Herbert Weiß: Ethikunterricht

Bundesschulsprecher Timo Steyer hat in einer Presseaussendung Ethik „im Gegensatz zum Herumlungern“ als „einen echten Mehrwert für die Schüler“ bezeichnet. (1)

Bildungsminister Faßmann erfüllt mit seinem Vorstoß für den verpflichtenden Ethikunterricht für alle, die an keinem Religionsunterricht teilnehmen, einen Wunsch der ÖPU, die seit Jahrzehnten für diesen Schritt eintritt.

In diesem Zusammenhang ist es mir ein Anliegen, einige persönliche Gedanken dazu zu Papier zu bringen:

Ein Umsetzen der Uraltidee des Ethikunterrichts für alle als Ersatz für den Religionsunterricht halte ich für falsch. Mir sind nach wie vor meine religiöse Ausrichtung und der Kontakt zur Kirche wichtig. Der Grundstein dafür wurde in meiner Kindheit im Religionsunterricht und in der katholischen Jungschar gelegt. Aber auch, wenn man zur Kirche keinen persönlichen Bezug hat, sollte einem bewusst sein, dass unsere Kultur sehr stark von der Ausrichtung auf die christliche Religion geprägt ist. Wir sollten den „Kampf gegen die Islamisierung“ nicht jenen überlassen, die das Kreuz nur als politisches Symbol gegen MigrantInnen missbrauchen.

Die Verdrängung des Religionsunterrichts aus den öffentlichen Schulen würde auch die Gefahr in sich bergen, dass abseits der Öffentlichkeit der Indoktrination von Kindern und Jugendlichen Tür und Tor geöffnet wird.

Wenn man Medienberichten glauben darf, könnte die wichtige Initiative des Bildungsministers zum Ethikunterricht wieder einmal am Geld scheitern. Das ist für mich ein weiteres Indiz dafür, dass alle politischen Beteuerungen, unser Bildungsbudget wäre hoch genug, in Wirklichkeit keinen realen Hintergrund haben. Wie will man bei so knappen Budgetmitteln weitere Initiativen wie etwa die vielgepriesene Digitalisierungsoffensive finanzieren, wenn schon für den Ethikunterricht das Geld fehlt?

Meine Appelle an die Politik lauten daher:

  • Bekennen wir uns zu unseren christlichen Wurzeln, seien wir tolerant gegenüber allen anderen Religionen und wehren wir uns gegen alle Arten von Radikalisierungen!
  • Gehen wir nach der Erhöhung des Budgets für die Universitäten den nächsten dringend nötigen Schritt und stellen wir auch dem Schulbereich jene Mittel zur Verfügung, die dort für die bestehenden Herausforderungen und für Innovationen dringend gebraucht werden!

(1) Bundesschulsprecher: „Ethik hat im Gegensatz zum Herumlungern einen echten Mehrwert für die Schüler“. OTS-Aussendung vom 15. Jänner 2019.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


6 Gedanken zu “Herbert Weiß: Ethikunterricht

  1. Die Sache mit dem Ethikunterricht erinnert mich an die Einführung des EDV-Unterrichts vor etwa 25 Jahren. War man zuvor äußerst pingelig mit Lehramtsprüfungs-Zeugnissen, so durfte auf einmal jeder EDV unterrichten, der wusste, dass es außer Nagetieren auch noch andere Mäuse gibt.

    Schön, dass Kollege Weiß den Ethikunterricht wertschätzt. Schön, dass er sich um dessen Finanzierung sorgt. Überraschend, dass er sich um die Qualifikation derer keine Sorgen macht, die Ethik unterrichten sollen.

    Ich zitiere aus dem Internet (www.studieren.at) : „Das eher seltene Fachgebiet „Ethik“ kann nur an Universitäten belegt werden und wird nur in Studiengängen mit einem Masterabschluss in Vollzeit angeboten. Die Voraussetzungen sind je nach Hochschule unterschiedlich, aber grundsätzlich wird für ein Masterstudium ein vorheriges, erfolgreiches Bachelorstudium verlangt und für ein Ethik-Studium bieten sich vor allem Bachelorstudien in Fächern Theologie, Philosophie oder Religion an.“

    Wie viele ausgebildete Ethik-LehrerInnen da wohl zur Verfügung stehen?

    1. „Ethik wirft einen echten Mehrwert (!?) für die Schüler ab?“ Der Bundesschulsprecher hat nichts kapiert. Sein Ethiklehrer wohl auch nichts…

  2. Klarer Widerspruch meinerseits zur Trennung der Religionsschüler_innen von den Ethikschüler_innen in der Schule. Es geht um die Klassengemeinschaft als Ganze. Ethikunterricht soll die Schüler_innen einer Klasse verbinden – daher „Ethik- und Religionenunterricht“ für alle!
    Bedenken gegenüber dem Religionsunterricht in der österreichischen Schule, wie er aktuell organisiert ist, hege ich dahingehend, dass dieser inhaltlich und personell allein von den Religionsgemeinschaften bestimmt und kontrolliert wird. Hier trete ich für klare staatliche Vorgaben und Kontrollen ein, falls dieser Unterricht weiterhin in der Schule stattfinden sollte. Auch im Religionsunterricht müssen die Werte der Aufklärung, die Menschenrechte, Minderheitenrechte usw. vermittelt werden. Fundamentalismus darf in der Schule keinen Platz haben – weder von Christen noch von Muslimen, weder von Zeugen Jehovas noch von sonstigen (religiösen) Gemeinschaften.

  3. Es hängt vom Lehrer ab, quelle surprise.

    Wenn er 1. keine Persönlichkeitsstörung aufweist und 2. verstanden hat, was Epistemologie ist, bzw. die jeweils angemessene Methode des Unterrichts, dann kann er den Religionsunterricht so gestalten, dass sich der Ethikunterricht erübrigt, denn dann vermittelt er neben Frömmigkeitsübungen vor allem auch (ansatzweise) Religionsgeschichte und -soziologie, Textkritik, vergleichende Religionswissenschaften, …

    Und hat man einen schlechten Ethiklehrer, der in „Ernstsimulationen“ Schülern Trolley-Dilemmata aufdrängt, nicht, um zu zeigen, dass manchmal Alternativen schon falsch sind, sondern: damit sie sich schon wie richtige Philosophen fühlen (wobei diese Art der Schülerdiskussion praktischerweise auch kaum vorbereitet werden muss), dann erübrigt sich der Ethikunterricht ebenfalls.

    Das gilt vermutlich mutatis mutandis auch vom schlechten Religionsunterricht und vom guten Ethikunterricht.
    Wir brauchen statt Patentrezepten im Religionsunterricht wie überall Lehrer, die sich auf ihr Fach verstehen.

  4. Nachtrag

    Zufällig widmet die dieswöchige Ausgabe der St. Pöltner Regionalzeitung „NÖN“ ihre Titelgeschichte dem Thema Ethikunterricht. Zwei vielsagende Zitate daraus:

    „Wir haben in der HTL positive Erfahrungen mit dem Ethik-Unterricht gemacht. Früher haben sich viele Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr.“ (Martin Pfeffel, Direktor HTL)

    „Tätsächlich sind die Lehrpläne von Ethik und (katholischer) Religion zum größten Teil deckungsgleich.“ (Armin Haiderer, Religionslehrer Tourismusschule)

  5. Aus „wissenschaftlichen“ (gemeint sind wohl empirische) Erkenntnissen lassen sich keine „Handlungsaufträge“ (???) ableiten! Grundkurs Logik versäumt???

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