Gerhard Riegler: Danke, Herr Landeshauptmann!

Der Tiroler Landeshauptmann Platter rief sich und Österreichs „Schulpolitik“ vergangener Jahre in Erinnerung. Er sei nach wie vor ein Verfechter der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen. (1)

Dass Platter seine Position nicht ändert, überrascht mich wenig. Weit mehr überrascht mich folgende Aussage: „Die ÖVP-geführten westlichen Bundesländer Tirol, Vorarlberg und Salzburg, auch „Westachse“ genannt, hätten diesbezüglich eine „andere Herangehensweise“ als der Bund.“ (2) Hat er noch nicht mitbekommen, dass seine „Westachse“ schon lang zerbrochen ist?

Zur Erinnerung: Vor sechs Jahren war der Salzburger Landeshauptmann tatsächlich Teil der „Westachse“ gewesen. Wer dessen Aussagen seit damals verfolgte, sollte aber längst erkannt haben, dass sich LH Haslauer schulpolitisch weiterentwickelt hat und nicht mehr zu denen zählt, die den „Differenzierungsanspruch der Eltern unterschätzen“ (3), wie es BM Faßmann freundlich umschreibt. Univ.-Prof. Dollase fand zum monotonen Wiederholen von Positionen, die bildungswissenschaftlich ebenso wie durch die Erfahrung der Praxis längst widerlegt sind, schonungslose Worte: „Die Liebe zu antiken Debatten ist vor allem bei einfallslosen Modernisierern auffällig.“ (4)

Sollte LH Platter die Zeit finden, dieses Edit zu lesen, empfehle ich ihm zur Fortbildung in Sachen Schule einen Besuch von www.bildungswissenschaft.at. Jedenfalls danke ich ihm dafür, dass er uns alle an Zeiten erinnert, in denen wir in unserem Eintreten für ein vielfältiges Schulwesen auf politischer Ebene tatsächlich einen sehr einsamen Kampf zu kämpfen hatten. Dass wir trotzdem erfolgreich waren, erfüllt mich mit größter Genugtuung.

Ceterum censeo: Österreichs Schulwesen benötigt dringend zusätzliche Ressourcen, um all das leisten zu können, was Österreichs LehrerInnen leisten sollen und leisten wollen. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, der dem Schulwesen zur Verfügung gestellt wird, wurde seit der Jahrtausendwende im Schatten ideologisch motivierter Debatten um ein Viertel reduziert. Investieren wir endlich wieder einen fairen Teil unseres Wohlstands, den wir nicht zuletzt Österreichs Schulwesen verdanken, in dessen Zukunft und damit in die Zukunft der österreichischen Jugend!

(1) Siehe Faßmann will „jetzt nicht mehr herumdoktern“ an gemeinsamer Schule. In: Standard online vom 15. März 2019.

(2) ibidem.

(3) ibidem.

(4) Rainer Dollase, Gegen das Dogma von der Bildungsgerechtigkeit – Programme, mit denen wir aus jedem Kind einen Vollakademiker machen, kann es nicht geben. In: News4teachers online vom 26. Jänner 2018.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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