Volle Unterstützung

Es hat schon Tradition, das GÖD-Forum anlässlich des WeltlehrerInnentages. Diesmal lud die Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen zu einem Vortrag von Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger mit dem Titel „Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan“.

Es ist hier nicht der Platz, den gesamten Inhalt des hervorragenden Referats wiederzugeben. Einen Punkt möchte ich aber herausgreifen: Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten angefangen – werden durch den gesellschaftlichen Wandel immer wichtiger, um Kinder zu sozialisieren und ihnen den Kontakt mit Gleichaltrigen zu ermöglichen. Immer mehr Kinder sind gekennzeichnet durch Selbstfixierung, mangelhafte soziale Einpassung, geringe Kritikfähigkeit, leichte Kränkbarkeit, Wehleidigkeit gegenüber sozialer Zurückweisung, mangelhafte Fähigkeit zu verlieren, Aufmerksamkeitsmangel, Konzentrationsschwäche, mangelhafte Ausbildung von Ausdauer und Durchhaltefähigkeit, geringe Frustrationstoleranz im Lernprozess, raschen Interessensverlust wegen geringer Anstrengungsbereitschaft, permanente Reizsuche, Neigung zur passiven Unterhaltung und mangelhafte Ausbildung von Sekundärtugenden (Treue, Fleiß, Ordnung, Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Konstanz, Kontinuität, Konsequenz). Lt. Leibovici-Mühlberger gibt mittlerweile fast ein Viertel der 10- bis 18-Jährigen an, aktuell an einer seelischen Erkrankung zu leiden.

Es sind die LehrerInnen, denen eine ganz wichtige Funktion in der Behebung dieser Defizite zukommt, und dafür benötigen sie dringend Unterstützung – materielle und immaterielle. Leider kommt Lehrer-Bashing durch manche „ExpertInnen“, JournalistInnen und PolitikerInnen jedoch weit häufiger vor. Trotzdem möchte ich hier nicht lamentieren. Unser Beruf ist einer der schönsten, die es gibt – und einer der wichtigsten, denn welche andere Berufsgruppe kann schon von sich behaupten, dass sie mit ihrer Arbeit die kommenden Jahrzehnte nachhaltig prägt? „Der geringste Dorfschulmeister, wenn er seine Pflichten treulich erfüllt, ist eine wichtigere und nützlichere Person im Staate als der Finanzminister …“ (1)

Ich wünsche Ihnen, geschätzte KollegInnen, und mir anlässlich des heutigen Welttages der LehrerInnen, dass unsere Gesellschaft verinnerlicht und berücksichtigt, was Barack Obama über LehrerInnen gesagt hat: „You all know how hard they work. They stay up late grading your assignments. That’s why you got all those marks all over your papers. They pull sometimes money out of their own pockets to make that lesson extra special. And I promise you, […] they’re not doing it for the pay — because teachers, unfortunately, still aren’t paid as much as they should be. They’re not doing it for the glory. They’re doing it because they love you, and they believe in you, and they want to help you succeed. So teachers deserve more than just our gratitude — they deserve our full support.“ (2)

(1) Adolph Freiherr Knigge, Über den Umgang mit Menschen (1788), 10. Kapitel.

(2) Valerie Strauss, President Obama’s education speech at D.C.’s Benjamin Banneker High School. In: Washington Post online vom 21. Oktober 2016.

Bild lizenziert von BIGSTOCKPHOTO.


Ein Gedanke zu “Volle Unterstützung

  1. Sg. Kollege Quin, Anmerkungen zu Ihrem Artikel „Volle Unterstützung“ .

    Als aufmerksamer Leser Ihrer „Quintessenzen“ stimme ich Ihrem Artikel nur teilweise zu. Helikopter-Eltern und Tyrannen-Kinder sind nur die eine Seite der Erziehungslandschaft, nämlich jene der wohlhabenden sozialen Schichten. Auf diese Kinder treffen die von Ihnen angeführten Attributierungen häufig zu.

    Die andere Seite sind vernachlässigte, verwahrloste, verletzte Kinder, welche in ihrem Leben nie Liebe und Zuneigung erfahren haben und oft in Drogensucht und Kriminalität abgleiten. Diese Kinder zurückzuholen und ihnen einen Sinn im Leben zu vermitteln, ist eine unabdingbare Aufgabe unserer Gesellschaft.

    Ein eigenes Kapitel und eine besondere Herausforderung an die Gesellschaft sind in der heutigen Zeit die verarmten und oft verletzten Flüchtlingskinder. Sinnvolle Hilfe und Integration dieser Kinder stellen unsere Gesellschaft vor große, aber hoffentlich lösbare Probleme.

    Falls Interesse vorhanden, verweise ich auf meine Homepage „www.paukert.at“. Dort habe ich unter „Psychologie“ einige Artikel zu „Erziehung und Schule“ verfasst.

    MfG, Herbert Paukert

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