Gudrun Pennitz: Gibt Opfas

Es gibt Menschen, die einem sagen, dass der den Tod verdient. Auf diese Idioten sollte man nicht hören.“ Zu diesem weisen Schluss gelangte ein 13-jähriger Schüler, dessen Klasse ich vor ein paar Jahren zu Schulschluss aufgefordert hatte, anonym die Klassengemeinschaft in Bezug auf Mobbing und den Umgang miteinander zu beurteilen.

Das Schuljahr war recht schwierig verlaufen, gab es doch etliche Reibereien und Mobbingvorfälle unter den Mädchen und Burschen, die derart ausarteten, dass ich als Klassenvorständin schließlich externe Hilfe in Anspruch nahm. Mehrere Wochen lang bemühte sich ein motivierter junger Mobbingberater um ein besseres Verständnis und Miteinander meiner halblustigen Drittklässler, bis er am Ende aufgab. Denn die Rädelsführer konnte er nicht erreichen, die blieben uneinsichtig.

Meine Frage an die Klasse lautete schließlich: „Hat sich euer Verhältnis zueinander gebessert?“ Die schriftlichen Antworten fielen eher ernüchternd aus, nicht nur, was deren sprachliches Niveau betraf:

Meistens sehr gut, nur durch diverses Mobbing an unbeliebten oder dicken Leuten wird es verschlechtert!

Meistens möchte ich dableiben, aber selten auch nicht.

Es gibt Kinder, die immer angeben, lügen und wenn sie die anderen mobben und wenn der Betroffene dann zum Bsp. zurückmault, petzt er es seinen Eltern und dabei lügt er und ist ja der, der selber schuld ist, weil er jemanden mobbt.

Die Kleinen brauchen mehr Respekt!!!

Die Einhaltung der Verhaltensvereinbarungen wird vom Lehrapparat nicht gut kontrolliert.

Das Mobbing in unserer Klasse ist für das gewöhnliche Auge nur schwer zu erkennen, da es meist nur in kleinen Dosen oder gar nicht zu stande kommt, die betreffende Zielperson fasst diese Umstände aber meist als kleine unnötige Bemerkung auf und erfreut sich dieser mit einem kurzen Zucken der Mundwinkel.

Jeder soll sich in seine eigenen Sachen einmischen.

Alle mobben mich, weil ich auf die Elli aus der 1.b stehe und ich finde das voll behindert, dass mich die anderen deswegen mobben.

Manche Schüler halten sich nicht daran, dass (man) kein Mobbing oder Gewalt anwenden darf, aber es sind sehr, sehr wenige, dass man sie leicht übersieht.

Manche Kinder mobben die kleineren und nicht so interligenten.

Gibt Opfas.

Diese zwei lapidaren Worte eines 13-Jährigen haben mich am schwersten getroffen. Sie stehen für eine Einstellung von noch halben Kindern, die ihre Welt in Opfer und TäterInnen einteilen, in VerliererInnen und GewinnerInnen. Dazwischen gibt es nichts.

Ob wir LehrerInnen es schaffen werden, ein Umdenken zu bewirken, hängt sehr vom Elternhaus ab, aber wohl auch zu einem Gutteil von schulpolitisch Verantwortlichen, die leider Gottes noch immer reflexartig alle Schuld bei den Lehrkräften suchen. Wir sind halt „Opfas“.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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