Gudrun Pennitz: Zuhören

Kein Beitrag von Eckehard Quin, Gerhard Riegler oder Herbert Weiß heute?

Es freut mich sehr, in den Kreis derer aufgenommen worden zu sein, die sich regelmäßig an dieser Stelle zu Wort melden dürfen. Wie Ihnen Gerhard Riegler vor einer Woche verraten hat, soll ich bei den nächsten PV-Wahlen im AHS-Bereich in knapp einem Jahr als Spitzenkandidatin der ÖPU antreten und seine Aufgaben als neue ÖPU-Vorsitzende übernehmen. Gerhard wird mir das Staffelholz in die Hand drücken, wie er in einem sehr schönen Bild zum Ausdruck gebracht hat.

Erlauben Sie mir ein paar persönliche Zeilen zu meiner Person:

Ich heiße Gudrun Pennitz, unterrichte (begeistert) Deutsch und Englisch am BRG Keplerstraße in Graz und vertrete dort meine Kolleginnen und Kollegen seit 14 Jahren als Vorsitzende des Dienststellenausschusses. Bereits als Klassensprecherin und kurz auch als Schulsprecherin durfte ich früh Erfahrungen als „Standesvertreterin“ sammeln. Als ich mit 15 Jahren vom damaligen Schuldirektor dafür zur Verantwortung gezogen wurde, dass Mitschüler das Klassenzimmer mit Dispersionsfarbe „versaut“ hatten, musste ich erstmals den Kopf hinhalten und meinem Direktor die Stirn bieten, weil er meinte, ich sei als Klassensprecherin für das Handeln der von mir Vertretenen verantwortlich. Eine für mich wichtige Erkenntnis für spätere Jahre: Für andere einzustehen, sie zu verteidigen, ist nicht immer angenehm, aber wichtig!

Im Jahr 2009 wurde ich schließlich steirisches Mitglied im Zentralausschuss AHS, wo ich mich seither als Teil eines von mir als äußerst kompetent empfundenen Teams für die Interessen aller Kolleginnen und Kollegen an den österreichischen Gymnasien einsetzen darf.

Vor ein paar Jahren begannen Gerhard und ich aus seinen Exzerpten Tausender bildungswissenschaftlicher Publikationen ein digitales Nachschlagwerk zu formen, die Geburtsstunde von www.bildungswissenschaft.at. Welchen Stellenwert dieses Unternehmen in der Bildungsdiskussion einmal erlangen würde, war damals noch nicht absehbar.

Durch inzwischen neun Jahre Mitarbeit im Zentralausschuss, durch die intensive Auseinandersetzung mit bildungswissenschaftlichen Themen und nicht zuletzt durch viele Beobachtungen des Ablaufs der Personalvertretungsarbeit auf Bundesebene glaube ich zu wissen, worauf ich mich einlasse: in einem Team starker Persönlichkeiten, die in ihrer Arbeit für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen größtes Engagement zeigen, mit Empathie und Optimismus schwierige Themen anzupacken und an ihnen mit Hartnäckigkeit im Interesse der Gymnasien und aller an ihnen Lehrenden dranzubleiben.

Gerhard Riegler leitet nun nach eineinhalb Jahrzehnten den Wandel ein und wird ihn aus seiner Führungsfunktion heraus ein Jahr lang begleiten. Dass er das mit so viel Freude tut, beeindruckt und motiviert mich zusätzlich. Ich möchte seine unermüdliche Arbeit zum Wohle der Lehrerinnen und Lehrer an Österreichs Gymnasien fortsetzen, möchte das erfolgreiche Miteinander der Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Schularten über die Fraktionsgrenzen hinweg und das gute Einvernehmen aller Schulpartner weiterführen und ausbauen. Zusammen können wir mehr bewegen.

Zuhören öffnet nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz, heißt es. Ganz genau zuhören möchte ich, und zwar nicht nur im kommenden Jahr. Ganz genau zuhören, insbesondere denen, die ich vertreten darf. Denn auf die Lehrerinnen und Lehrer kommt es an, wie nicht nur die Bildungswissenschaft weiß …

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Gudrun Pennitz: Zuhören

  1. Ad: Eine für mich wichtige Erkenntnis für spätere Jahre: Für andere einzustehen, sie zu verteidigen, ist nicht immer angenehm, aber wichtig!

    Kürzlich hat der ÖPU-Bundeskongress in Vöcklabruck einen Offenen Brief an Minister Faßmann verfasst (unterschrieben von Koll. Gerhard Riegler), in dem anschaulich und übersichtlich die Nachteile der neuen Induktionsphase dargestellt werden.
    Ein Punkt ist darin gar nicht erwähnt (er gehört auch nicht direkt zum Thema Induktion), der Junglehrern an AHS / BHS das Leben von nun an schwerer machen wird als bisher: Die Lehrverpflichtung an AHS ist auf einmal genauso hoch wie die Lehrverpflichtung an Pflichtschulen!

    Ich habe ja schon als Junglehrer verstanden, dass ich zu Recht mehr verdiene als ein HS-Kollege, weil mein Studium länger gedauert hat. Aber wieso hatte [Imperfekt, weil ich jetzt schon in Pension bin] ich auch eine geringere Lehrverpflichtung als ein HS-Kollege? Na ja, hieß es, das sei eine Pauschalrechnung von Unterstufe und Oberstufe (wo der Aufwand höher ist als in der Unterstufe) gemischt – à la longue gleiche sich das aus. Das habe ich auch noch verstanden.
    Nie verstanden habe ich allerdings, wieso die Kollegen an ORGs (und selbstverständlich alle BHS-Kollegen) dieselbe Lehrverpflichtung wie ich als grundständiger (also 8 Jahre) Gymnasiallehrer hatten bzw. noch immer haben. Ich habe das immer als ungerechtfertigtes Privileg aller jener AHS-Lehrer verstanden, die Unterstufen-Klassen unterrichte(te)n – und das gleich doppelt: privilegierte Lehrverpflichtung gegenüber ORG (und BHS) und gegenüber PS sowieso.

    Und was hat das alles mit Kollegin Pennitz zu tun?

    Dieses Einstehen für andere, von dem sie schreibt, kann natürlich schmerzhaft sein einem Außenfeind gegenüber (bei ihr mit 15 war das ihr damaliger Schuldirektor). Noch schmerzhafter ist es allerdings, wenn man manchen eigenen Leuten gegenüber Profil zeigen muss. Das allerdings ist eine Aufgabe, welche die Standesvertretung bisher vernachlässigt hat.
    Zwei weitere Beispiele noch: Als ich 1977 anfing, gab es schon (mit ganz geringen Abweichungen) dieselben Lehrverpflichtungsgruppen wie heute noch. Eine Diskussion darüber, ob sich über die Jahrzehnte hinweg die relative Wertigkeit (im Sinne des nötigen Arbeitsaufwandes) der Fächer untereinander vielleicht doch geändert hat, wurde stets peinlich vermieden: man hätte ja schlafende Hunde wecken können. Bei der großen Lehrerarbeitszeitstudie 2000 hätte man objektive Daten zum Vergleich gehabt – aber eine Auswertung der zeitlichen Belastung nach Fächern wurde – surprise! surprise! – weder gemacht noch von irgendwem verlangt. Nur keine Wellen schlagen …
    Zweitens: Frau Kollegin Pennitz, Sie unterrichten Deutsch und Englisch – beide Fächer schneiden notenmäßig bei der Zentralmatura viel zu gut ab (behaupte ich aufgrund der Statistiken des Ministeriums: 20% Sehr gut gegenüber 1-2% Nicht genügend in den Sprachen ist unseriös). Sagen Sie mir doch, ob Sie vor 10, 15 Jahren dieselben Noten-Schnitte hatten wie jetzt bei der Matura! Falls ja, dann leben wir in zwei verschiedenen Welten (meine Schnitte in Englisch waren immer so zwischen 2,6 und 3,2 – bei der Zentralmatura 2015 hatte ich dann auf einmal 1,65!). Falls nein – was für Schlüsse ziehen Sie daraus?

    Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen in Ihrer neuen Aufgabe viel Erfolg! Sie haben eine Herkulesarbeit vor sich.
    P.S.: Wie gendert man „Herkulesarbeit“?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.