Herbert Weiß: Äpfel mit Birnen vergleichen

Kaum war die neueste Ausgabe von „Education at a Glance“ erschienen, gab es in den Medien schon die ersten Berichte, die uns LehrerInnen nachsagten, dass wir im internationalen Vergleich wenig arbeiten, aber viel verdienen würden. Es wurde sogar behauptet, dass die Kosten pro SchülerIn in der AHS-Oberstufe OECD-weit an der Spitze lägen. (1)

Ob der Grund für solch irre Behauptungen darin zu finden ist, dass JournalistInnen oberflächlichen „Zusammenfassungen“ aufgesessen sind, oder ob man hier ganz bewusst Falschmeldungen streut, will ich hier nicht beurteilen. Die Fakten sehen freilich „etwas“ anders aus:

In der Hauptschule liegen die Kosten pro SchülerIn um 37 %, in der NMS gar um 51 % über denen, die pro AHS-UnterstufenschülerIn anfallen. Für BMHS-SchülerInnen wird pro Kopf um 32 % mehr ausgegeben als für AHS-OberstufenschülerInnen. (2) Dass die anderen Schularten diese Ressourcen benötigen, steht außer Zweifel, doch das Gymnasium braucht ebenfalls dringend mehr Mittel, um die steigenden Herausforderungen optimal bewältigen zu können.

Den Vergleich von Nominalkosten bei den Gehältern von LehrerInnen kann man grundsätzlich nur als groben Unfug bezeichnen. Die OECD selbst warnt vor solch unsinnigen Vergleichen: „Differences in the cost of living within countries were not taken into account.“ (3) Österreichs allgemeines Gehaltsniveau liegt nämlich kaufkraftbereinigt um ein Viertel über dem OECD-Schnitt und auch z. B. um 15 % über dem Finnlands. (4)

Der BIP-Anteil für das Schulwesen wurde seit der Jahrtausendwende um nicht weniger als ein Viertel verkleinert – und das trotz all der Aufgaben, die seit damals zusätzlich zu bewältigen sind.

Auch in unserer schnelllebigen Zeit erwarte ich mir von den Medien objektive Berichte auf Basis einer seriösen Recherche. Von der Politik erwarte ich mir, dass man nicht länger von den Versäumnissen der letzten Jahre abzulenken versucht und das Schulbudget endlich in einem Ausmaß erhöht, das den ständig größer werdenden Herausforderungen gerecht wird.

(1) Siehe Kosten der Lehrer pro Schüler in Österreich hoch. In: Presse online vom 10. September 2019.

(2) Siehe BMBWF (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2018. Band 1 (2019), S. 55.

(3) OECD (Hrsg.), Education at a Glance 2019 (2019), S. 267.

(4) OECD-Datenbank, Abfrage vom 11. September 2019.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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