen. Im Frühjahr 2018 wurde die Möglichkeit einer weiteren Verschiebung der Einführung bzw. des Ausstiegs eröffnet. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass das System bis spätestens Ende 2019 zu evaluieren sei. Verbesserungen der Rechtslage sollen so zeitgerecht vorgeschlagen werden, dass sie bis zur endgültigen Einführung der NOST in Kraft gesetzt werden können. (1) Auch unsere Forderung nach der Übertragung der NOST in die Schulautonomie wurde inzwischen als ernsthafte Lösungsmöglichkeit akzeptiert.

Nun ist es allerhöchste Zeit für weitere Schritte. Da in die Evaluation zum Glück auch diejenigen einbezogen wurden, die davon wirklich betroffen sind, werden sich die Ergebnisse, die dem Ministerium vorliegen, wohl nicht allzu stark von denen unterscheiden, die uns vorliegen. Unsere Forderungen liegen auf der Hand:

  • Die Ergebnisse der Evaluierung müssen ernst genommen werden und zu einer Verbesserung des Systems führen.
  • Um für die Planung bzw. Umsetzung von Verbesserungen Zeit zu haben, ist als erster Schritt unbedingt die Verlängerung der Übergangsregelungen um ein weiteres Jahr erforderlich. Dieser Beschluss muss noch in diesem Kalenderjahr erfolgen.
  • Die kommende Regierung sollte endlich den Mut aufbringen, die von uns schon lange geforderte Verlagerung in die Schulautonomie in die Wege zu leiten.

Gleichzeitig muss weiter an der Beseitigung der „Kinderkrankheiten“ der NOST gearbeitet werden, was auch von jenen wenigen Schulen dringend eingefordert wird, die die NOST positiv sehen.

(1) Siehe § 82e Abs. 4 SchUG.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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