… aber alles ist ohne den Frieden nichts

Ich nehme den heutigen Nationalfeiertag zum Anlass, um einen Blick auf den Zustand unserer Nation zu werfen. Dabei geht es mir nicht um die zweifellos spannende Frage, was eigentlich eine Nation ist und wie sich der Begriff historisch verändert hat. Mir geht es mehr darum, wie wir Menschen, die in unser Land kommen und hier bleiben, in unsere Gesellschaft integrieren, damit wir tatsächlich nur eine Nation bilden.

Sehr erfolgreich waren wir in der Vergangenheit damit nicht. „Österreichweit hat mehr als ein Viertel aller Schüler/innen eine nicht-deutsche Umgangssprache, in Wien sogar mehr als die Hälfte.“ (1) Zu Beginn dieses Jahres lebten rund 284.000 Jugendliche mit ausländischem Geburtsort in Österreich. „42,7 % von diesen stammten aus EU-/EFTA-Staaten, 57,3 % der Jugendlichen kamen aus Drittstaaten.“ (2)

SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache haben es aber besonders schwer, wie etwa die Ergebnisse der Zentralmatura zeigen. „An den Schulen mit dem schlechtesten Notendurchschnitt liegt der Anteil der Kinder, die nicht Deutsch als Umgangssprache haben, in den AHS bei 40 Prozent und in den BHS bei 22 Prozent. An den Standorten mit dem besten Notendurchschnitt beträgt dieser Anteil jeweils unter 10 Prozent.“ (3) Auch die NEET-Rate (4) ist bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch wie bei denen ohne Migrationshintergrund. (5)

Jahrzehntelang hat die österreichische Politik in diesem Zusammenhang zweierlei vermissen lassen – wohl auch bedingt durch unsere belastete Vergangenheit:

  • die Erkenntnis, dass Österreich – gemessen an der Einwohnerzahl – zu den größten Einwanderungsländern der Welt zählt, und
  • entsprechende Integrationsmaßnahmen für die Menschen, die zu uns kommen und hier bleiben.

2017 lag der Bevölkerungsanteil im Ausland geborener Personen in Österreich bei 18,9 % und damit um mehr als die Hälfte über dem Frankreichs, ein Drittel über dem Großbritanniens und 44 % über dem OECD-Durchschnitt. (6) Klassische Einwanderungsländer suchen sich überdies im Gegensatz zu Österreich die Menschen gezielt aus, die sie einwandern lassen.

Gott sei Dank werden seit einiger Zeit gezielt Maßnahmen gesetzt, um die Grundvoraussetzung für Integration zu verbessern – die Förderung der Kenntnis unserer Sprache. Freilich ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. BM Faßmann gibt das auch offen zu: „Wenn es keine politischen Zwänge gäbe, würde ich tatsächlich mehr Geld aufwenden“, sagte er kürzlich in einem „News“-Interview. (7)

Hoffentlich sehen bald alle politischen Kräfte in diesem Land ein, dass gesteuerte Migration und erfolgreiche Integration nicht nur eine Frage der Menschlichkeit sind, sondern auch die notwendige Voraussetzung für sozialen und gesellschaftlichen Frieden. Und das sollte wohl allen klar sein: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“ (8)

(1) ÖIF (Hrsg.), Migration und Schule (Mai 2018), S. 1.

(2) Migration und Schule, S. 2.

(3) Ö1-Morgenjournal vom 27. Juni 2018.

(4) NEET ist ein Akronym des Begriffs „Not in Education, Employment or Training“ und bezeichnet die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden und dies auch nicht unmittelbar anstreben.

(5) Siehe Migration und Schule, S. 5f.

(6) Siehe OECD (Hrsg.), International Migration Outlook 2018 (2018), Figure 1.12.

(7) Isabell Widek, Der Ping-Pong-Spieler. In: News vom 19. Oktober 2018, S. 26-28, hier S. 28.

(8) Willy Brand in seiner Rede zum 100-jährigen Bestehen des Verlages J.H.W. Dietz Nachf. am 3. November 1981.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “… aber alles ist ohne den Frieden nichts

  1. E. Quin will sich nicht mit der Frage befassen, was eine „Nation“ eigentlich ist, es geht ihm darum, dass wir in Österreich EINE Nation bilden.

    Irgendwie erinnert mich das an Qualtinger: „Ich hab zwar ka Ahnung, wo i hinfahr, aber dafür bin i gschwinder dort.“
    Wie auch immer – E. Quin braucht keine 10 Zeilen, um sofort beim Ausländerthema zu landen – für ihn sind die Zuwanderer das Problem bei der Nationenbildung.

    Dieser Horizont ist mir zu eng: Die mediale Berichterstattung um den 10. Todestag Jörg Haiders hat erst kürzlich in Erinnerung gerufen, dass der damalige Obmann der FPÖ die österreichische Nation als „ideologische Missgeburt“ bezeichnet hat: „Das wissen sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache.“ (1988)

    Nun zitiere ich aus dem STANDARD: „Zehn Jahre nach dem Tod Jörg Haiders haben sich am Mittwoch seine Witwe Claudia und der nunmehrige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei einem Festakt an der Grabstätte Haiders im Kärntner Bärental versöhnt. Haiders BZÖ-Mitstreiter Gerald Grosz verlieh dem Vizekanzler die „Jörg-Haider-Medaille“, anschließend pflanzten Witwe und Vizekanzler gemeinsam einen Baum.“

    Es ist also wohl nicht zu weit hergeholt, die Denkweise Jörg Haiders als auch noch in der heutigen FPÖ tief verwurzelt zu betrachten. Auf E. Quins Thema umgelegt heißt das: Er mag schon recht haben damit, dass es bei den „Ausländern“ Schwierigkeiten mit der Nationen-Bildung gibt, wir haben aber auch eine Regierungspartei, die mit der österreichischen Nation ebenfalls nichts am Hut hat (ich erinnere z.B. an deren deutschtümelnde Burschenschafter, die in alle möglichen Positionen gehievt werden). Diese Partei hat bei der Nationalratswahl 2017 25,97% der Stimmen erzielt. Wie viele dieser Wähler mögen wohl überzeugte Verfechter einer österreichischen Nation sein?

    Fazit: Kehren wir doch zuerst vor der eigenen Türe, bevor wir wieder einmal bei den „Ausländern“ Probleme orten.

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