So ruhig und still …

Schon als Jugendlicher habe ich Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ gelesen. Das Ende des Romans, das ich noch heute zitieren kann, berührte und berührt mich zutiefst, weil es die Bedeutungslosigkeit eines Menschenlebens im Krieg mit einem einfachen Satz zum Ausdruck bringt. Über den Protagonisten, einen jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg, mit dem man über fast 300 Seiten mitgefiebert hat, heißt es ganz schlicht:

Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, daß der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.

Im Beinhaus von Douaumont ruhen die sterblichen Überreste von rund 130.000 Gefallenen, die nach der Schlacht von Verdun 1916 nicht identifiziert werden konnten. Die Schlacht dauerte zehn Monate, kostete rund 320.000 Soldaten das Leben und endete ohne relevante Verschiebung des Frontverlaufs.

Im Sommer 2013 verbrachte ich meinen Urlaub im schönen Elsass, das nicht nur mit Architektur, Landschaft und gutem Essen und Trinken beeindrucken kann, sondern auch mit Soldatenfriedhöfen und Festungsanlagen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Auf der Heimreise machten wir noch Halt in Schoenenbourg, um eine Festung der Maginot-Linie zu besuchen, und fuhren dann auf einer Landstraße Richtung Heimat. Die deutsch-französische Grenze bestand aus einem Schild mit der Aufschrift „Deutschland“ und aus einer Stopptafel, weil das kleine Sträßchen, auf dem wir fuhren, in eine größere Straße einmündete.

Krasser kann der Gegensatz zu den Festungsanlagen und Soldatenfriedhöfen wohl kaum sein. An der Europäische Union mag man einiges zu Recht kritisieren, aber das Friedensprojekt EU war die beste Idee, die Europa je hatte. Das sollte man sich vor Augen führen – und an der EU-Wahl teilnehmen, um den Kräften keinen Raum zu lassen, die die EU zerstören wollen. Denn wie drückte es Winston Churchill etwas volkstümlicher aus: „Besser einander beschimpfen als einander beschießen.

Bild: Wikipedia Commons, Julian Nyča, CC-BY-SA 3.0


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