Herbert Weiß: Manch Sanierungsmaßnahme muss schnell erfolgen

Das österreichische Schulsystem hat in der Vergangenheit genug Reformen erlebt.“ (1) Die Ankündigung des Bildungsministers, die Schulen endlich einmal in Ruhe arbeiten lassen zu wollen, ist im Frühjahr auf große Zustimmung gestoßen und hat für ein Aufatmen gesorgt. Doch inzwischen wurde BM Faßmann von der Realität eingeholt. Es warteten auf ihn weit mehr Baustellen, als er sich bei Amtsantritt wohl vorstellen konnte. Einige Sanierungsmaßnahmen wurden inzwischen angegangen, für andere will man sich mehr Zeit gönnen. Erkannt wurde jedenfalls Sanierungsbedarf, der davor jahrelang geleugnet worden war.

Zur letzten Kategorie gehört für mich die Reform der Reifeprüfung, bei der erstmals auch auf die Betroffenen gehört wird. Die Umsetzung der inzwischen erarbeiteten Vorschläge wird teilweise Jahre brauchen. Sie muss im Sinne der SchülerInnen ja auch in Ruhe und vor allem klar durchdacht erfolgen. Wichtiger als das Tempo ist für mich dabei die Qualität.

Eine Sanierungsmaßnahme wurde in den letzten Tagen vom Nationalrat im Rahmen einer Dienstrechtsnovelle gesetzt. Durch einen gravierenden Fehler, den Universitäten bei der Entwicklung der „PädagogInnenbildung NEU“ begangen hatten, wurde nämlich eine dreistellige Anzahl von Lehramtsstudierenden zu einem Studienabschluss geführt, der nicht den gesetzlichen Erfordernissen für eine Anstellung entsprach. Saniert werden konnte dieses Versagen nur mehr durch eine Änderung der Gesetzeslage.

Ich bin sehr froh, dass der Gesetzgeber dazu gebracht werden konnte. Als kühn empfinde ich es allerdings, wenn von jener Organisation, die für den Fehler verantwortlich ist, nun folgende Aussage kommt: „Diese Änderung hätte schon vor längerer Zeit vorgenommen werden müssen.“ (2) Denke dabei nur ich an die Aussage eines ertappten Temposünders, der gegenüber dem Polizisten meint, man hätte schon vor längerer Zeit Tempo 140 einführen müssen?

Die „PädagogInnenbildung NEU“ mit dem ab dem kommenden Schuljahr für alle neu eintretenden KollegInnen verpflichtenden „Dienstrecht NEU“ ist für mich die größte Baustelle im Bildungsbereich. Besonders schlimm ist dabei, dass man unsere künftigen KollegInnen mit der „Induktionsphase“ vor fast unlösbare Aufgaben stellt und damit ihre Überforderung oder gar ihr Scheitern in Kauf nimmt.

Die Sanierung aller offenen Baustellen wird sicher Jahre brauchen. Jetzt bedarf es aber eines entschlossenen und raschen Handelns, indem man das Auslaufen des Unterrichtspraktikums verschiebt und die dadurch gewonnene Zeit für eine gründliche Reform der Induktionsphase und in weiterer Folge der LehrerInnenbildung nutzt. Das kann, da es eine Gesetzesänderung erfordert, der Bildungsminister allein nicht schaffen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.

(1) Heinz Steinbock und Markus Staudinger, „Wenn es jetzt einmal eine Zeit ohne Grundsatzreformen gibt, ist das gut“. In: Oberösterreichische Nachrichten online vom 9. März 2018.

(2) Univ.-Prof. Dr. Erich Müller, Vizerektor für Lehre an der Universität Salzburg, zit. n. Uni-Absolventen dürfen nicht unterrichten: Lösung in Sicht. In: Salzburger Nachrichten online vom 10. Dezember 2018.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


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